Diplomarbeit, 2006
212 Seiten, Note: 2
I. Einleitung
II. Theoretischer Teil
1. Risiko
1.1 Risikobereitschaft und Risikoverhalten
1.1.1 Risikobereitschaft und Risikoeinstellung
1.1.2 Risikowahrnehmung (risk perception)
1.1.3 Entscheidungen unter Risiko
1.2 Risikoforschung in Psychologie und Wirtschaftswissenschaften
1.2.1 Risikobereitschaft und Risikoverhalten aus Perspektiven der Ökonomie und Psychologie
1.2.2 Entscheiden und Urteilen
1.2.3 Risikoaversion
1.2.4 Risikotoleranz
1.3 Finanzielle Risikobereitschaft
1.3.1 Determinanten der finanziellen Risikobereitschaft
1.3.2 Messung der finanziellen Risikobereitschaft
2. Geschlecht
2.1 Der Begriff „Gender“ in Abgrenzung zu Geschlecht
2.1.1 Begriffliche Trennung zwischen biologischem und psychologischem Geschlecht
2.1.2 Begriffliche Unterscheidungen
2.1.3 Genderforschung in der Psychologie
2.1.4 Die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht
2.2 Biologische Geschlechtsunterschiede
2.2.1 Die Entwicklung des Biologischen Geschlechts
2.3 Geschlechtsunterschiede und evolutionäre Grundlagen
2.3.1 Das unterschiedlich eingesetzte elterliche Investment und die sexuelle Selektion
2.3.2 Soziale Dominanz
2.3.3 Aggressives und antisoziales Verhalten
2.3.4 Partnerwahl
2.3.5 Schönheit und Attraktivität
2.4 Erklärungsmodelle psychologischer Geschlechtsunterschiede
2.4.1 Überblick verschiedener Modelle der Geschlechtsentwicklung
2.4.2 Integrative Modelle zur Erklärung von Geschlechtsunterschieden
2.4.3 Der Einfluss von Sozialisation
2.4.4 Der Erwerb von Geschlechterrollen
2.5 Selbstkategorisierung und Kontextabhängigkeit
2.5.1 Das Selbstbild
2.5.2 Die Selbstwahrnehmungstheorie von Bem
2.5.3 Kategorisierung und der Einfluss von Stereotypen
2.5.4 Geschlechtskategorisierung
2.6 Das Geschlechtsrollenselbstkonzept
2.6.1 Das Messinventar zum Geschlechtsrollenselbstkonzept nach Bem (Version 1974)
2.7 Interaktion und Aktivierung geschlechtsbezogener Selbstkonstrukte
2.7.1 Kontextabhängigkeit
2.7.2 Der Einfluss von sozialer Interaktion auf das Verhalten
2.7.3 Der Einfluss von Situationen
3. Risikobereitschaft und Geschlechtsunterschiede
3.1 Geschlechtsunterschiede in Risikoverhalten und Risikowahrnehmung
3.1.1 Geschlechtsunterschiede in der Risikowahrnehmung
3.2 Finanzielle Risikobereitschaft und Geschlechtsunterschiede
3.2.1 Ursachen der Geschlechtsunterschiede im finanziellen Risikoverhalten
3.2.2 Die Rolle von Geschlechtsstereotypen auf Geschlechtsunterschieden bei finanziellen Risiken
3.2.3 Einfluss von Maskulinität
3.2.4 Der Einfluss von Sozialisation
3.2.5 Status und Machtverhältnisse
4. Überleitung zur Fragestellung
III. Empirischer Teil
5. Fragestellungen und Hypothesen
6. Methode
6.1 Stichprobe
6.2 Material
6.3 Durchführung
7. Ergebnisse
7.1 Datenüberblick
7.1.1 Reliabilität der Skalen
7.1.2 Geschlechtskategorie und Geschlechtsrollenidentität
7.1.3 Messung der Risikobereitschaft
8. Statistische Hypothesenprüfung
8.1 Manipulation Check
8.2 Geschlechtsunterschiede bezüglich der Risikobereitschaft
8.3 Geschlechtsunterschiede bezüglich der Risikobereitschaft unter Einfluss von Maskulinität und Femininität
9. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
10. Diskussion und Kritik
IV. Zusammenfassung
V. Literaturverzeichnis
VI. Abbildungsverzeichnis
VII. Tabellenverzeichnis
VIII. ANHANG
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit soziale Interaktion und die Identifikation mit der eigenen Geschlechtskategorie die finanzielle Risikobereitschaft von Frauen und Männern beeinflussen. Dabei wird insbesondere analysiert, ob Geschlechtsunterschiede in riskanten finanziellen Entscheidungssituationen stabil sind oder durch situative Faktoren wie Gruppenzusammensetzung und individuelle Geschlechtsrollenkonzepte modifiziert werden.
3.1 Geschlechtsunterschiede in Risikoverhalten und Risikowahrnehmung
Frauen und Männer unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Einstellung zu verschiedenen Arten von Risiko. Ein Grund für diese unterschiedlichen Verhaltensmuster liegt laut Daly und Wilson (2001) in den Strategien, die Männer und Frauen im Laufe der Evolution in Bezug auf Paarung und Reproduktion entwickelt haben. So konnte in vielen empirischen Studien nachgewiesen werden, dass Frauen risikoscheuer als Männer sind. Die beobachteten Unterschiede werden, je nach theoretischer Ausrichtung, anhand biologischer oder mittels sozialer Begründungen erklärt (Anselmi & Law, 1998). Theorien, die biologische Begründungen betonen, sehen Hormone und Gene als zugrunde liegende Basis der Unterschiede. Soziale und biologische Theorien streichen im Gegenzug die geschlechtsspezifische Sozialisation heraus. Ursachen für individuelle Unterschiede in der Risikobereitschaft können aber auch in Lern- und Sozialisationsbedingungen angenommen werden.
Grundsätzlich werden Frauen als risikoaverser, als Männer angesehen (z.B. Eckel & Grossman, 2002). Frauen zeigen weniger riskantes oder aggressives Verhalten und halten sich in vielen Lebensaspekten bei ihren Entscheidungen zurück. Diese Unterschiede sind in manchen Gesellschaften stärker ausgeprägt, als in anderen. Kulturübergreifende Untersuchungen legen die Annahme nahe, dass die Geschlechtsunterschiede im Risikoverhalten in machen Gesellschaften stärker ausgeprägt sind; dennoch gibt es keine Gesellschaften in denen Frauen generell höheres Risikoverhalten zeigen, als Männer (z.B.: Flynn, Slovic & Mertz, 1994; Jiankoplos & Bernasek, 1998; Levy, Elron & Chen, 1999; Powel & Ansic, 1997; Spigner, Hawkins & Lorens, 1993 in Eckel & Grossman, 2002).
1. Risiko: Definition und Konzepte von Risiko sowie ein Überblick über die Risikoforschung in Psychologie und Wirtschaftswissenschaften, ergänzt um Determinanten finanzieller Risikobereitschaft.
2. Geschlecht: Auseinandersetzung mit den Begriffen Gender und Geschlecht, evolutionären Grundlagen sowie Erklärungsmodellen zu psychologischen Geschlechtsunterschieden und deren Entwicklung.
3. Risikobereitschaft und Geschlechtsunterschiede: Analyse der geschlechtsspezifischen Unterschiede in Risikoverhalten und -wahrnehmung sowie deren Bedeutung für finanzielle Entscheidungen unter Berücksichtigung von Status und Macht.
4. Überleitung zur Fragestellung: Zusammenfassende Einleitung, die auf Basis der theoretischen Grundlagen das Forschungsdesign der empirischen Studie herleitet.
5. Fragestellungen und Hypothesen: Formulierung der wissenschaftlichen Hypothesen zum Einfluss von Selbstkategorisierung, Geschlechtsidentität und sozialer Interaktion auf die finanzielle Risikobereitschaft.
6. Methode: Detaillierte Beschreibung des Studiendesigns, der Stichprobe sowie der eingesetzten Materialien und des methodischen Vorgehens bei der Durchführung des Experiments.
7. Ergebnisse: Darstellung des Datenüberblicks, der Reliabilität der verwendeten Skalen und der statistischen Auswertung der erhobenen Kennzahlen.
8. Statistische Hypothesenprüfung: Testung der aufgestellten Hypothesen mittels Varianzanalysen unter Berücksichtigung von Maskulinität und Femininität als Einflussfaktoren.
9. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse: Zusammenfassung und kritische Würdigung der empirischen Befunde im Kontext der theoretischen Annahmen.
10. Diskussion und Kritik: Abschließende Reflexion über die Validität der Studie, die Generalisierbarkeit der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Risikobereitschaft, Risikoverhalten, Geschlechtsunterschiede, Gender, Finanzielle Entscheidungen, Sozialisation, Maskulinität, Femininität, Soziale Interaktion, Selbstbild, Risikoaversion, Entscheidungsheuristiken, Wirtschaftspsychologie, Identifikation, Spieltheorie.
Die Diplomarbeit untersucht, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede in der finanziellen Risikobereitschaft gibt und welche Rolle soziale Interaktion sowie individuelle Geschlechtsrollenkonzepte bei der Entscheidungsfindung spielen.
Die zentralen Themenfelder sind die psychologische und ökonomische Risikoforschung, biologische und soziale Aspekte von Geschlechtsunterschieden (Gender) sowie deren Einfluss auf das Risikoverhalten in finanziellen Kontexten.
Das primäre Ziel ist es, Vorhersagen zur Stabilität geschlechtsspezifischen Risikoverhaltens in unterschiedlichen sozialen Kontexten zu treffen und zu prüfen, ob maskuline oder feminine Verhaltensweisen durch die Interaktion mit anderen Individuen beeinflusst werden.
Die Autoren führen eine empirische Laboruntersuchung mit 178 Probanden durch, die unter anderem Fragebögen und ein „Gambling-Experiment“ mit reellen Geldgewinnmöglichkeiten kombiniert, um Entscheidungsverhalten zu messen.
Der theoretische Hauptteil beleuchtet Grundlagen der Risikoforschung, Konzepte des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts (z.B. nach Bem) sowie psychologische Erklärungsmodelle für geschlechts- und kontextabhängiges Verhalten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Risikobereitschaft, Gender, finanzielle Entscheidungen, soziale Interaktion, Maskulinität, Femininität und Risikoaversion charakterisieren.
Die Arbeit differenziert zwischen dem biologischen Geschlecht („Sex“) und dem sozialen/psychologischen Geschlecht („Gender“), wobei sie besonders betont, dass Letzteres durch Erziehung, Kultur und situative Interaktionen maßgeblich geformt wird.
Die Social Role Theory wird herangezogen, um zu erklären, dass geschlechtsbezogenes Verhalten nicht nur auf biologischen Grundlagen beruht, sondern stark durch gesellschaftliche Erwartungen und Arbeitsteilung strukturiert ist, was wiederum die Risikobereitschaft in finanziellen Belangen beeinflusst.
Die „Dummy Vpn“ war eine eingeweihte Person, die gezielt in Triaden eingesetzt wurde, um durch physische Attraktivität und geschlechtsspezifisches Verhalten die Salienz der Geschlechtskategorie bei den anderen Probanden zu manipulieren und deren Reaktionen auf den sozialen Kontext zu beobachten.
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