Bachelorarbeit, 2021
42 Seiten, Note: 2,2
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Allgemeines Orientbild im Mittelalter
4. Herzogs Aufbruch in den Orient
5. Orientdarstellung im Herzog Ernst
6. Grippia und Arimaspi im Vergleich
7. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Orientdarstellung im mittelhochdeutschen Versepos "Herzog Ernst" (Fassung B) und analysiert, inwiefern die orientalische Umgebung und die Begegnung mit Wundervölkern als Reflexion über menschliches Verhalten und religiöse Gesinnung fungieren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, aus welchen Gründen der Orient als Schauplatz für den Hauptteil der Geschichte gewählt wurde und wie sich die Orientdarstellung inhaltlich sowie in ihrer Bedeutung für die Bußleistung des Protagonisten entwickelt.
Grippia und Arimaspi im Vergleich
Grippia und Arimaspi genießen eine besondere Beachtung im Verlauf der Orientfahrt. Der Episode Grippia widmet der dichter 1675 und der von Arimaspi 961Verse, was im Vergleich zur Beschreibung der anderen Episoden im Orient einen großen Teil der Geschichte umfasst. Es lässt sich damit begründen, dass Grippia die erste und Arimaspi die letzte Station des Helden im fabelhaften Orient sind. Aus meiner Sich muss man das in Bezug auf Handlungsfähigkeit des Helden in der jeweiligen Episode betrachten und die Wendepunkte erkennen.
In Bezug auf die Handlungsfähigkeit in Grippia ist ein komplettes Versagen von Ernst zu verzeichnen. Er erreicht Grippia durch passive Steuerung des Schiffes und konnte darauf keinen Einfluss nehmen. Beim ersten Gang betrachtet verhält er sich wie ein Held, der die Vorbildfunktion eines Christen für seine Männer nicht vergisst und versucht, nur seine Bedürfnisse zu befriedigen, ohne Schaden anzurichten. Im Vorfeld hat er sich auch überlegt, die Nahrung der Bewohner der Stadt zu kaufen. Beim zweiten Gang in die Stadt ist von seiner Ritterlichkeit nichts mehr zu sehen. Der offensichtlich durch die leere und prachtvolle Stadt gelockte Ernst hat vergessen, dass er sich in diesem unbekannten Orient zur Bewährung befindet und nicht zur Besichtigung einer fremden Stadt.
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk "Herzog Ernst" in der literaturwissenschaftlichen Forschung und formuliert das Ziel der Arbeit, den bisher wenig beachteten Orientteil unter Berücksichtigung von Religion und Wunderwesen zu analysieren.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene wissenschaftliche Ansätze zum Verständnis der Orientdarstellung, der Rolle von Wunderwesen und der Bedeutung christlicher Werte im Text.
3. Allgemeines Orientbild im Mittelalter: Hier wird das mittelalterliche Weltbild erläutert, das den Orient als einen Ort jenseits der bekannten Realität mit Wundervölkern und spezifischen religiösen Konnotationen begreift.
4. Herzogs Aufbruch in den Orient: Dieser Teil beleuchtet die Motivation hinter der Orientfahrt, die durch eine Verleumdung und das Bedürfnis nach Buße sowie durch eine existenzielle Krise des Herzogs im Kaiserreich geprägt ist.
5. Orientdarstellung im Herzog Ernst: In diesem Kapitel wird detailliert analysiert, wie der Dichter den Orient als Bewährungsort für den Helden inszeniert und welche Rolle dabei die Begegnungen mit verschiedenen Völkern spielen.
6. Grippia und Arimaspi im Vergleich: Dieser Abschnitt vergleicht die zwei zentralen Orient-Episoden, um die Entwicklung des Herzogs von passivem Versagen hin zur aktiven Bewährung und Integration nachzuzeichnen.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die lehrende Funktion der Geschichte, in der der Orient als Medium zur Reflexion christlicher Tugenden und ritterlichen Verhaltens dient.
Herzog Ernst, Orientdarstellung, Mittelalter, Wunderwesen, Bußfahrt, christliche Werte, Grippia, Arimaspi, Ritterlichkeit, höfische Kultur, Weltbild, Religion, Forschungsgeschichte, Identität, Alterität
Die Arbeit analysiert die Darstellung des Orients im mittelhochdeutschen Epos "Herzog Ernst" (Fassung B) und untersucht, wie der Orientteil als Rahmen für die Läuterung und Bewährung des Protagonisten dient.
Die zentralen Themen sind das mittelalterliche Weltbild, die narrative Funktion der Wunderwesen, die Darstellung von Schuld und Buße sowie das Verhältnis zwischen Christen und Heiden im Kontext der Kreuzzugsideologie.
Ziel ist es, die Gründe für die Wahl des Orients als Schauplatz zu klären und darzulegen, wie sich die Orientdarstellung inhaltlich entwickelt und welche didaktische Funktion sie für das mittelalterliche Publikum besitzt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung des Forschungsstandes (Imagologie, Wissensgeschichte, christliche Symbolik) inhaltlich untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Forschungsstandes, des mittelalterlichen Orientbildes, des Aufbruchs von Herzog Ernst sowie eine vergleichende Analyse der Orientepisoden (insbesondere Grippia und Arimaspi) hinsichtlich der Handlungsfähigkeit des Helden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Herzog Ernst, Orientdarstellung, Wunderwesen, Bußfahrt, Ritterlichkeit und Identität/Alterität charakterisiert.
In Grippia scheitert der Herzog aufgrund von Leichtsinn und einer passiven Haltung, während er in Arimaspi durch das Erlernen der Sprache und die Integration in die fremde Kultur seine Ritterlichkeit unter Beweis stellt und sich als geläuterter Akteur zeigt.
Die Religion fungiert als moralischer Kompass; der Orient wird als Prüfraum Gottes interpretiert, in dem der Herzog durch den Kampf gegen Heiden und die Einhaltung christlicher Tugenden versucht, seine Sünden aus dem Reichsteil wiedergutzumachen.
Die Autorin/der Autor führt aus, dass Grippia in keiner historischen oder geographischen Quelle existiert, was die Annahme verstärkt, dass es sich um eine rein phantasievolle Schöpfung des Dichters handelt, um eine spezifische Lehrfunktion zu erfüllen.
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