Bachelorarbeit, 2020
55 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Boykott
2.2 Corporate Social Responsibility & Corporate Social Irresponsibility
2.3 Emotionen
3. Hypothesenbildung
4. Methodik
4.1 Stichprobe
4.2 Reliabilität und Validität
4.3 Effektstärke
5. Ergebnisse der Hypothesentestung
6. Fazit
7. Anhang
Diese Bachelorarbeit untersucht empirisch den Zusammenhang zwischen der Emotionalisierung von Konsumenten, hervorgerufen durch unverantwortliche Unternehmenspraktiken, und deren resultierendem Boykottverhalten. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit Faktoren wie die mediale Darstellung, die Identifizierbarkeit von Opfern und der Schweregrad der Vorfälle die Besorgnis der Konsumenten beeinflussen und ob diese Emotion eine treibende Kraft für Boykottaktivitäten darstellt.
2.1 Boykott
Friedman (1985) definiert Boykott als „ein[en] Versuch von ein oder mehreren Aktivisten, individuelle Konsumenten von ihrer spezifischen Kaufentscheidung abzuhalten“. Konkreter werden John & Klein (2003), wonach ein Boykott vorliegt, „when a number of people abstain from a purchase of a product, at the same time, as a result of the same egregious act or behaviour, but not necessarily for the same reasons“.
Boykotte zeichnen sich insbesondere durch ihre unterschiedlichen thematischen Schwerpunkte sowie ihre individuellen Zielsetzungen aus. Nach Friedman (1999) kann man sechs unterschiedliche thematische Schwerpunkte innerhalb der Boykottbewegungen ausmachen: Ökonomie, Ökologie, Religion, Minderheiten, Beziehung und Arbeit.
Zudem klassifizierte Friedmann (1999) vier unterschiedliche Boykottarten. Der instrumentelle Boykott forciert eine Verhaltensänderung des Boykottziels, während der expressive Boykott zum Ziel hat, den Unmut des Individuums zum Ausdruck zu bringen. Hierbei werden jedoch keine gewünschten Verhaltensänderungen des Boykottziels artikuliert. Der intrinsische Nutzen des Boykotts besteht rein in der Artikulation des als schädlich oder falsch wahrgenommenen Verhaltens (Ettenson & Klein, 2005). Ein Hybrid des instrumentellen und expressiven Boykotts stellt der bestrafende Boykott dar. Hierbei werden besonders Unternehmen Ziel eines Boykotts, die in den Augen der Konsumenten unverantwortlich gehandelt und somit irreversible Folgen in Kauf genommen haben. Der katalysatorische Boykott soll vorrangig die mediale Aufmerksamkeit auf das potenzielle Fehlverhalten des Boykottziels lenken. Dieses Fehlverhalten kann sich zudem direkt auf das Wohlbefinden der Konsumenten auswirken (Friedmann, 1999). Der mediale Fokus soll einerseits die Akzeptanz und Solidarisierung mit der Boykottbewegung ermöglichen sowie andererseits den Druck auf das Boykottziel erhöhen. Langfristig soll das Boykottziel somit zu einer Änderung des als schädlich wahrgenommenen Verhaltens bewegt werden (Friedmann, 1999). Fraglich ist jedoch, ob diese Klassifizierungen in der Praxis Bestand haben, da die individuellen Motive für die Partizipation an einem Boykott vielfältig sind und somit eine Überschneidung der einzelnen Boykottarten bedingt.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Zeitgeist der Nachhaltigkeit und stellt den Konflikt zwischen unverantwortlichem unternehmerischem Handeln und wachsendem Konsumentenbewusstsein dar, wobei die Forschungsfrage nach dem Boykott als „emotionales Ventil“ hergeleitet wird.
2. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel liefert die theoretischen Grundlagen zu den Kernbegriffen Boykott, Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Social Irresponsibility (CSI) sowie eine Einführung in die aktuelle Emotionsforschung.
3. Hypothesenbildung: Auf Basis der theoretischen Vorüberlegungen werden fünf Hypothesen entwickelt, die den Zusammenhang zwischen Unternehmenspraktiken, medialer Berichterstattung, der Besorgnis des Konsumenten und seinem Boykottverhalten untersuchen.
4. Methodik: Hier werden die Stichprobe (N = 5856), die verwendeten Messinstrumente zur Quantifizierung von Konstrukten wie „Nähe“ oder „Schweregrad“ sowie die statistische Vorgehensweise mittels IBM SPSS beschrieben.
5. Ergebnisse der Hypothesentestung: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Korrelations- und Regressionsanalysen, die den signifikanten, wenn auch teilweise schwachen Zusammenhang zwischen Besorgnis und Boykottverhalten belegen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, interpretiert die Bedeutung des Alters und der medialen Vermittlung für die Emotionalisierung und gibt Ausblicke für zukünftige Forschungsansätze.
7. Anhang: Der Anhang enthält detaillierte Tabellen zur Konstruktzusammensetzung, zu den Ergebnissen des Moderatoreffekts sowie statistische Kennzahlen zur Validierung der Hypothesen.
Boykott, Konsumentenverhalten, Corporate Social Responsibility, CSR, Corporate Social Irresponsibility, CSI, Emotionsforschung, Besorgnis, Medienwirkung, Identifiable-Victim-Effekt, Nachhaltigkeit, Unternehmensethik, politische Konsumenten, empirische Studie, Boykottmotivation.
Die Arbeit untersucht, wie unverantwortliche Unternehmenspraktiken bei Konsumenten Emotionen, speziell Besorgnis, auslösen und ob diese Gefühle ein nachvollziehbares Motiv für das Boykottieren von Produkten und Dienstleistungen darstellen.
Die zentralen Felder sind die Boykottforschung, das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) und der Corporate Social Irresponsibility (CSI) sowie die moderne Emotionspsychologie im Kontext von Konsumentenentscheidungen.
Ziel ist es, die Forschungslücke zu schließen, wie Emotionen durch externe Faktoren beeinflusst werden und welche Implikationen dies konkret für das individuelle Boykottverhalten hat.
Es handelt sich um eine empirische Studie, die auf einem Datensatz von 5856 Teilnehmern basiert. Die Auswertung erfolgte durch Korrelations- und Regressionsanalysen mit der Statistiksoftware IBM SPSS.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Boykottarten und CSR-Modellen, die Ableitung von fünf Hypothesen zur Emotionsbildung sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der empirischen Ergebnisse.
Die zentralen Begriffe sind Boykott, Corporate Social Irresponsibility, Besorgnis, emotionale Granularität, Identifiable-Victim-Effekt und Medienwirkung.
Besorgnis dient als exemplarische Emotion, um die Emotionalisierung des Konsumenten abzubilden. Die Studie zeigt, dass sie zwar signifikant mit dem Boykottverhalten korreliert, aber nur einen geringen Teil der gesamten Boykottmotivation erklärt.
Der Effekt beschreibt, dass Konsumenten eher bereit sind, Verantwortung zu übernehmen oder Hilfe zu leisten, wenn sie mit einem identifizierbaren Individualopfer konfrontiert werden, statt mit anonymen Statistiken.
Die Arbeit stellt fest, dass mit zunehmendem Alter ein emotionaler Abstumpfungseffekt einsetzt; jüngere Konsumenten lassen sich durch identifizierbare Opfer unverantwortlicher Unternehmenspraktiken deutlich stärker emotionalisieren als ältere.
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