Diplomarbeit, 2008
93 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
1. Wege und Sackgassen im Denken
1.1 Si comprehendis, non est Deus
1.2 Gottes Advent als theologische Prämisse
1.2.1 Mehr als notwendig
1.3 Der Gottesgedanke als Denknotwendigkeit
1.3.1 Descartes’ Zweifel
1.3.2 Kants Postulat
1.4 Negation des Gottesgedankens als Denknotwendigkeit
1.4.1 Fichtes Denkverbot
1.4.2 Feuerbachs Denkgebot
1.4.3 Nietzsches Mutmaßung
1.5 Jüngels zumutbare Zumutung
1.6 Ort der Denkbarkeit – das Wort
1.6.1 Hermeneutische Vorentscheidungen
1.6.2 Gegenständlich-Sein Gottes im Wort
1.6.3 Das Wort als Ereignis – Hier im Jetzt
1.6.4 Sprachphilosophische Bemerkungen
2. Wege und Sackgassen in der Sprache
2.1 Offenbarung als Problem und Prämisse
2.2 Theologische Analogiemodelle
2.2.1 Beredtes Schweigen bei Dionysius Areopagita
2.2.2 Das Analogieverständnis bei Thomas von Aquin
2.2.3 Erkenntnistheoretische Bemerkungen
2.2.4 Der Streit um die Analogie bei Barth und Przywara
2.2.5 Kritik an Jüngels Kritik
2.3 Jüngels Analogieverständnis
2.3.1 Das Phänomen der Analogie bei Parmenides
2.3.2 Das Phänomen der Analogie bei Heraklit
2.3.3 Die Analogie des Advents bei Jüngel
2.4 Mit Jüngel zum Advent der Analogie
2.5 Zwei Umwege
3. Wegweiser zu neuen Fragen
Die Diplomarbeit untersucht Eberhard Jüngels „Analogie des Advents“ als Antwort auf die Frage, wie angesichts der neuzeitlichen Denkbarkeitsproblematik theologisch von Gott gesprochen werden kann. Ziel ist es, den Advent Gottes als theologische Prämisse herauszuarbeiten, die der menschlichen Erfahrung von Glaube und Nichtglaube vorausgeht und die Möglichkeit einer analogen Gottesrede begründet.
1.1 Si comprehendis, non est Deus
Wie sprechen und denken Menschen Gott, die glauben, dass sich Gott in der Welt offenbart hat, aber in der Welt nicht transzendent, sondern menschlich erfahrbar ist und dann nicht unmittelbar, sondern nur vermittelt im Zeugnis vom Offenbarungsgeschehen?
Diese Frage klingt konstruiert und lässt sich entschärfen, doch sie spitzt das Problem zu, um das es (wie so oft in der Theologie) in dieser Arbeit geht: Ant-Worten nachzugehen, Antworten auf die uralten, ewig jungen Fragen der Theologie: Wie ist Gottes Sein zu denken? Wie von Gott reden? Was heißt Offenbarung? Was bedeutet Trinität? Warum Menschwerdung und Tod Gottes? Warum glaubt, wer christlich glaubt, dass sich Gott offenbart hat, und glaubt nicht nur, dass es das Sein Gottes gibt, sondern glaubt auch, dass Gott im Zeugnis in der Welt erfahrbar geworden ist und immer neu erfahrbar wird? Wenn Gott immer neu erfahrbar wird, klingt darin an, dass Sein im Werden, nicht bedeutet, dass Gott immer etwas anders wird im Lauf der Geschichte und seiner Schöpfung, dass es einen Mangel in Gott gäbe und Gott wird, was er vorher noch nicht war, sondern es bedeutet, dass sich Gott immer wieder neu als der Ewige und Vollkommene den Menschen selbst erschließt.
Es bedeutet, dass Offenbarung, die Selbstinterpretation Gottes, Ereignis ist, das sich in Jesus Christus zwar endgültig und universal bereits ereignet hat, sich aber dennoch im Wort Gottes und im Zeugnis immer noch ereignet und auch in Zukunft als Ereignis verheißen wird. Diese Glaubenssätze mit Blick auf Jüngels Analogie des Advents zu argumentieren, ist ein Ziel dieser Arbeit.
Gott ist Liebe. Gott ist Geheimnis. Gottes Sein ist im Werden.
Theologische Sätze wie diese lassen sich nur verstehen, wenn deutlich wird, worauf sie antworten. Glaube ist nicht Voraussetzung, um diese Sätze zu verstehen, aber die Kenntnis der Fragestellung ist notwendig, wenn man diese Sätze nicht nur betend, sondern intellektuell nachvollziehen will. Theologische Sätze sind keine mathematischen Sätze, die am Ende das fertig Gedachte darstellen oder beweisen. Theologische Sätze sind Wegweiser auf einem Denkweg, auf einem Weg, der sich nicht definieren lässt, weil im Denken immer neu differenziert werden muss. Es ist ein Weg, der noch nicht da ist, sondern erst gegangen werden muss.
1. Wege und Sackgassen im Denken: Dieses Kapitel erörtert die Krise des metaphysischen Gottesbegriffs in der Neuzeit und zeigt auf, warum Gott bei Denkern wie Descartes, Fichte und Nietzsche undenkbar wird, während Jüngel Gott als den Ankommenden einführt.
2. Wege und Sackgassen in der Sprache: Der zweite Teil widmet sich dem Analogieverständnis, analysiert klassische Entwürfe und kontrastiert diese mit Jüngels Ansatz, der die Analogie des Advents als das von Gott initiierte Sprachereignis versteht.
3. Wegweiser zu neuen Fragen: Hier werden die zentralen Ergebnisse zusammengeführt und Ausblicke auf eine künftige sprachphilosophische Grundlegung des Analogieverständnisses gegeben, um Jüngels Theologie weiterzudenken.
Eberhard Jüngel, Analogie des Advents, Offenbarung, Gottes Sein im Werden, Analogie, Sprachereignis, Theologie, Existenz und Wesen, christliche Offenbarung, Denkbarkeit Gottes, Relationalität, Menschwerdung Gottes, Gott als Geheimnis, Sprachgeschehen, Fundamentaltheologie.
Die Arbeit untersucht Eberhard Jüngels theologischen Ansatz der „Analogie des Advents“ und analysiert, wie diese als Antwort auf die neuzeitliche Herausforderung, von einem Gott zu sprechen, der sich in der Welt offenbart, aber nicht als bloßes Objekt gedacht werden darf, fungiert.
Die zentralen Themen umfassen die Philosophiegeschichte (Denkbarkeit Gottes), die Geschichte der theologischen Analogielehre, die Sprachphilosophie sowie die spezifisch christliche Offenbarungslehre.
Das Ziel ist es zu zeigen, dass die Prämisse der Offenbarung Gottes („weil Gott kommt“) Jüngels Theologie begründet und die Analogie nicht als bloßes Sprachmittel, sondern als Vollzug des Ereignisses Gottes in der Welt begreifbar macht.
Die Autorin nutzt eine systematisch-theologische und fundamentaltheologische Methode, die durch eine fundierte historische Herleitung (Rückgang auf philosophische Ursprünge und scholastische Tradition) und eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Theologen wie Zechmeister oder Metz gekennzeichnet ist.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der „Sackgassen im Denken“, die die philosophische Krise aufzeigt, und der „Sackgassen in der Sprache“, wo traditionelle Analogiekonzepte (Thomas, Barth, Przywara) diskutiert und Jüngels eigenes Konzept der Analogie des Advents entwickelt wird.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Analogie des Advents, Gottes Sein im Werden, Offenbarungsereignis, Denkbarkeit, Relationalität und Sprachereignis charakterisieren.
Jüngel überwindet das statische Verständnis der Analogie als reines Benennungsverhältnis und bestimmt sie als dynamisches, ereignishaftes Sprachgeschehen, in dem Gott als Subjekt im Werden erfahrbar wird.
Sie bildet den historischen und systematischen Anknüpfungspunkt. Jüngel räumt mit dem protestantischen Missverstehen dieses Konzepts auf, kritisiert aber zugleich die von Przywara vorgenommene Grundstrukturierung, da er sie als Gefahr für eine biblisch begründete Theologie sieht.
Sprache ist bei Jüngel kein neutrales Zeichensystem, sondern das Ereignis des Ansprechens und Angesprochenwerdens. Das Wort Gottes ist somit das Ort, an dem die Relation zwischen Gott und Mensch konstituiert wird.
Sie greift deren Einwände gegen eine „leidensunempfindliche Theologie“ auf und verteidigt Jüngels Ansatz, indem sie zeigt, dass die Prämisse des Advents Gottes die Klage und das menschliche Leiden keineswegs ausschließt, sondern in der Nachfolge erst verständlich macht.
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