Diplomarbeit, 2002
113 Seiten, Note: 1.0
1. Netzwerke zwischen plapperndem Bazar und strukturpolitischer Intervention
2. Zerstörung von Netzwerken als Stiefkind der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Netzwerkdebatte
2.1. Warum sich mit der Zerstörung von Netzwerken beschäftigen?
2.2. Zerstörung von Netzwerken und disziplinäre Netzwerkperspektiven
3. Was sind Netzwerke überhaupt?
3.1. Ursprünge des sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Netzwerkdenkens
3.2. Weiterer des Verlauf sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Netzwerkdiskurses
3.3. Netzwerke als Mikro-Makro-Scharnier
3.4. Netzwerke und Transaktionskostentheorie
3.5. Netzwerke zwischen Markt und Hierarchie
3.6. Netzwerke und Clans
3.7. Unternehmensnetzwerke
3.7.1. Horizontale Unternehmensvernetzung
3.7.2. Vertikale Unternehmensvernetzung
3.7.3. Regionale Unternehmensvernetzung
3.7.4. Global Cities und Vernetzung
4. Das Konzept der hierarchielosen regionalen Vernetzung des SFB 457 an der Technischen Universität Chemnitz
4.1. Modell der 2-Ebenen-Kooperation
4.2. Voraussetzungen und Entstehung von Netzwerkorganisationen
4.3. Netzwerk- und Projektbetrieb
5. Zerstörung von Netzwerken
5.1. Das Modell der Zwei-Ebenen-Kooperation und die Zerstörung von Netzwerken
5.1.1. Zentrale Aufgaben des Netzwerkmanagements
5.1.2 Die Zerstörung von Netzwerken als Sonderfall des Netzwerkmanagements
5.1.3 Definition und Abgrenzung des Zerstörungsbegriffs
5.1.4 Typologie der Szenarien der Zerstörung von Netzwerken
5.1.5 Grundstrategien der Zerstörung von Netzwerken
5.2. Zerstörungsstrategien im Kontext des Niedergangs der Hanse
5.2.1. Kurze Entstehungsgeschichte der Hanse
5.2.2. Die Hanse als Modell der Städtevernetzung
5.2.3. Faktoren des Niedergangs der Hanse
5.2.4. Zerstörungsstrategien im Zuge des Niedergangs der Hanse
6. Netzwerke jenseits von Kultivierung und Einbettung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Zerstörung von Netzwerken als notwendigen Gegenpol zur gängigen Netzwerk-Euphorie. Ziel ist es, ein Modell für das Netzwerkmanagement zu entwickeln, das nicht nur der Etablierung und Steuerung, sondern explizit auch der bewussten Zerstörung von Netzwerken dient, um so managementtheoretische Lücken in der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zu schließen.
Netzwerke zwischen plapperndem Bazar und strukturpolitischer Intervention
Auch über den wissenschaftlichen Diskurs hinausgehend stehen Netzwerke für Informationsfluss, Synergieeffekte, Partizipation und Identitätsstiftung; in jedem Fall unbestritten ist die allgemeine „... Konjunktur der Idee, dass Netzwerke Problemlösungen zustande bringen, die anderen organisatorischen Arrangements oder institutionellen Strukturen überlegen sind ...“ (Weyer 2000, 1). Egal, ob dabei ganz allgemein Kompetenzverbesserung und Effizienzsteigerung als Vorteile von Vernetzung (Reiss 1996, 198f) oder konkreter partizipatorische Aspekte einer Electronic Democracy (Winkel 2000, 19) zur Diskussion stehen: die größtenteils positive Konnotation des Netzwerkbegriffes scheint der kleinste gemeinsame Nenner einer ansonsten von Unübersichtlichkeit und Theoriedefiziten geprägten Debatte zu sein (vgl. etwa Tacke 2001, 40f).
Wer sich mit der Zerstörung von Netzwerken beschäftigt, erregt daher leicht den Verdacht, den Minimalkonsens einer äußerst kontroversen Debatte angreifen zu wollen. Dass die „... meisten z.T. lebenswichtigen Infrastrukturen - ob Bahn oder Sprach und Datennetze, Energieversorgung oder Rettungsdienste, Banken oder Krankenhäuser – (...) heute in hohem Maße von Informationstechnik und Vernetzung abhängig“ (Hutter 2000, 31) sind, mag den Ruch des sprichwörtlich subversiven Anliegens noch verstärken.
1. Netzwerke zwischen plapperndem Bazar und strukturpolitischer Intervention: Das Kapitel führt in die aktuelle, primär positive Netzwerkdebatte ein und stellt die provokante These auf, dass die Beschäftigung mit Netzwerkzerstörung trotz ihrer vermeintlichen Subversivität notwendig ist.
2. Zerstörung von Netzwerken als Stiefkind der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Netzwerkdebatte: Hier werden die Gründe für die Vernachlässigung der Zerstörungsthematik untersucht und die Notwendigkeit begründet, Netzwerke als steuerbare und potenziell zerstörbare Organisationen zu betrachten.
3. Was sind Netzwerke überhaupt?: Dieser Abschnitt leistet die theoretische Grundarbeit, indem er verschiedene wissenschaftliche Perspektiven (Soziologie, Ökonomie, Anthropologie) auf Netzwerke vergleicht und integriert.
4. Das Konzept der hierarchielosen regionalen Vernetzung des SFB 457 an der Technischen Universität Chemnitz: Das Kapitel stellt ein spezifisches Netzwerkmodell vor, das als Grundlage für die spätere theoretische Ableitung von Zerstörungsstrategien dient.
5. Zerstörung von Netzwerken: Das zentrale Kapitel führt die Zerstörung als Sonderfall des Netzwerkmanagements ein, typologisiert Szenarien und entwickelt Strategien, die anhand des historischen Beispiels der Hanse validiert werden.
6. Netzwerke jenseits von Kultivierung und Einbettung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass Netzwerkmanagement mehr ist als reines Wachstum und Konservierung, sondern auch aktive Grenzgestaltung und Destabilisierung umfasst.
Netzwerkmanagement, Netzwerkzerstörung, Hanse, Organisationstheorie, Vernetzung, Systemtheorie, Projektzyklus, Kooperation, institutionelle Stabilität, Strukturwandel, Grenzmanagement, Strategie, Unternehmensnetzwerke, regionale Netzwerke, Fehlsteuerung
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Modellierung der Zerstörung von Netzwerken, um ein bisher vernachlässigtes Gegenstück zur einseitig positiven Netzwerkforschung zu liefern.
Die Arbeit verbindet Netzwerktheorie, Managementlehre, Organisationssoziologie und historische Analyse, um das Phänomen Netzwerkzerfall und -zerstörung ganzheitlich zu erfassen.
Das primäre Ziel ist es, die Zerstörung von Netzwerken als legitimen und notwendigen Sonderfall des modernen Netzwerkmanagements zu etablieren und operabel zu machen.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-deduktive Modellbildung, die durch eine historische Fallstudie zur Hanse empirisch plausibilisiert wird.
Der Hauptteil entwickelt ein Zwei-Ebenen-Modell zur Kooperation, leitet daraus verschiedene Zerstörungsszenarien ab und systematisierte diese in einem Strategiekatalog für Netzwerkmanager.
Neben dem Netzwerkmanagement stehen Begriffe wie Zerstörungsszenarien, Hanse, Organisationsgrenzen, Projektzyklus und Systemvertrauen im Zentrum.
Die Hanse dient als historisch über einen langen Zeitraum dokumentiertes Städtenetzwerk, an dem sich Prozesse der Entstehung, des Strukturwandels und schließlich des Zerfalls hervorragend rekonstruieren lassen.
Die Arbeit argumentiert, dass Zerstörung in bestimmten Situationen systemerhaltend wirken kann, etwa um ineffiziente Strukturen aufzubrechen oder unplausible Machtverhältnisse zu reorganisieren.
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