Bachelorarbeit, 2021
20 Seiten, Note: 1,0
II. Einleitung: Dem Sophisten auf der Spur
III. Das Verbot des Parmenides
IV. Die Negation μὴ (me)
V. Die fünf μέγιστα γένη (megista gene)
VI. τῆς θατέρου μορίου ϕύσεως
VII. Interpretation: Parmenides Fragment
VIII. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Sein (τὸ ὂν) und Nichtsein (τὸ μὴ ὂν) in Platons Dialog Sophistes, insbesondere unter Berücksichtigung des parmenideischen Verbots. Ziel ist es, die dialektische Auflösung der Aporie des Nichtseienden durch die Lehre der fünf größten Ideen (μέγιστα γένη) nachzuvollziehen und deren Vereinbarkeit mit Parmenides zu prüfen.
IV. Die Verneinung μὴ (mȇ)
Als erste Schwierigkeit im behandelten Abschnitt, erweist sich die Interpretation oder vielmehr die Übersetzung der vorangehenden Negation nicht oder μὴ. Diese bringt eine gewisse Problematik mit sich, denn zu oft wird es schlicht und einfach als Indikator für eine gegenteilige Bedeutung gesehen und scheint das Thema stark einzugrenzen. So stoßen wir zu Beginn von Abschnitt 258 (a) auf genau dieses beschriebene Problem:
„[…] τὸ μὴ μέγα καὶ τὸ μέγα αὐτὸ εἶναι λεκτέον“ (PS S. 156)
„[…] das Nicht-Große und das Große gleich seiend nennen.“ (PS S. 157)
Das μὴ ist also kein Mittel, um das Gegenteil zu benennen, sondern es ist lediglich als ein „anders als“, „verschieden von ihm zu lesen. Die Idee hierbei ist die Unterscheidung von dem ἐναντίον (Entgegengesetzten) zum ἔτερον (Verschiedenen). Für diese Leseweise spricht auch, dass der Terminus „μὴ“ im altgriechischen als abwehrende Negation zur Verneinung von Gedankeninhalten gilt, während zur tatsächlichen Verneinung das Wort „οὐ“ („οὐκ“ „οὐχ“) verwendet wird. Das bedeutet, dass der Terminus μὴ, bezogen auf die folgende Idee, alles andere bezeichnet, nur nicht genau dieses eine Bestimmte. Das Große ist etwas bestimmtes, eine konkrete ontologische Idee, und das nicht-Große ist zwar nicht dasselbe, aber es ist nicht nichts, und auch nicht das Gegenteil. Es ist etwas anderes, aber eben nicht genau das Große. Das μὴ meint nur, dass es von ihm verschieden ist, in welchem Maß diese Verschiedenheit besteht, lässt sich allein daraus nicht schließen.
Einleitung: Dem Sophisten auf der Spur: Einführung in die Problematik des Sophisten als "Nichtseiender" und Darstellung der dialektischen Zielsetzung des Dialogs.
Das Verbot des Parmenides: Analyse des ontologischen Verbots, über das Nichtseiende zu sprechen oder es als seiend zu denken.
Die Negation μὴ (me): Untersuchung der linguistischen und ontologischen Bedeutung der Negation als Verschiedenheit statt als absolutes Gegenteil.
Die fünf μέγιστα γένη (megista gene): Erläuterung der fünf höchsten Ideen und deren wechselseitige Teilhabe, um das Nichtseiende ontologisch zu legitimieren.
τῆς θατέρου μορίου ϕύσεως: Spezifizierung der "Natur des Anderen" und wie sie als Teil der seienden Welt das Nichtseiende begründet.
Interpretation: Parmenides Fragment: Kritische Prüfung der Vereinbarkeit von Platons Argumentation im Sophistes mit der Lehre des Parmenides.
Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Überwindung des parmenideischen Verbots durch die neue Bestimmung des Nichtseienden als relatives "Anderes".
Platon, Sophistes, Parmenides, Sein, Nichtsein, μὴ ὂν, μέγιστα γένη, Dialektik, Dihairesis, ἕτερον, ἐναντίον, Philosophie, Ontologie, Ideenlehre, Sophistik
Die Arbeit analysiert im Kern, wie Platon im Dialog Sophistes das ontologische Problem des Nichtseins löst, um den Sophisten als reale, wenn auch "andere" Figur greifbar zu machen.
Die Arbeit bewegt sich im Bereich der antiken Metaphysik, der Sprachphilosophie und der Interpretation vorsokratischer Lehren im Kontext der platonischen Spätphilosophie.
Das Ziel ist der Nachweis, dass Platon durch die Einführung der fünf größten Gattungen das parmenideische Verbot des Nichtseins nicht einfach bricht, sondern durch eine neue Bestimmung als "Andersheit" philosophisch integriert.
Die Arbeit nutzt die textual-exegetische Methode in Verbindung mit philosophiehistorischer Analyse, indem sie Primärtexte von Platon mit moderner Sekundärliteratur vergleicht.
Der Hauptteil widmet sich der Dihairesis, der Analyse der fünf Ideen, der Unterscheidung zwischen gegensätzlicher und verschiedenheitlicher Negation sowie der differenzierten Interpretation der Fragmente des Parmenides.
Die wichtigsten Begriffe sind Sein (ὂν), Nichtsein (μὴ ὂν), die fünf Ideen (megista gene), das Andere (ἕτερον) und das dialektische Verfahren der Dihairesis.
Platon nutzt das Wort μὴ nicht als absolutes "Nicht", sondern als Kennzeichnung für eine relative Verschiedenheit. Während ein absolutes Gegenteil (ἐναντίον) das Sein ausschließen würde, ermöglicht das "Andere" (ἕτερον) die Teilhabe am Sein.
Das Verbot fungiert als dialektische Hürde: Da der Sophist sich im Bereich des Täuschens und des Nichtwahren bewegt, schien er nach Parmenides als "Nichtseier" undenkbar. Platon überwindet dies, indem er das Nichtseiende als ontologisch gleichwertiges "Anderes" innerhalb der Ideenwelt redefiniert.
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