Magisterarbeit, 2008
116 Seiten, Note: 1,65
B. EINLEITUNG
Die wissenschaftliche Fragestellung
Vorgehensweise
Der gegenwärtige Forschungsstand
Begriffsdefinitionen
C. HAUPTTEIL
2.1 Die Vorgeschichte
2.1.1 Die Siedlungsgebiete der Deutschen im Osten
2.1.2 Die Potsdamer Konferenz
2.1.3 Der Aufbruch zu Flucht und Vertreibung
2.1.4 Das Gesetz der Flucht
2.1.5 Die Anzahl der Vertriebenen
2.1.6 Die Verteilung der Vertriebenen
2.1.7 Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes
2.2 Die Voraussetzungen auf dem Weg zur Integration
2.2.1 Der Wille zur Rückkehr in die Heimat
2.2.2 Der Heimatbegriff
2.2.3 Die Bedeutung der Stammesgemeinschaft
2.2.4 Die Ankunft im Westen
2.2.5 Die Konfrontation mit den Einheimischen
2.2.6 Die Bedeutung des Besitzes
2.2.7 Die Kapitalarten (nach Bourdieu)
2.2.8 Die psychologischen Barrieren
2.3 Die Rolle der Kirchen und die religiöse Integration
2.3.1 Das Selbstverständnis der Kirchen im Nachkriegsdeutschland
2.3.2 Die Katholische Kirche
2.3.2.1 Die Aufgaben der Vertriebenenseelsorge
2.3.2.2 Der Vertriebenenseelsorger Pater Paul Sladek
2.3.2.3 Die Forderung nach einem Lastenausgleich
2.3.2.4 Die Einteilung der Vertriebenenseelsorge in drei Phasen
2.3.3 Die Evangelische Kirche
2.3.3.1 Die Auslandshilfe
2.3.3.2 Die Hilfe zur Selbsthilfe
2.3.4 Der pädagogische Auftrag beider Kirchen
2.3.5 Die religiöse Integration
2.3.5.1 Die Vertriebenen in der Diaspora
2.3.5.2 Die Vertriebenen in Regionen gleicher Konfession
2.3.5.3 Die Ostpfarrer /-priester
2.3.5.4 Der Prozess der Entkirchlichung
2.3.6 Die Selbstkritik der Kirchen
2.4 Das System der sozialen Sicherung
2.4.1 Der Aufbau des sozialen Netzes
2.4.2 Die Notwendigkeit zur Schaffung einer klaren Rechtslage
2.4.3 Die Arbeitskraft als einziges Kapital
2.5 Die politische und rechtliche Integration der Vertriebenen
2.5.1 Das Soforthilfegesetz und das Feststellungsgesetz
2.5.2 Das Lastenausgleichsgesetz
2.5.3 Die Wohnungsvergabe
2.5.4 Das Bundesvertriebenengesetz
2.6 Die wirtschaftliche Integration der Vertriebenen
2.6.1 Die regionalen Unterschiede der wirtschaftlichen Integration
2.6.2 Die Auswirkungen der Währungsreform
2.6.3 Die Eingliederung der Vertriebenen in den Arbeitsmarkt
2.6.4 Die Berufsstellung der Vertriebenen
2.6.5 Die alters- und geschlechtsspezifischen Schwierigkeiten
2.6.6 Die Bildungschancen und intergenerative Mobilität
2.7 Die Selbstorganisation der Vertriebenen
2.7.1 Die ersten Vertriebenenvereinigungen
2.7.2 Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen
2.7.3 Die Landsmannschaften
2.7.4 Der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten
2.7.5 Der Bund der Vertriebenen
2.7.6 Die gegenwärtigen Aktivitäten des Bundes der Vertriebenen
2.8 Die gesellschaftliche Integration der Vertriebenen
2.8.1 Die Differenzierung der Vertriebenen
2.8.2 Die Flüchtlingskinder
2.8.3 Die „zweite Generation“
2.8.4 Die Verschwägerung
2.8.5 Der Patenschaftsgedanke am Beispiel der Stadt Münster
2.9 Der Wandel in der Wahrnehmung der Vertriebenen
2.9.1 Die Evangelische Kirche
2.9.1.1 Die Zäsur in der Arbeit der evangelischen Kirche
2.9.1.2 Die Ostdenkschrift der EKD
2.9.1.3 Die Reaktionen auf die Denkschrift
2.9.2 Die Katholische Kirche
2.9.2.1 Der Bischofsdialog 1965
2.9.2.2 Die Einrichtung von Visitaturen
2.9.3 Die Neue Ostpolitik unter Brandt / Scheel
2.9.4 Die Vertreibung aus der Erinnerungskultur
2.9.5 Die psychologischen Spätfolgen von Flucht und Vertreibung
D. ZUSAMMENFASSUNG
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration deutscher Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob die Integration tatsächlich gelang oder ob sie lediglich in einer Assimilation mündete, wobei die Hypothese aufgestellt wird, dass dieser Prozess maßgeblich erst in der zweiten Generation erfolgreich abgeschlossen wurde.
2.1.4 Das Gesetz der Flucht
Ob geflohen oder vertrieben, die Ostdeutschen hatten einen langen Weg Richtung Westen vor sich, der viele Opfer forderte. Diesen beschwerlichen, millionenfach gegangenen Weg fasst Pfeil einfach in dem Begriff „Die Fluchtstraßen“ zusammen. „Es ging vieles vor sich auf diesen Straßen. Es wurde Gott verloren und Gott gefunden auf ihnen.“ (Pfeil 1948: 45) Im Straßengraben sah man erfrierende Menschen, gebärende Mütter und all das Gepäck, was auf der Flucht zu schwer geworden war, oder auf dem Wagen keinen Platz mehr fand. Achsen von Wagen brachen, Pferde verendeten, Nahrung ging zu Ende, Angehörige starben. Man sah das Nachbarschiff versinken oder den Wagen des Schicksalsgenossen auf dem Eis des Haffes einbrechen. Viele Trecks wurden vom Feinde eingeholt und im wahrsten Sinne des Wortes überrollt: Männer wurden verschleppt oder niedergeschossen, Frauen und Mädchen vergewaltigt und das letzte Hab und Gut, das man solange durchgebracht hatte, geplündert. (vgl. Pfeil 1948: 45) Auf die Frage, wie man mit diesen schrecklichen Eindrücken umging und wie man die Fluchtstraßen überlebte, antwortet Pfeil ganz selbstverständlich: „Man schaffte es einfach.“ Die Großmutter, die sonst den Weg ins Nachbardorf scheute, und für die es ein Wagnis gewesen war, bei Dunkelheit auf die Straße zu gehen, schaffte es einfach, als sei es schon immer in ihr gewesen. (vgl. Pfeil 1948: 31)
Die Vorgeschichte: Behandelt die historischen Hintergründe der Flucht und Vertreibung, einschließlich der Siedlungsgebiete im Osten, der Potsdamer Konferenz und des damit verbundenen Chaos der Zwangsmigration.
Die Voraussetzungen auf dem Weg zur Integration: Analysiert psychologische und soziologische Barrieren wie den Heimatverlust, die Konfrontation mit der einheimischen Bevölkerung und die Bedeutung des sozialen Kapitals.
Die Rolle der Kirchen und die religiöse Integration: Untersucht das Selbstverständnis von katholischer und evangelischer Kirche sowie deren Bemühungen zur materiellen und seelischen Betreuung der Vertriebenen.
Das System der sozialen Sicherung: Erläutert den Aufbau sozialer Netze unter den Bedingungen der Nachkriegszeit und die Notwendigkeit der Eingliederung durch Arbeit.
Die politische und rechtliche Integration der Vertriebenen: Beschreibt Gesetzgebungen wie das Lastenausgleichsgesetz und das Bundesvertriebenengesetz als zentrale Instrumente der staatlichen Integration.
Die wirtschaftliche Integration der Vertriebenen: Analysiert regionale Unterschiede, Auswirkungen der Währungsreform und die berufliche Eingliederung der Vertriebenen in den Arbeitsmarkt.
Die Selbstorganisation der Vertriebenen: Dokumentiert die Entstehung und Entwicklung von Vereinen, Landsmannschaften und dem Bund der Vertriebenen als politische Interessenvertretungen.
Die gesellschaftliche Integration der Vertriebenen: Befasst sich mit der Differenzierung der Vertriebenen, der Situation von Kindern und der Bedeutung der Verschwägerung als Integrationsindikator.
Der Wandel in der Wahrnehmung der Vertriebenen: Beschreibt die veränderte Sichtweise der Kirchen, die Ostpolitik sowie die Rolle der Vertreibung in der Erinnerungskultur.
Vertriebene, Integration, Nachkriegszeit, Flucht, Heimat, Lastenausgleich, Kirchen, Landsmannschaften, Sozialpolitik, Währungsreform, Identität, Soziologie, Bundesvertriebenengesetz, Erinnerungskultur, Zweite Generation.
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche, wirtschaftliche und religiöse Integration der deutschen Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den ehemaligen Ostgebieten nach Westdeutschland kamen.
Zu den zentralen Themen gehören die Vorgeschichte der Vertreibung, die Rolle der Kirchen als Vermittler, sozialpolitische Sicherungssysteme, rechtliche Rahmenbedingungen wie das Lastenausgleichsgesetz sowie die Selbstorganisation der Vertriebenen.
Ziel ist es zu untersuchen, ob sich die Vertriebenen tatsächlich in die westdeutsche Gesellschaft integriert haben oder nur assimiliert wurden, wobei die Arbeit die These stützt, dass der Integrationsprozess maßgeblich erst in der zweiten Generation gelang.
Die Arbeit verwendet eine analytisch-hermeneutische Methode, die auf der Auswertung wissenschaftlicher Literatur sowie nicht-wissenschaftlicher, leitfadengestützter Experteninterviews mit Zeitzeugen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Bereiche, darunter die Flucht und Vertreibung, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration, das Engagement der Kirchen, staatliche Förderungen und soziale Absicherung, sowie die Selbstorganisation und die psychologische Verarbeitung in der zweiten Generation.
Kernbegriffe sind Vertriebene, Integration, Nachkriegszeit, Heimatverlust, Lastenausgleich, Kirchengemeinden und die zweite Generation der Vertriebenen.
Die Charta von 1950 wird als "Grundgesetz der Vertriebenen" bezeichnet, das explizit auf Rache und Vergeltung verzichtet und den Wiederaufbau Deutschlands sowie ein geeintes Europa als Ziele festlegt.
Die Kirchen agierten als Vermittler und leisteten nicht nur materielle Hilfe, sondern waren auch in der Seelsorge und beim Abbau gesellschaftlicher Vorurteile durch einen pädagogischen Auftrag zentral tätig.
Obwohl die Eingliederung in den Arbeitsmarkt stattfand, zeigt die Analyse, dass Vertriebene häufig soziale Abstiege erlebten und oft in unqualifizierten oder weniger prestigeträchtigen Positionen tätig waren als die einheimische Bevölkerung.
Die Kinder zeigten eine höhere Anpassungsfähigkeit als die Erwachsenen, fungierten teils als Vermittler zwischen den Generationen und zwischen Vertriebenen und Einheimischen, trugen jedoch oft die unverarbeiteten Traumata ihrer Eltern mit sich.
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