Masterarbeit, 2021
174 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Syndrom
2.1. Ein Kurzüberblick
2.2. Gesellschaft und ADHS im geschichtlichen Verlauf
2.3. Epidemiologie / Prävalenz
2.4. Ätiologie und Pathogenese
2.4.1. Entwicklungsgeschichte
2.4.2. Neuroanatomische, neurophysiologische und neurochemische Faktoren
2.4.3. Neuropsychologische Faktoren
2.4.4. Genetische und Umwelt Faktoren / Gen-Umwelt-Interaktion
2.5. Klinischer Verlauf
2.5.1. Kernsymptome
2.5.2. Verlauf und Risikofaktoren
2.5.3. Komorbide Störungen und Begleitsymptome
2.5.4. Ressourcen
2.6. Klassifikation, Terminologie und Diagnose
2.7. Therapieverfahren
2.7.1. Psychoedukation
2.7.2. Pharmakologische Therapie
2.7.2.1. Diskurs
2.7.2.2. Aktuelle Medikation
2.7.2.3. Wirkungen
2.7.2.4. Nebenwirkungen
2.7.3. Psychosoziale Therapien
2.7.3.1. Verhaltenstherapie
2.7.3.2. Behandlungsprogramme
2.7.4. Alternative Behandlungsansätze
3. ADHS im schulischen Kontext
3.1. Auffälligkeiten im schulischen Kontext
3.2. Grundprinzipien im Umgang mit ADHS
3.3. Konkrete Methoden und Gestaltung der Lernumgebung
3.4. Schulrechtliche Rahmenbedingungen
3.4.1. Nachteilsausgleich
3.4.2. Verbraucherrichtlinien
3.5. Unterstützung für Lehrkräfte
3.6. Überleitung
4. Qualitative Forschungsmethode
4.1. Das qualitative, leitfadengestützte Interview
4.1.1. Experteninterview
4.1.2. Das Leitfadeninterview als flexibles Gerüst
4.2. Konzeption des Interviewleitfadens: Forschungsdesign
4.2.1. Forschungsfrage und zentrale Prinzipien
4.2.2. Besonderheiten der Personengruppen
4.2.3. Interviewablauf
4.3. Qualitative Inhaltsanalyse
4.3.1. Qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode
4.3.2. Konzeptionelles Vorgehen der Auswertung
4.3.3. Kategorienbildung
5. Ergebnisse
5.1. Zusammenfassung der einzelnen Probandeninterviews
5.1.1. Probandin 1 (Lehrkraft Frau S.)
5.1.2. Probandin 2 (Rektorin Frau H.)
5.1.3. Proband 3 (ADHS-Betroffener Peter)
5.1.4. Proband 4 (ADHS-Betroffener Carsten)
5.1.5. Probandin 5 (Rektorin Frau O.)
5.1.6. Probandin 6 (Lehrkraft Frau B.)
5.2. Ergebnisdarstellung mithilfe der inhaltlichen Strukturierung der transkribierten Texte
5.2.1. Lehrer-Schüler-Beziehung
5.2.2. Symptomatik und belastende Situationen
5.2.3. Wissen über ADHS
5.2.4. Behandlungsverfahren
5.2.5. Interdisziplinäre Zusammenarbeit / Vernetzung
5.2.6. (Schul-)politische Unterstützung
5.2.7. Maßnahmen
5.2.8. Soziale Einbindung
5.2.9. Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf ADHS-betroffene Schüler
5.2.10. Auswirkungen aktueller Situationen auf die Schulen
5.2.11. Weitere angesprochene Themen in den Interviews
6. Diskussion
6.1. Limitation
6.2. Inhaltliche Diskussion
7. Fazit und Ausblick
8. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die subjektiven Erfahrungen von Lehrkräften und ADHS-betroffenen jungen Erwachsenen im Hinblick auf Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten im schulischen Alltag. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Lehrkräfte kompetent auf symptombedingte Verhaltensweisen reagieren können und welche strukturellen Maßnahmen zur Förderung des Schulerfolgs und der sozialen Integration tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden.
2.4.1. Entwicklungsgeschichte
ADHS-typische Verhaltensweisen werden bereits seit Jahrhunderten wahrgenommen. Persönlichkeitsbeschreibungen aus Geschichtsbüchern über Alexander den Großen, Dschingis Kahn oder die Ode von Herondas aus der Antike zeichnen vor allem motorische Unruhe bei Jungen auf [Neuhaus 2016, S. 14; Rothenberger, Steinhausen 2020, S. 17]. Aber auch Protagonisten-Darstellungen aus Kinderliteratur wie „Pippi Langstrumpf“, „Michel von Lönneberga“ und allen voran der „Zappelphilipp“ und „Hans Guck-in-die-Luft“ lassen über dieses langbestehende Syndrom Rückschlüsse ziehen [Gawrilow 2012, S. 17; Heinemann, Hopf 2006, S. 9; Neuhaus 2016, S. 14].
Im Folgenden wird die geschichtliche Entwicklung vom einstigen „Zappelphilipp“ zum anerkannten Krankheitssyndrom dargestellt: 1775 nimmt Melchior A. Weikard erstmalig die Symptomkombination aus motorischer Unruhe, Verhaltensauffälligkeit und Konzentrationsstörung bei Kindern wahr [DGKJP et al. 2017, S. 11], die 1887 von Eminghausen als „moralisches Irresein“ bezeichnet und mit einer „cerebralen Neurasthenie“ begründet wird [Rothenberger, Steinhausen 2020, S. 18]. Vier Jahre später erkennt Paul F. Schulz eine Psychopathologie des hyperkinetischen Syndroms sowie bestehende Komorbiditäten [Heinemann, Hopf 2006, S. 9]. Erstmalig wird die Beobachtung der Kernsymptomatik von ADHS in der Öffentlichkeit von dem englischen Kinderarzt G.F. Still 1902 beschrieben [Rothenberger, Steinhausen 2020, S. 18]. Er beobachtet eine abnorme Unfähigkeit bei Kindern, die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten sowie extreme emotionale Reizbarkeit [Neuhaus 2016, S. 14].
1. Einleitung: Zusammenfassung der Ausgangslage, der Relevanz des Themas sowie Definition der Forschungsfrage und Zielsetzung der Untersuchung.
2. Das Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Syndrom: Theoretische Herleitung des Syndroms auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, inklusive Pathogenese, Verlauf und Diagnostik.
3. ADHS im schulischen Kontext: Darstellung der typischen Auffälligkeiten im Unterricht sowie Erläuterung von Methoden, rechtlichen Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrkräfte.
4. Qualitative Forschungsmethode: Erläuterung des gewählten Forschungsdesigns, der Durchführung von leitfadengestützten Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode.
5. Ergebnisse: Zusammenfassung der Probandeninterviews und detaillierte Darstellung der herausgearbeiteten Kategorien zur Bewältigung des Schulalltags.
6. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit den gewonnenen Interviewergebnissen im Abgleich mit den theoretischen Theorien sowie Reflexion der methodischen Limitationen.
7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Formulierung von Handlungsempfehlungen für die Praxis und Bildungspolitik.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
ADHS, AD(H)S-Syndrom, Grundschule, Lehrkräfte, Leitfadeninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Schulerfolg, Nachteilsausgleich, Unterstützungsmöglichkeiten, Inklusion, Impulsivität, Konzentrationsstörung, Hyperaktivität, Sozialverhalten, Multimodale Therapie.
Die Masterarbeit befasst sich mit dem ADHS-Syndrom bei Kindern im Grundschulalter und den damit verbundenen Herausforderungen bei der Bewältigung des schulischen Alltags.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von ADHS, die Auswirkungen der Symptomatik auf das schulisches Umfeld sowie Strategien zur Unterstützung von betroffenen Schülern durch Lehrkräfte.
Das Ziel ist es, herauszufinden, welche von Fachkräften empfohlenen Unterstützungsmaßnahmen in der schulischen Alltagsrealität tatsächlich Anwendung finden und wo Schwachstellen in der aktuellen Förderung liegen.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf leitfadengestützten Experteninterviews mit Lehrkräften sowie ADHS-betroffenen jungen Männern basiert.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zum Krankheitsbild die Konzeption der Forschungsmethode sowie die Ergebnisse der Interviewauswertung detailliert dargelegt.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie ADHS, Grundschule, qualitative Sozialforschung, Nachteilsausgleich und schulische Unterstützung aus.
Laut den befragten Lehrkräften hat die Pandemie zu einer Verschärfung von Verhaltensauffälligkeiten und Leistungsrückständen geführt, da strukturgebende Routinen verloren gingen und Kinder im Homeschooling mit der Selbstorganisation oft überfordert waren.
Die Lehrkräfte bewerten den Austausch mit Ärzten und Diagnosezentren überwiegend negativ, da Informationen oft lückenhaft fließen, auf Augenhöhe fehlt und die bürokratischen Hürden (Schweigepflicht) eine effektive interdisziplinäre Zusammenarbeit erschweren.
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