Masterarbeit, 2018
95 Seiten, Note: 1.7
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Medienwechsel: Literarische Quellen und filmische Adaptionen
2.1. Arthur Schnitzler und der Film
2.2. Stanley Kubrick und die Literatur
2.3. Traumnovelle als Grundlage für Eyes Wide Shut
3. Eine medienkomparatistische Analyse der Primärquellen
3.1. Einflüsse und Übernahme des Stoffes
3.1.1. Schnitzler und Freud: Brüder im Geiste?
3.1.2. Kubricks Faszination für die Traumnovelle
3.2. Handlung: Aventure des Mannes und Traumwelt der Frau
3.2.1. Geständnis – Abschnitt 1/Sequenz 1-5
3.2.2. Patientenbesuch – Abschnitt 2/Sequenz 6
3.2.3. Rempelei und Prostituierte – Abschnitt 3/Sequenz 7, 8
3.2.4. Erster Höhepunkt – Abschnitt 4/Sequenz 9-12
3.2.5. Zweiter Höhepunkt – Abschnitt 5/Sequenz 13
3.2.6. Nachforschungen – Abschnitt 6/Sequenz 14-22
3.2.7. Zieglers Offenbarung – Sequenz 23
3.2.8. Eheliche Aussprache – Abschnitt 7/Sequenz 24-25
3.3. Charaktere: Übernommene und Eingeführte
3.3.1. Der Protagonist und seine Maske(n)
3.3.2. Die Protagonistin und das Spiegelmotiv
3.3.3. Die Geheimgesellschaft und ihr Gesetz
4. Die audiovisuelle Übertragung: Von Text zu Film
4.1. Setting: Von Wien nach New York
4.2. Der literarische und der filmische Erzähler
4.2.1. Die Kameraführung
4.2.2. Die Musik
4.2.3. mise-en-scène
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Master-Thesis untersucht den medienästhetischen Transfer von Arthur Schnitzlers Novelle Traumnovelle (1925) in Stanley Kubricks finalen Spielfilm Eyes Wide Shut (1999). Ziel der Arbeit ist es, die strukturellen und inhaltlichen Adaptionsprozesse sowie die daraus resultierenden interpretativen Verschiebungen durch eine medienkomparatistische Analyse präzise herauszuarbeiten.
3.1.1. Schnitzler und Freud: Brüder im Geiste?
Das Substantiv Traum, welches die Gattungsbezeichnung Novelle im Titel von Schnitzlers Traumnovelle näher bestimmt, rufe Hertha Krotkoff zufolge unweigerlich den gedanklichen Zusammenhang zu Freuds Traumdeutung hervor. Aber welche Rolle spielt Die Traumdeutung für die Traumnovelle, ging Schnitzlers in seinen Ansichten konform mit Freud? Fest steht, dass sich die Zeitgenossen bekannt waren. Dies bezeugt der berühmte Brief, ein Glückwunschschreiben Freuds, zum Anlass von Schnitzlers 60. Geburtstag vom 14. Mai 1922. Freud formuliert darin:
So habe ich den Eindruck gewonnen, daß Sie durch Intuition – eigentlich aber infolge feiner Selbstwahrnehmung – alles das wissen, was ich in mühseliger Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe. Ja ich glaube, im Grund Ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher, so ehrlich unparteiisch und unerschrocken wie nur je einer war, und wenn Sie das nicht wären, hätten Ihre künstlerischen Fähigkeiten, Ihre Sprachkunst und Gestaltungskraft freies Spiel gehabt und Sie zu einem Dichter weit mehr nach dem Wunsch der Menge gemacht.
Freuds Kompliment an Schnitzler ist vielleicht nur ein winziger Anhaltspunkt auf der Suche nach des Rätsels Lösung, wer bei der Ergründung der Tiefenpsychologie die wahre Pionierarbeit leistet – die Dichter oder die Psychologen. Freud, der seine Erkenntnisse bekanntlich nicht selten an literarischen Erzeugnissen erprobte, analysierte nicht nur Schöpfungen ausgewählter Schriftsteller. In seinem Aufsatz Der Dichter und das Phantasieren erschließt er, daß die Dichtung wie der Tagtraum Fortsetzung und Ersatz des einstigen kindlichen Spielens ist. Im selben Text schreibt er:
Noch in vielen der sogenannten psychologischen Romane ist mir aufgefallen, daß nur eine Person, wiederum der Held, von innen geschildert wird; in ihrer Seele sitzt gleichsam der Dichter und schaut die anderen Personen von außen an. Der psychologische Roman verdankt im ganzen wohl seine Besonderheit der Neigung des modernen Dichters, sein Ich durch Selbstbeobachtung in Partial-Ichs zu zerspalten und demzufolge die Konfliktströmungen seines Seelenlebens in mehreren Helden zu personifizieren.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Forschungsvorhaben vor, den Medienwechsel von der literarischen Vorlage zur filmischen Adaption zu untersuchen und die methodische Vorgehensweise darzulegen.
2. Medienwechsel: Literarische Quellen und filmische Adaptionen: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Medienwechsels sowie die persönlichen und künstlerischen Verbindungen zwischen Arthur Schnitzler und Stanley Kubrick.
3. Eine medienkomparatistische Analyse der Primärquellen: Dieser Hauptteil bietet eine detaillierte Gegenüberstellung von Schnitzlers Novelle und Kubricks Film, wobei Einflüsse, Handlungssequenzen, Figuren und Motive analysiert werden.
4. Die audiovisuelle Übertragung: Von Text zu Film: Hier stehen die ästhetischen Mittel des Kinos – insbesondere das Setting, der Einsatz der Kamera, Musik und Ausstattung – im Fokus, um die filmische Übersetzung des narrativen Stoffs zu beleuchten.
5. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel bilanziert die Ergebnisse der Untersuchung und zieht ein Fazit über die gegenseitige Beeinflussung von Vorlage und Adaption.
6. Quellenangabe: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der Film- und Musikquellen.
Arthur Schnitzler, Stanley Kubrick, Traumnovelle, Eyes Wide Shut, Medienwechsel, Intermedialität, Adaption, Traumdeutung, Sigmund Freud, filmische Analyse, Erzähltheorie, Mise-en-scène, Maskenmotiv, Wien, New York.
Die Thesis analysiert den medienästhetischen Wandel des narrativen Stoffs von Arthur Schnitzlers Traumnovelle bei der filmischen Umsetzung durch Stanley Kubrick in dessen Werk Eyes Wide Shut.
Im Zentrum stehen die intermediale Adaptation, der Einfluss psychoanalytischer Theorien (insbesondere von Sigmund Freud) auf das Werk Schnitzlers und dessen Rezeption durch Kubrick sowie die filmische Übersetzung psychologischer Narrative.
Ziel ist es, die Äquivalenzen und Divergenzen zwischen literarischer Vorlage und filmischer Adaption sowie die filmtechnischen Strategien herauszuarbeiten, mit denen Kubrick die literarischen Themen in ein audiovisuelles Medium übersetzt.
Die Arbeit folgt einem medienkomparatistischen Ansatz, der die Primärquellen (Novelle und Film) direkt gegenüberstellt und durch Analyse von Sekundärliteratur sowie filmtheoretischer Konzepte kontextualisiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Stoffübernahme, eine detaillierte Handlungsanalyse in Sequenzen, die Betrachtung zentraler Figuren sowie eine Analyse der filmischen Gestaltungsmittel wie Kameraführung, Musik und Ausstattung.
Zu den zentralen Begriffen zählen Medienwechsel, Intermedialität, Traumnovelle, Eyes Wide Shut, Psychoanalyse, filmische Adaption und Erzähltheorie.
Kubrick verlegt das Setting von Schnitzlers Wien um 1900 in das New York der 1990er Jahre und nutzt dies, um kulturelle und gesellschaftliche Verschiebungen zu reflektieren, wobei er das Setting als einen oft "traumhaft leblosen" Raum inszeniert.
Die Musik fungiert als essentielles Gestaltungsmittel mit verschiedenen Funktionen, etwa als Leitmotiv, zur Charakterisierung oder als distanzierendes Element, um die emotionale Wirkung und die psychologische Tiefe des Films zu steuern.
Die Arbeit beleuchtet, wie Kubrick durch die Besetzung und die filmische Inszenierung die Passivität und die psychologische Entwicklung des Protagonisten im Vergleich zur literarischen Vorlage interpretiert und dabei die Rollenbilder der 1990er Jahre einbezieht.
Die Schlussbetrachtung diskutiert die Ambivalenz des Ausgangs, wobei die Rückkehr der Protagonisten in den bürgerlichen Alltag bei beiden Autoren als fragil und keineswegs als endgültige Auflösung der aufgeworfenen Konflikte interpretiert wird.
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