Diplomarbeit, 2008
84 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Standard-Auktionsformen im Vergleich zur Online-Auktion
2.1. Modelle für Standard-Auktionen
2.2. Strategieimplikationen der Standard-Auktionen
2.3. Die Internetauktion
2.4. Besonderheiten von Online-Auktionen
2.4.1. Auktionsfieber
2.4.2. Shilling und Squeezing
2.4.3. Sniping in Online-Auktionen
2.5. Was macht Internetauktionen besonders?
3. Theoretische Betrachtung von Auktionen im Internet
3.1. Modell einer Onlineauktion mit privaten Bewertungen
3.1.1. Auktionen mit festem Ende
3.1.2. Automatisch verlängerte Auktionen
3.2. Modell einer Auktion mit abhängigen Bewertungen
3.2.1. Symmetrische Bieter
3.2.2. Erfahrener Experte und naiver Amateur
3.3. Weitere Gründe für das Sniping
3.4. Auswirkungen des Sniping für den Verkäufer
4. Empirische Beobachtungen
4.1. Auktionsverlauf nach Art des Gutes und deren Bewertungstypen
4.1.1. Ist Spätes Bieten immer gleich?
4.2. Auswirkung der Erfahrung der Bieter auf den Gebotszeitpunkt
4.3. Einfluss der Erfahrung der Höchstbieter
4.3.1. Gebotsstrategien der Gewinner
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht das Phänomen des "späten Bietens" (Sniping) in Online-Auktionen aus spieltheoretischer Perspektive. Das primäre Ziel ist es, die ökonomischen Eigenschaften und Ursachen dieses Bietverhaltens zu identifizieren, Erklärungsansätze zu entwickeln und diese anhand empirischer Daten von eBay zu validieren.
2.4.3. Sniping in Online-Auktionen
Das auffälligste Charakteristikum von Online-Auktionen ist der hohe Anteil später Gebote. Diese als "Sniping" bezeichnete Handlung, bei welcher ein Gebot kurz vor Ende des Auktionszeitraumes abgegeben wird, ist in vielen Untersuchungen bemerkt worden.
"A striking feature of eBay auctions is that bidding activity is concentrated at the end of each auction (Bajari & Hortacsu, 2003, S.6)."
Sie bemerkten, dass 50% der Gebote erst abgegeben wurden, in den letzten 10% des Auktionszeitraumes und immer noch 32% in den letzten 3% des Zeitraumes. Das Medianhöchstgebot wurde nach 98,3% des Auktionszeitraumes abgegeben, was in etwas den letzten 3 Stunden der meist benutzten 7-Tages-Auktion entspricht. Simonsohn & Ariely (2005, S.46) bemerkten in ihrer Untersuchung von 8.600 DVD-Auktionen auf eBay, dass von allen gewinnenden Geboten, ca. 30% in den letzten 5 Minuten, 50% innerhalb der letzten Stunde und annähernd 70% 5 Stunden vor Auktionsende eingingen. Eine der ausführlichsten Analysen führten Ockenfels & Roth (2002, S.3) durch. Sie beobachteten, dass 14% aller Bieter ihre Gebote in den letzten 5 Minuten, 9% in der letzten Minute, und ca. 2% in den letzten zehn Sekunden abgaben. Auch Steiglitz (2007, S.34f) beschrieb einige Auffälligkeiten bei von ihm beobachteten Auktionen bei eBay. Eine stellt das Ansammeln von Geboten ganz besonders zu Beginn und zum Ende der Auktion hin dar. Seiner Auffassung nach ist dies für viele Auktionen typisch.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Auktionen, Vorstellung des Phänomens des späten Bietens und Definition der Zielsetzung sowie methodischen Vorgehensweise.
2. Standard-Auktionsformen im Vergleich zur Online-Auktion: Darstellung grundlegender Auktionsmechanismen und spezifischer Besonderheiten wie Auktionsfieber, Shilling und Sniping im Online-Kontext.
3. Theoretische Betrachtung von Auktionen im Internet: Modellierung von Bieterverhalten bei privaten und abhängigen Bewertungen sowie Analyse der Anreize für strategisches Bieten.
4. Empirische Beobachtungen: Überprüfung der theoretischen Hypothesen anhand von Daten aus 150 eBay-Auktionen, unterteilt in die Kategorien Notebooks, Weine und Reisen.
5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, Bestätigung der Hypothesen und Reflexion über die Bedeutung von Erfahrung und Auktionsformaten für das Bieterverhalten.
Spätes Bieten, Sniping, Online-Auktionen, Spieltheorie, Auktionsfieber, Shilling, Squeezing, Bieterstrategien, private Bewertungen, abhängige Bewertungen, eBay, Auktionserfahrung, Gebotszeitpunkt, Preistreiberei, Auktionstheorie.
Die Arbeit analysiert das Phänomen des "späten Bietens" oder "Sniping" in Online-Auktionen. Ziel ist es zu verstehen, warum Bieter ihre Gebote erst kurz vor Ende einer Auktion abgeben und welche ökonomischen Anreize oder spieltheoretischen Modelle dieses Verhalten erklären können.
Die zentralen Themen umfassen die Spieltheorie in Auktionsprozessen, die Unterschiede zwischen traditionellen Auktionsformen und Online-Auktionsformaten, den Einfluss von Bietererfahrung sowie die Rolle von Produktbewertungen (privat vs. abhängig) auf das Bieterverhalten.
Die zentrale Fragestellung befasst sich mit den Bedingungen, unter denen spätes Bieten eine rationale Strategie darstellt, und warum dieses Verhalten für Online-Auktionen besonders charakteristisch ist.
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Ansatz, der auf spieltheoretischen Modellen basiert, mit einer empirischen Analyse von 150 Auktionsdatensätzen, um Vorhersagen über Gebotszeitpunkte und Gebotsaktivitäten zu validieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Modellierung, die verschiedene Bewertungsszenarien (privat vs. abhängig) gegenüberstellt, und eine empirische Analyse, in der Auktionsverläufe nach Artikelgruppen (Notebooks, Weine, Reisen) kategorisiert und mittels statistischer Tests ausgewertet werden.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sniping, Auktionsfieber, Shilling, Squeezing, Revenue-Equivalence-Theorem, Winner's Curse und implizite Kollusion charakterisiert.
Die Untersuchung zeigt, dass der Einfluss der Erfahrung komplex ist. Während man einen Lerneffekt erwartet, bei dem erfahrenere Bieter eher spät bieten, zeigt die Analyse auch, dass bei sehr erfahrenen Gruppen ein gegenläufiger Effekt auftreten kann, bei dem das Bietverhalten wieder früher erfolgt.
Die empirische Analyse verdeutlicht, dass das Sniping je nach Artikelgruppe unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Bei Notebooks spielt die "implizite Kollusion" eine Rolle, bei Weinen ist der Schutz von Expertenwissen ein relevanter Faktor, während Reisen weniger Anreize für spätes Bieten bieten.
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