Diplomarbeit, 2008
81 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Deutsche Tankstellengeschichte
2.1 Apotheken und Bürgersteigpumpen als Vorläufer der Tankstelle
2.2 Tankstellenboom nach dem Zweiten Weltkrieg
2.3 Netzbereinigung und Ölkrise
2.4 Konzentrationstendenzen seit der Wiedervereinigung
3 Marktstruktur und rechtliches Umfeld
3.1 Tankstellenarten und Betreibermodelle
3.1.1 Markentankstellen
3.1.1.1 A-Farbentankstellen
3.1.1.2 B-Farbentankstellen
3.1.1.3 Weiße Tankstellen
3.1.2 Freie Tankstellen
3.1.3 Sonderformen
3.1.3.1 Betriebstankstellen
3.1.3.2 Supermarkttankstellen
3.1.3.3 Autobahntankstellen
3.2 Zwischenfazit: Oligopole Marktstruktur
3.3 Exkurs: Preiszusammensetzung und Preisbildung auf dem deutschen Tankstellenmarkt
3.4 Rechtliches Umfeld
3.4.1 Baurechtliche Bestimmungen
3.4.2 Ladenschlussgesetz
3.4.3 Anforderungen an Kraftstoffe
4 Marktsituation
4.1 Geschäftsfelder und Ertragslage deutscher Tankstellen
4.1.1 Agenturgeschäft
4.1.2 Dienstleistungen
4.1.3 Folgemarktgeschäft
4.2 Die zentrale Stellung des Shopgeschäfts
4.2.1 Konsumtrend Convenience
4.3 Tankstellen-Marketing
4.3.1 Fallbeispiel: Die Rückkehr des Tankwarts
4.3.2 Fallbeispiel: Kundenbindung durch Kundenkarten
5 Zukunftsaussichten
5.1 Die Zukunft des Ladenschlusses
5.2 Die Bedeutung alternativer Kraftstoffe
5.3 Tankstellenrating nach Basel II
5.4 Fortgesetztes Tankstellensterben?
6 Schlussbetrachtung und Fazit
Die Arbeit analysiert das deutsche Tankstellen-Servicenetz unter Berücksichtigung staatlicher Regulierung, Marktstrukturen sowie der Strategien von Mineralölgesellschaften, um ein ganzheitliches Verständnis der Branche unter Einbeziehung der Betreiberperspektive zu gewinnen.
3.1.2 Freie Tankstellen
Freie Tankstellen sind definitionsgemäß sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich völlig selbstständig und somit nicht in das Vertriebssystem einer großen Markengesellschaft integriert. Die Betreiber von Freien Tankstellen haben den Vorteil, dass sie ihre Preisentscheidungen autonom treffen und das Sortiment des Shopgeschäftes eigenhändig gestalten können. Sie müssen allerdings neben dem Mengenrisiko auch das Margenrisiko tragen, da sie nicht wie die Pächter von Konzerntankstellen unabhängig vom Endverkaufspreis die gleiche Provision pro Liter erhalten. Die Unabhängigkeit von den Konzernen erlaubt den Betreibern eine unabhängige Gestaltung des Produktsortiments im Folgemarktgeschäft und einen selbstständigen oder in gemeinsamen Gruppen getätigten Kraftstoffeinkauf.
Bis in die 1960er Jahre war der Begriff „Freie Tankstelle“ unbekannt. Einzelne Geschäftsleute kamen zu dieser Zeit auf die Idee, Kraftstoffe unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung zu verkaufen. Als Bezugsquelle diente den Unternehmern insbesondere der Rotterdamer Spotmarkt, wo die größten Raffinerien Europas stehen, aber auch die inländischen Konzernraffinerien, deren Ausstoß regelmäßig größer als die Nachfrage war. So veräußerten sie die Produktionsüberschüsse preisgünstig an die Betreiber der Freien Tankstellen, welche wiederum die erzielten Preisvorteile an die Kunden weitergaben. Seither stehen die Freien Tankstellen mit den Markentankstellen in großer Konkurrenz.
Freie Tankstellen beziehen auch heute ihre Kraftstoffe über freie Mineralölhändler, die auf den aus- und inländischen Märkten tätig sind. Die Abhängigkeit von diesen freien Händlern ist verhältnismäßig gering, da die Pächter jederzeit drohen können, sich von anderen Händlern beliefern zu lassen. Doch auch die Freien Tankstellen sind weiterhin auf die großen Mineralölgesellschaften angewiesen, da sie bei Mengenengpässen auf ausländischen Spotmärkten zum Bezug von Kraftstoffen gezwungen sind, die aus den insbesondere von A-Farbengesellschaften betriebenen Raffinerien kommen. Zusätzlich haben sich die Versorgungssituation und die Konditionen für die freien Mineralölhändler auf dem Rotterdamer Markt gegenüber früher spürbar verschlechtert, da vor allem die USA in den letzten Jahren massive Käufe tätigen, um ihren immensen Erdölbedarf decken zu können.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der Relevanz einer ganzheitlichen Betrachtung der Tankstellenbranche unter Berücksichtigung der Betreiberperspektive.
2 Deutsche Tankstellengeschichte: Historischer Rückblick von den Anfängen des Automobils bis hin zu Konzentrationstendenzen nach der Wiedervereinigung.
3 Marktstruktur und rechtliches Umfeld: Systematisierung der Tankstellenlandschaft, Analyse des Oligopols, der Preisbildung und der relevanten gesetzlichen Rahmenbedingungen.
4 Marktsituation: Detaillierte Untersuchung der Geschäftsfelder, Ertragslage sowie der zentralen Bedeutung des Shopgeschäfts und Marketingstrategien.
5 Zukunftsaussichten: Diskussion exogener Faktoren wie Ladenschlussliberalisierung, alternative Kraftstoffe, Basel II und das fortgesetzte Tankstellensterben.
6 Schlussbetrachtung und Fazit: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse zur strukturellen Entwicklung und der zukünftigen Wettbewerbssituation.
Tankstellenmarkt, Mineralölgesellschaften, Tankstellensterben, Oligopol, Shopgeschäft, Convenience, Kraftstoffpreise, Betreibermodelle, Wettbewerb, Pächter, Marktstruktur, Ladenschlussgesetz, Kundenbindung, alternative Kraftstoffe, Marktanteile.
Die Arbeit behandelt die ökonomischen und regulatorischen Strukturen des deutschen Tankstellen-Servicenetzes und untersucht die Wettbewerbssituation sowie die wirtschaftliche Lage der Akteure.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Branche, die Marktstruktur der Betreibermodelle, die Bedeutung des Shopgeschäfts, das rechtliche Umfeld sowie zukünftige Herausforderungen.
Das Ziel ist eine ganzheitliche Betrachtung der Tankstellenbranche, um ein tieferes Verständnis für die oft einseitig diskutierte Marktsituation zu schaffen, insbesondere aus der Sicht der Tankstellenbetreiber.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Marktanalyse sowie der Auswertung von Branchenstudien und statistischen Daten zur Tankstellenentwicklung.
Im Hauptteil werden die Tankstellenarten differenziert, die Preiszusammensetzung erläutert, das Shopgeschäft als zentrale Ertragsquelle analysiert und Marketingansätze wie Kundenkarten kritisch bewertet.
Zu den Schlüsselwörtern zählen Tankstellenmarkt, Mineralölkonzerne, Shopgeschäft, Oligopol und Wettbewerb.
Freie Tankstellen sind wirtschaftlich und rechtlich selbstständig, tragen jedoch das volle Margenrisiko, während Markentankstellen meist in die Vertriebssysteme der Konzerne integriert sind.
Obwohl Kunden den Service begrüßen, führt die Wiedereinführung des Tankwarts oft zu einer Verschärfung der finanziellen Situation der Pächter, da diese die zusätzlichen Personalkosten tragen müssen.
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