Masterarbeit, 2021
63 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Literatur und Interkulturalität
2.1 Interkulturelle Literaturwissenschaft
2.2 Postkoloniale Germanistik und postkoloniale Studien
2.2.1 Orientalismus
2.2.2 Die Verortung der Kultur
2.2.3 Can the subaltern speak?
3. Die Wahrnehmung des Fremden
3.1 Der, die, das Fremde
3.1.1 Fremderfahrung und Fremdanspruch
3.1.2 Kollektive Fremdheit
3.2 Die Aneignung des Fremden
3.3 Interkulturalität
3.4 Literatur und Migration
3.5 Weltliteratur
4. Trojanow als kosmopolitischer Autor
4.1 Leben und Werk
4.2 Weltbürgertum als Ideologie
5. Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fließen zusammen
5.1 Kampfabsage
5.2 Kampf der Kulturen
6. Der Weltensammler – Ein Konzept kultureller Vielfalt
6.1 Britisch-Indien. Die Geschichten des Schreibers des Dieners des Herren
6.2 Arabien. Der Pilger, die Satrapen und das Siegel des Verhörs
6.3 Ostafrika. In der Erinnerung verschwimmt die Schrift
6.4 Kultureller Grenzgang und Postkolonialismus
7. Nach der Flucht – Perspektiven des Fremden
7.1. Von den Verstörungen
7.2 Von den Errettungen
8. Fazit
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die Entwicklung eines literarischen Konzepts kultureller Vielfalt, um diverse Perspektiven des „Fremden“ nicht nur zu benennen, sondern in ihrer Komplexität wahrzunehmen und literarisch darzustellen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie durch das Werk von Ilija Trojanow – einem kosmopolitischen Autor – ein literarischer Lösungsansatz formuliert werden kann, der kulturelle Gegensätze überwindet, das „Fremde“ als Bereicherung begreift und ein Weltbürgertum jenseits starrer Identitätszuschreibungen postuliert.
6.1 Britisch-Indien. Die Geschichten des Schreibers des Dieners des Herren
Bei der Ankunft des Schiffes in Bombay (Britisch-Indien) werden schnell die Gegensätze deutlich, „grob und grell, wie es sich für einen Rhythmus gehört, der seit Jahrhunderten schlägt: Europa andererseits, Indien einerseits. Es ist eigentlich einfach, für jeden, der hören kann.“ Diese direkte Gegenüberstellung zu Beginn des Kapitels wird bekräftigt durch die neuen, fremden Begebenheiten des Landes, wie der Duft verbrannter Leichen am Strand, von dem die Reisenden begrüßt werden. Bei der Ankunft im britischen Hotel, wird Burton direkt von anderen britischen Kolonialherren geraten „sich von allem Fremden fern“ zu halten. Dieser zeigt sich jedoch belustigt über die Abgrenzung gegenüber dem Fremden „bestimmt denken sie, eine Sprache zu teilen ist wie ein Bett zu teilen.“ Dem entgegen beginnt Burton mit ersten Erkundungen in Bombay, wo er auch auf seinen zukünftigen, einheimischen Diener Naukaram trifft, Burton möchte den Verlockungen der Stadt nachgehen und bittet ihn ihm die Vergnügungsorte der Einheimischen zu zeigen, um zu prüfen, ob er als Diener geeignet ist. Bereits nach den ersten Tagen wird Burtons Charakteristik der schnellen Anpassung deutlich, wie Naukaram seinem Schreiber berichtet, „überall wo er hinging, war er bald mit dem Ort besser vertraut als jene, die ein Leben lang dort verbracht hatten.“
Das Kapitel besteht aus Perspektivenwechsel und Gesprächen zwischen Burton-Naukaram und Naukaram-Schreiber in einer nicht-chronologischen Form. Naukaram beauftragt diesen ein Schreiben seiner Referenzen zu verfassen, da er nach seinen Diensten für Burton wieder einem Engländer dienen soll, dabei gibt es immer mal wieder Einschübe auf Hindustani. Hier wird also nicht nur das Mittel des Perspektivenwechsels genutzt, sondern auch die Einflüsse der Sprachen finden ihren Weg in den Roman. Der Schreiber nutzt in einem Verhör die Beschreibungen Naukarams zu seiner Dienerschaft nicht nur für ein Referenzschreiben, sondern für seine eigene Geschichte und verfälscht die Geschichten hin zur Wahrheit.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, das literarische Konzept kultureller Vielfalt bei Ilija Trojanow zu untersuchen und den theoretischen Rahmen der interkulturellen Literaturwissenschaft abzustecken.
2. Literatur und Interkulturalität: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der interkulturellen Literaturwissenschaft und der postkolonialen Studien, um zentrale Begriffe wie Orientalismus und die Verortung von Kultur zu definieren.
3. Die Wahrnehmung des Fremden: Hier wird die Phänomenologie des Fremden analysiert, wobei Konzepte wie Identifizierung, kollektive Fremdheit, soziale Assimilation und die Dynamik zwischen Eigen- und Fremdwelt theoretisch untersucht werden.
4. Trojanow als kosmopolitischer Autor: Dieses Kapitel zeichnet das Autorenbild Ilija Trojanows nach, beleuchtet seinen Werdegang als globaler Nomade und führt in seine Ideologie des Weltbürgertums ein.
5. Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fließen zusammen: Dieses Kapitel analysiert das Manifest von Trojanow und Hoskoté als Gegenentwurf zum „Clash of Civilizations“, indem es Kultur als dynamischen, sich vermischenden Prozess darstellt.
6. Der Weltensammler – Ein Konzept kultureller Vielfalt: Hier wird der Roman „Der Weltensammler“ als literarische Umsetzung von Trojanows Thesen analysiert, wobei die Reisen von Richard Burton als Beispiel für kulturelle Annäherung und Mimikry dienen.
7. Nach der Flucht – Perspektiven des Fremden: Dieses Kapitel untersucht Trojanows poetische Auseinandersetzung mit Fluchterfahrungen, indem es die spiegelbildliche Struktur des Buches und die Vision eines Lebens jenseits starrer Identitätszuschreibungen beleuchtet.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen, untermauert die Bedeutung von Trojanows Werk für die Gegenwartsliteratur und betont die Relevanz von Empathie und Verständnis in einer globalisierten Welt.
Ilija Trojanow, Interkulturalität, Weltbürgertum, Postkolonialismus, Fremdheitswahrnehmung, Identität, Kulturkonflikt, Der Weltensammler, Nach der Flucht, Migration, Hybridität, Multiperspektivität, Weltliteratur, Postmoderne, Globalisierung.
Die Arbeit untersucht das literarische Konzept kultureller Vielfalt und Weltbürgertum im Werk des Autors Ilija Trojanow, wobei sie insbesondere die Wahrnehmung und literarische Verarbeitung des „Fremden“ analysiert.
Zu den zentralen Themen gehören die interkulturelle Literaturwissenschaft, postkoloniale Theorien, die Dynamik von Migration und Identität sowie die Überwindung von kulturellen Abgrenzungen durch Empathie und Verständnis.
Ziel ist es, ein literarisches Konzept zu eröffnen, das kulturelle Vielfalt als Prozess des Zusammenfließens statt als Konflikt darstellt und aufzeigt, wie Trojanows Literatur dieses Verständnis in der Gegenwartsliteratur verankert.
Die Arbeit nutzt einen kulturwissenschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Ansatz, der Theorien der interkulturellen Literaturwissenschaft und postkolonialer Studien mit einer textnahen Werkanalyse kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Wahrnehmung des Fremden, Interkulturalität) und die praktische Analyse dreier zentraler Werke Trojanows, darunter sein Manifest „Kampfabsage“, der Roman „Der Weltensammler“ und das Werk „Nach der Flucht“.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interkulturalität, Postkolonialismus, Weltbürgertum, Hybridität, Migration und Fremdheitswahrnehmung charakterisiert.
Der Roman dient als konkretes Fallbeispiel für Trojanows Thesen, da er durch die Figur Richard Burton und die multiperspektivische Erzählweise die Möglichkeiten und Grenzen kultureller Aneignung (Mimikry) sowie die Faszination für das Fremde eindrucksvoll veranschaulicht.
Die Autorin hebt hervor, dass Trojanow Fluchterfahrungen nicht als bloßes soziales Problem, sondern als essenzielle, identitätsbildende Erfahrung deutet, die den Betroffenen zu einem „kosmopolitischen Individuum“ formen kann, wenn dieser sich von einengenden Fremdzuschreibungen löst.
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