Diplomarbeit, 2004
65 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
1. Einleitung
1.1. Methodische Vorüberlegungen
1.2. Gustav Mahler – Leben und Werk
1.3. Programmmusik
2. Die I. Symphonie
2.1. Entstehungsgeschichte und das Programm
2.2. Kritiken
2.3. Deutungen
2.4. Äußerungen Mahlers
3. Die II. Symphonie
3.1. Entstehungsgeschichte und das Programm
3.2. Gesangstexte
3.3. Kritiken
3.4. Deutungen
3.5. Äußerungen Mahlers
4. Fazit
Diese Diplomarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der Programme, die Gustav Mahler seinen ersten beiden Symphonien beifügte, sowie die zeitgenössische und spätere Rezeption dieser Deutungsansätze. Das primäre Ziel ist es, den ambivalenten Umgang des Komponisten mit programmatischen Erklärungen zu beleuchten und den Einfluss dieser außermusikalischen Vorgaben auf das Verständnis seiner Musik durch Publikum und Kritik zu analysieren.
1.1. Methodische Vorüberlegungen
Wer sich mit dem Komponisten Gustav Mahler und seinen Werken beschäftigt, findet sich in einem Gebiet wieder, das voller gegensätzlicher Meinungen steckt; oft stößt man entweder auf grenzenlose Begeisterung oder auf Unverständnis. Sowohl zu Mahlers Lebzeiten als auch heute scheiden sich offensichtlich die Geister an diesem Künstler. Die oft verständnislose Kritik von damals findet ihre Erklärung darin, dass Mahler in gewisser Weise seiner Zeit voraus war – man bedenke Bezeichnungen wie Zeitgenosse der Zukunft oder die Äußerung Meine Zeit wird kommen. Dies betrifft kompositorische Prinzipien oder die Mittel und Wege, mit denen er sich musikalisch ausdrückte und die Tatsache, dass er sich nicht in ein bestimmtes Schema, einen eindeutigen Musikstil oder eine Komponistengeneration einordnen lässt. Die Musik erscheint auf den ersten Blick unüberschaubar und wirkt unbequem, selbst für heutige Ohren, die schon Musik von Schönberg bis zu den zeitgenössischen Komponisten gewöhnt sind.
Auf eigenartige Weise wird Mahler immer als etwas ‚Besonderes‘ behandelt, als jemand, dem man nicht so schnell auf die Spur kommt. Natürlich ist gerade dies für die Musikwissenschaft eine Veranlassung, sich mit Mahler auseinander zu setzen; hier seien Namen wie Adorno, Dahlhaus, Floros und Eggebrecht genannt, die Schriften zu Mahler herausgebracht haben. Alle Bemühungen, die Werke Mahlers zu beleuchten, zu erläutern und damit eventuell zu erklären, sollen im Endeffekt dazu dienen, dem Zuhörer die Musik zu vermitteln und das Verständnis ihr gegenüber zu erleichtern. Dies hat Mahler selbst damals versucht, indem er einem Teil seiner Werke Programme beifügte. Diese sind – das möchte ich gleich zu Anfang betonen – nicht in dem ursprünglichen Sinne der Programmmusik zu verstehen. Es handelt sich hier um Ideen, um Ansätze, die dem Zuhörer nur eine von vielen möglichen Empfindungen aufzeigen sollen. Darauf werde ich später eingehender zu sprechen kommen.
1. Einleitung: Dieses Kapitel legt die methodische Vorgehensweise fest, gibt einen biografischen Abriss und definiert den theoretischen Rahmen des Begriffs Programmmusik für die vorliegende Arbeit.
2. Die I. Symphonie: Hier werden die Entstehungsgeschichte, die verschiedenen Programmfassungen, die zeitgenössische Kritik sowie spätere Deutungen und Mahlers eigene Kommentare zur Ersten Symphonie detailliert behandelt.
3. Die II. Symphonie: Dieses Kapitel widmet sich der Zweiten Symphonie, wobei neben Entstehungsgeschichte und Kritiken insbesondere auch die verwendeten Gesangstexte und deren Bedeutung für das Verständnis des Werkes analysiert werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Problematik der Interpretation von Musik durch außermusikalische Programme.
Gustav Mahler, Symphonie I, Symphonie II, Programmmusik, Komposition, Rezeption, Musikästhetik, Entstehungsgeschichte, Interpretation, Programm, Musikkritik, Deutung, Wiener Oper, Musikanalyse, Musikgeschichte
Die Arbeit analysiert die Programme, die Gustav Mahler zu seinen ersten beiden Symphonien verfasste, und untersucht, wie diese den Rezeptionsprozess sowie das Verständnis der Musik bei Zeitgenossen und nachfolgenden Generationen beeinflussten.
Im Zentrum stehen das Spannungsfeld zwischen absoluter Musik und Programmmusik, die historische Entstehung der ersten beiden Symphonien sowie die Auswertung von Kritiken und Mahlers eigenen Aussagen zu seinem kompositorischen Intentionen.
Ziel ist es, zu ergründen, warum Mahler Programme zu seinen Werken erstellte, in welchem Maße er sich von einer rein illustrativen Programmmusik abgrenzte und wie die Rezeption dieser Werke durch die Vorab-Information der Programme geprägt wurde.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der authentische Schriften, Briefe Mahlers und zeitgenössische Kritiken sowie musikwissenschaftliche Sekundärliteratur systematisch ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Abschnitte für die I. und die II. Symphonie, die jeweils die Genese der Programme, zeitgenössische Aufführungskritiken und moderne Deutungsansätze beleuchten.
Zu den zentralen Begriffen zählen Gustav Mahler, Programmmusik, Symphonie I, Symphonie II, Musikästhetik, Rezeptionsgeschichte und Werkdeutung.
Der "Blumine"-Satz war ursprünglich Teil der I. Symphonie, wurde jedoch nach scharfer Kritik und Mahlers eigenen Zweifeln an der musikalischen Struktur aus späteren Fassungen des Werkes entfernt.
Mahler betrachtete seine Programme nicht als verbindliche "Wegweiser" oder Inhaltsangaben, sondern als assoziative Hilfen für den Zuhörer, um den Zugang zur Musik zu erleichtern, ohne dabei die Musik auf ein rein beschreibendes Sujet zu reduzieren.
Die entscheidende Inspiration für das Finale lieferte der Besuch der Trauerfeier für Hans von Bülow, bei der Mahler den Chorsatz "Auferstehen" von Klopstock hörte, der ihn dazu brachte, diesen Choral in sein Werk zu integrieren.
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