Diplomarbeit, 2008
107 Seiten, Note: 1,9
0. Einleitung
1. Definitionen, Statistiken und Begriffszusammenhänge
1.1. Gewaltverbreitung in Deutschland
1.2. Begriffserklärungen
1.2.1. Der dreidimensionale Gewaltbegriff
1.2.2. Der Aggressionsbegriff
1.2.3. Unterschiedliche Bedeutungsfelder von Aggressionen und Gewalt
1.3. Theoretische Entstehungsansätze von Aggressionen und Gewalthandlungen
1.3.1. Triebtheorie
1.3.2. Frustrationstheorie
1.3.3. Lerntheorien
1.3.3.a) Lernen am Modell
1.3.3.b) Lernen am Effekt
1.3.3.c) Kognitives Lernen
1.3.4. Anomietheorie
1.3.5. Etikettierungstheorie
1.3.6. Fazit der Theorien
2. Gewalt - Ein männliches Phänomen
2.1. Die Täter
2.2. Die Opfer
3. Das (gewalttätige) Männerbild unserer Gesellschaft
4. „Typisch Mann“ - Männlichkeit und männliche Sozialisation
4.1. Die Familie als primäre Sozialisationsinstanz
4.2. Männliche Sozialisationsmuster im Vorschulalter und außerschulische institutionalisierte Kindererziehung
4.3. Das Mesosystem Schule als Sozialisationsinstanz
4.4. Peer- Group- Bildung in der Pubertät als wichtiger sozialisatorischer Prozess
5. Die Jugendphase
5.1. Begriffsentstehung und historische Einführung
5.2. Definitionen von Jugend und Jugendlichen
5.3. Jugend als ein chancenreicher Lebensabschnitt mit dem Ziel Männlichkeit
5.3.1. Fallbeispiel: Wie Mike S. seine schwere Kindheit ausglich und zu einer stabilen Persönlichkeit heranreifte
5.4. Das Eriksonsche Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung mit dem zentralen Gesichtspunkt der Identität vs. Identitätsdiffusion im Jugendalter
5.4.1. Darstellung des Modells
5.5. Empirische Gewaltforschungen im Zusammenhang mit psychosozialen Entwicklungseinflüssen bei Jugendlichen
5.5.1. Emotionale Desintegration durch Beziehungsauflösung oder mangelnden Bezug zu wichtigen Personen oder personellen Institutionen
5.5.2. Auflösung der faktischen Teilnahme an gesellschaftlichen Institutionen
5.5.3. Die Auflösung der Verständigung über gemeinsame Norm- und Wertevorstellung
5.5.4. Fazit
5.6. Der Zusammenhang zwischen Verunsicherungen und Gewalt
6. Subkulturen als Zufluchtsalternative für Identitätssuchende
6.1. Jugendliche Subkulturen
6.1.1. Die populärsten Jugendkulturen und ihre charakteristischen Merkmale
6.2. Anhänger der rechtsextremen Subkultur – Jugendliche auf dem Weg zum Gewalttäter
6.2.1. Fallbeispiel
6.2.2. Fakten und Zahlen rechtsextremistischer Gruppen und ihrer Verbrechen
6.3. Interview mit einem Ex-Mitglied einer rechtsextremistischen Vereinigung
6.3.1. Biographischer Rahmen
6.3.2. Die Interviewsituation
6.3.3. Eine Erklärung des Interviewten, warum so viele Jugendliche sich nationalsozialistischen Ideologien anschließen und Mitglieder solcher Vereinigungen werden
6.3.4. Wieso hassen Rechtsextremisten Juden, Ausländer, aber auch Menschen ihrer Nation so sehr und werden so oft gewalttätig gegenüber Personen?
6.3.5. Wie werden Jugendliche überhaupt auf den „rechten Gedanken gebracht?
6.3.6. Fazit
6.3.7. Zusätzliche Bemerkungen zum Interview
7. Mediale Gewalt – eine besondere Gewalterfahrung von Jugendlichen
8. Sport im Heimalltag als Mittel zur Gewaltprävention, Sozialisation und sozialpädagogischen Intervention
8.1. Die Legitimation des Sportes
8.1.1. Die differenzierten Funktionen des Sports
8.2. Sport als Spiegelbild der Gesellschaft
8.2.1. Arten der sportlichen Prävention
8.2.1.1. Primärprävention
8.2.1.2. Sekundärprävention
8.3. Sport als gewaltpräventive Maßnahme im Heimalltag am Beispiel des Projektes „Sport in der betreuten Wohnform U-Haftvermeidung des KJF e.V. Chemnitz“
8.3.1. Ziele
8.3.2. Umsetzung, Ablauf und methodisches Arbeiten
8.3.3. Die einzelnen Veranstaltungen und durchgeführte Sportarten
8.3.3.1. Analyse der auf Video aufgezeichneten Sportveranstaltung
8.3.4. Reflexion
8.4. Fazit
9. Schlusswort
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen männlicher Jugendgewalt im Kontext der Identitätsfindung und evaluiert Sport als präventives sozialpädagogisches Interventionsinstrument. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich Verunsicherungen und Desintegrationserfahrungen in Gewalt entladen und welche Rolle Sport bei der Resozialisierung und Gewaltvermeidung spielen kann.
5.3.1. Fallbeispiel: Wie Mike S. seine schwere Kindheit ausglich und zu einer stabilen Persönlichkeit heranreifte
Diese Darlegungen nach Böhnisch et al. 1997 möchte ich anhand des Beispiels eines Studienkollegen, der auch einer der besten Freunde des Autors ist, darstellen. Er erzählte dem Autor dieser Arbeit vor geraumer Zeit in einem langen Gespräch seine Biographie in einer sehr detailreichen Version. Dabei erläuterte er nahezu jeden Fakt, an den er sich noch erinnern konnte. Da seine Aussagen später als perfekt für diese Diplomarbeit erschienen, wurde er gefragt, ob ich sein Beispiel hier zur praktischen Anschaulichkeit nehmen könnte. Er willigte unter der Bedingung ein, seine Geschichte unter einem Namenspseudonym in dieser Arbeit zu verwenden.
Mike, so sei der Name, befindet sich inzwischen im sechsten Semester eines Diplom-Sozialpädagogen-Studienganges an der Berufsakademie B. , hat sprichwörtlich alles im Griff. Er erzielt gute Noten an der Hochschule, führt seit mittlerweile einem Jahr und 4 Monaten mit seiner durchaus attraktiven Freundin eine glückliche Beziehung, fährt ein eigenes Auto und darf sich einem großen Freundeskreis zugehörig fühlen. Zusätzlich ist er in einer eigenen Band als Sänger tätig, die einen überregionalen Bekanntheitsgrad besitzt. Hier erfährt er durch die Bandmitglieder, vor allem aber durch die Fans, regelmäßig ein positives Feedback. Kurz gesagt kann sich Mike als ein richtiger kleiner „Glückspilz“ fühlen. Doch das war nicht immer so.
Durch einen sprichwörtlichen „Unfall“, der durch ein geplatztes Kondom verursacht wurde, wie es ihm seine Mutter häufig beschrieb, erblickte Mike im Juni 1985 das Licht der Welt. Während er in seiner frühen Kindheit nach elterlichen Aussagen ein „wahrer Engel“, resultierend aus einem übermäßig großen Schlafverhalten und sehr geringem Schreiverhalten, war, tauchten die ersten schwerwiegenden Probleme im Alter von zweieinhalb bis drei Jahren auf. Seine Mutter, die in Mikes ersten sechs Lebensjahren durch Arbeitslosigkeit nur Hausfrau und somit zum Großteil für die Erziehung zuständig war, ließ ihn sichtlich spüren, dass sie ihn eigentlich nie wollte. Sie war seinen Aussagen nach „das Paradebeispiel für Lieblosigkeit“.
0. Einleitung: Darstellung der Problemstellung von männlicher Jugendgewalt und der zentralen Zielsetzung der Arbeit.
1. Definitionen, Statistiken und Begriffszusammenhänge: Klärung wissenschaftlicher Grundlagen zum Gewalt- und Aggressionsbegriff sowie statistischer Überblick.
2. Gewalt - Ein männliches Phänomen: Statistische Analyse der Täter- und Opferrollen zur Prüfung der geschlechtsspezifischen Hypothese.
3. Das (gewalttätige) Männerbild unserer Gesellschaft: Untersuchung gesellschaftlicher Einstellungen gegenüber Männlichkeit und Gewalt mittels eigener Befragung.
4. „Typisch Mann“ - Männlichkeit und männliche Sozialisation: Analyse der Sozialisationsinstanzen Familie, Schule und Peer-Groups im Kontext männlichen Heranwachsens.
5. Die Jugendphase: Betrachtung der Jugend als Identitätsfindungsphase unter Einbeziehung des Eriksonsche Stufenmodells und Desintegrationstheorien.
6. Subkulturen als Zufluchtsalternative für Identitätssuchende: Analyse rechtsextremistischer Gruppen als Gewaltraum für Identitätssuchende, inkl. Experteninterview.
7. Mediale Gewalt – eine besondere Gewalterfahrung von Jugendlichen: Kurzer Exkurs zur Rolle virtueller Gewalt und deren Wirkung auf Jugendliche.
8. Sport im Heimalltag als Mittel zur Gewaltprävention, Sozialisation und sozialpädagogischen Intervention: Darstellung des Sportprojekts der KJF e.V. Chemnitz als Interventionsmodell.
9. Schlusswort: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Jugendgewalt, Identitätsfindung, Männlichkeit, Sozialisation, Erikson, Desintegration, Heitmeyer, Rechtsextremismus, Gewaltprävention, Sport, Sozialpädagogik, Aggressionsabbau, Identitätsdiffusion, Peer-Groups, Fallbeispiel
Die Arbeit untersucht das Phänomen der männlichen Jugendgewalt, die Ursachen hinter diesem Verhalten in der Phase der Identitätsfindung und die Möglichkeiten der sozialpädagogischen Intervention durch Sport.
Im Fokus stehen Identitätsentwicklung, Sozialisationsprozesse von Jungen, theoretische Ansätze zur Aggressionsentstehung, die Rolle von rechtsextremistischen Subkulturen und die praktische Anwendung von Sport als Präventionsinstrument.
Es soll herausgefunden werden, was männliche Jugendliche dazu bewegt, Gewalt anzuwenden, und ob Sportmaßnahmen im Heimalltag als wirksames Präventionsinstrument gegen Gewaltkarrieren eingesetzt werden können.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse psychologischer und soziologischer Theorien (Erikson, Heitmeyer), wertet Statistiken aus und verbindet diese mit einem eigens durchgeführten Experteninterview und einer Analyse der praktischen Projektarbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Gewalt, die geschlechtsspezifische Sozialisation, das Entwicklungsmodell nach Erikson, den Einfluss von Gruppen und Subkulturen auf Gewalthandlungen sowie eine detaillierte Auswertung des Sportprojekts.
Jugendgewalt, Männlichkeit, Identitätsfindung, Sportprävention, Soziale Desintegration und Rechtsextremismus.
Das Modell hilft zu verstehen, dass Identitätskrise und die Angst vor Identitätsdiffusion im Jugendalter entscheidende Faktoren sind, die – bei Scheitern der Bewältigung – zu destruktiven Verhaltensweisen wie Gewalt führen können.
Das Interview liefert eine empirische Untermauerung für die theoretischen Ausführungen. Es zeigt exemplarisch, wie persönliche Krisen, mangelnde Unterstützung im Elternhaus und Gruppenzwänge einen Jugendlichen in rechtsextremistische Gewaltmilieus führen können.
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