Diplomarbeit, 2008
105 Seiten, Note: 1,0
1 Allgemeines zur Sprachkritik
1.1 Zentrale Begriffe und ihre Bedeutung
1.1.1 Sprachkritik
1.1.2 Publizistische Sprachkritik
1.1.3 Ästhetisch-formaler Zweig publizistischer Sprachkritik
1.1.4 Sprachglosse
1.1.5 Sprachkolumne
1.2 Geschichte der publizistischen Sprachkritik
1.2.1 Geschichte des ästhetisch-formalen Zweigs publizistischer Sprachkritik
1.2.1.1 Sprachpurismus und Antibarbari
1.2.1.2 Etablierung des ästhetisch-formalen Zweigs um 1900
1.2.1.3 Entwicklung seit Mitte des 20. Jahrhunderts
1.2.2 Der ethisch-moralische Zweig publizistischer Sprachkritik
1.2.3 Der literarisch-philosophische Zweig publizistischer Sprachkritik
1.3 Verhältnis zwischen Linguistik und publizistischer Sprachkritik
1.3.1 Konfliktpunkte zu Beginn des 19. Jahrhunderts
1.3.2 Der ‘Streit um die Sprachkritik’ in den 1960er Jahren
1.3.3 Tendenzen in der Gegenwart
2 Normen
2.1 Zentrale Begriffe und ihre Bedeutung
2.1.1 Sprachliche Norm
2.1.2 Normkodifikation
2.1.3 Normvarianz und Normproblem
2.2 Unterschiedliche Normauffassungen
2.2.1 Der deskriptive Normbegriff der Sprachwissenschaft
2.2.2 Das Bedürfnis nach ‘richtigen’ Normen bei den Sprachbenutzern
2.2.3 Der präskriptive Normbegriff der publizistischen Sprachkritik
3 Bastian Sick: ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
3.1 Zur Person Bastian Sick
3.1.1 Bastian Sick – „Deutschlands bekanntester Sprachpfleger“
3.1.2 Zum Selbstverständnis des Autors
3.1.3 Das Sprach- und Normverständnis Bastian Sicks
3.2 Die Kolumnensammlungen ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
3.2.1 Formaler Aufbau
3.2.2 Themenbereiche
3.2.3 Darstellungsweise, Literatur- und Quellenangaben
4 Vergleich der Darstellung von Normvarianz am Beispiel der Kasusrektion von Präpositionen
4.1 Allgemeines zu Präpositionen und ihrer Rektion
4.2 Vergleich der Kolumnen mit Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.1 Zur Auswahl der Vergleichspublikationen und der Präpositionen
4.2.2 Die Kasusrektion der Präposition wegen
4.2.2.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.2.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.2.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.3 Die Kasusrektion der Präposition laut
4.2.3.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.3.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.3.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.4 Die Kasusrektion der Präposition trotz
4.2.4.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.4.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.4.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.5 Die Kasusrektion der Präposition entsprechend
4.2.5.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.5.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.5.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.6 Die Kasusrektion der Präposition entgegen
4.2.6.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.6.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.6.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.7 Die Kasusrektion der Präposition gemäß
4.2.7.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.7.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.7.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.8 Die Kasusrektion der Präposition nahe
4.2.8.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.8.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.8.3 Vergleich der Darstellungen
4.2.9 Die Kasusrektion der Präposition zufolge
4.2.9.1 Darstellung in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’
4.2.9.2 Darstellung in Grammatiken und Wörterbüchern
4.2.9.3 Vergleich der Darstellungen
4.3 Zusammenfassung zentraler Ergebnisse
Die Diplomarbeit untersucht die Kolumnensammlungen „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Bastian Sick aus linguistischer Perspektive. Das Hauptziel der Arbeit ist es, zu analysieren, wie Sick mit dem Phänomen der Normvarianz umgeht und wie seine sprachkritischen Texte im Vergleich zu aktuellen wissenschaftlichen Grammatiken und Wörterbüchern der deutschen Gegenwartssprache zu bewerten sind.
Die Kasusrektion der Präposition wegen
Namensgebend für die Kolumnensammlungen Sicks war die erste Glosse im ersten Band mit dem Titel ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’255, in der sich der Autor hauptsächlich mit der Kasusrektion der Präposition wegen auseinandersetzt. Dabei geht er zunächst von der Verwendung der Präposition mit dem Dativ aus und stellt diese als dialektale Variante in Bayern dar:
„»Wegen dir« sang die bayerische Sängerin Nicki 1986. Das Lied war damals ein großer Erfolg und erlangte Bekanntheit weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Ein deutscher Schlager, der nicht auf Hochdeutsch getextet war. Die Bayern, das weiß man, haben´s net so mit dem Wes-Fall [...], sie lieben den Dativ wie das Weißbier und die Blasmusik. Daher verzieh man der Sängerin auch gerne den dritten Kasus im Zusammenhang mit dem Wörtchen »wegen«.“256
Diesem „genitivfeindlichen Tiefschlag“257 setzte der österreichische Sänger Udo Jürgens im selben Jahr eine Platte mit dem Titel ‘Deinetwegen’ entgegen. „So wurden die Radiohörer im deutschsprachigen Raum daran erinnert, dass man in Bayern »wegen dir« sagen kann, dass die richtige Form aber »deinetwegen« lautet.“258 Weiter heißt es in der Kolumne:
„[...] in den neunziger Jahren erschienen immer mehr Lieder und CDs, die »Wegen dir« im Titel führten. Und hier war der dritte Fall nicht mehr mit Dialekt zu entschuldigen; denn die Sänger artikulierten sich in Hochdeutsch [...].“259
Allgemeines zur Sprachkritik: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Sprachkritik und publizistische Sprachkritik, zeichnet deren historische Entwicklung nach und erläutert das spannungsreiche Verhältnis zwischen Linguistik und Sprachkritik.
Normen: Hier werden theoretische Grundlagen zu sprachlichen Normen, ihrer Kodifikation und dem Auftreten von Normvarianz gelegt, wobei zwischen deskriptiven und präskriptiven Normauffassungen unterschieden wird.
Bastian Sick: ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’: Dieses Kapitel widmet sich der Person Bastian Sick, seinem Selbstverständnis als „ironischer Geschichtenerzähler“ und analysiert formal wie thematisch seine erfolgreichen Kolumnensammlungen.
Vergleich der Darstellung von Normvarianz am Beispiel der Kasusrektion von Präpositionen: Das Kernkapitel vergleicht Sicks Aussagen zur Kasusrektion spezifischer Präpositionen mit der Darstellung in zwölf aktuellen linguistischen Standardwerken, um Übereinstimmungen und Differenzen aufzuzeigen.
Bastian Sick, Zwiebelfisch, Sprachkritik, Kasusrektion, Präpositionen, Normvarianz, Sprachnorm, Linguistik, Genitiv, Dativ, publizistische Sprachkritik, Sprachwandel, Sprachberatung, Normkodifikation, Sprachpfleger.
Die Arbeit untersucht die populärwissenschaftlichen Kolumnen von Bastian Sick aus einer fachwissenschaftlichen Perspektive der Linguistik.
Sie setzt sich mit den theoretischen Grundlagen der Sprachkritik, dem Begriff der sprachlichen Norm und dem methodischen Vergleich von Sicks Aussagen mit wissenschaftlichen Grammatiken auseinander.
Ziel ist die kritische Beurteilung von Bastian Sicks Sprachkritik und die Untersuchung, ob seine Ratschläge zur Kasusrektion mit dem aktuellen Stand der Sprachwissenschaft übereinstimmen.
Die Autorin verwendet eine vergleichende Analyse, indem sie Sicks Aussagen zu acht ausgewählten Präpositionen mit zwölf maßgeblichen Grammatiken und Wörterbüchern (u.a. Duden, Wahrig) gegenüberstellt.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Kasusrektion der Präpositionen „wegen“, „laut“, „trotz“, „entsprechend“, „entgegen“, „gemäß“, „nahe“ und „zufolge“.
Die wichtigsten Schlagworte sind Sprachkritik, Bastian Sick, Normvarianz, Kasusrektion und linguistischer Vergleich.
Sie hält seine Bücher als Lehrmaterial aufgrund inhaltlicher Fehler, Verallgemeinerungen und der Nichteinhaltung wissenschaftlicher Standards für ungeeignet, auch wenn sie als unterhaltsame Lektüre durchaus begrüßenswert sind.
Nein, die Autorin stellt fest, dass Sick selbst nicht den Anspruch erhebt, wissenschaftliche Nachschlagewerke zu verfassen, sondern in erster Linie unterhalten und das Sprachbewusstsein schärfen möchte.
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