Bachelorarbeit, 2021
123 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Kontext
2.1. Der systemische Ansatz
2.2. Biografiearbeit
2.3. Lebensweltorientierung
2.4. Lebensbewältigung
3. Das System: Hilfen zur Erziehung
3.1. Das Herausfallen aus dem System
3.2. Der Versuch einer Definition: Systemsprenger:in
4. Hilfesysteme für Familien
4.1. Jugendamt
4.2. Ambulante und (teil-)stationäre Hilfen zur Erziehung
4.2.1. Heimerziehung
4.2.2. Geschlossene Unterbringung
4.2.3. Vollzeitpflege
4.2.4. Eingliederungshilfe
4.2.5. Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung
4.3. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
4.4. (Scheiternde) Kooperationen
5. Mögliche Entstehungsfaktoren von Systemsprenger:innen
5.1. Vulnerabilitäts-Stress-Modell
5.2. Psychosoziale Risikofaktoren
5.2.1. Ständige Wechsel und Abbrüche von Hilfsmaßnahmen
5.2.2. Kinder psychisch kranker Eltern
5.2.3. Kindeswohlgefährdung
5.2.4. Alleinerziehende Eltern
5.2.5. Kinderarmut
5.3. Psychische Störungen
5.3.1. (Frühkindliches) Trauma
5.3.2. Bindungsstörung (mit Enthemmung)
5.3.3. ADHS
5.3.4. Störung des Sozialverhaltens
5.4. Statistische Zusammenhänge
6. Forschungsdesign
6.1. Erhebungsinstrument: Soziologische Film- und Fernsehanalyse
6.2. Auswertungsinstrument: Grounded Theory
7. Inhaltliche Analyse des Spielfilms „Systemsprenger“
7.1. Inhaltsangabe des Spielfilms „Systemsprenger“
7.2. Datenauswertung
7.2.1. Schnelle Wechsel und Abbrüche zwischen Einrichtungen oder Maßnahmen
7.2.2. Dissoziales Verhalten
7.2.3. Bindungsverhalten
7.2.4. Wiedererleben des Traumas
7.2.5. Familiäre Umstände
7.3. Diskussion
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die multifaktoriellen Entstehungsbedingungen von sogenannten "Systemsprenger:innen" am Beispiel des Spielfilms "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt. Das primäre Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für das dissoziale Verhalten dieser Kinder und Jugendlichen im Kontext des Hilfesystems zur Erziehung zu entwickeln.
2.1. Der systemische Ansatz
Der systemische Ansatz lässt sich aus dem Begriff des „Systems“ ableiten. Er bezieht sich auf die Systemtheorie, die inzwischen in wissenschaftlichen Diskursen vermehrt thematisiert wird. In der Pädagogik können unterschiedlichste Gegenstände als System benannt werden. Darunterfallen: Gesellschaften, Peergroups, Familien, Institutionen wie Schule/ Universität, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) und Individuen wie Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen. Aufgrund der flexiblen Verwendung des Systembegriffs ergeben sich Möglichkeiten den gleichen Fall anhand unterschiedlichster Systeme zu strukturieren und analysieren (vgl. Mosell 2016, S. 15). Beispielsweise kann das Kind oder der/die Jugendliche selbst als System fungieren und gleichzeitig Teil des Systems Familie sein. Wobei das System Familie hier als übergeordnetes System funktioniert. Die Eltern und/ oder Geschwister sind ebenfalls als eigenständiges System zu betrachten, die mit dem System des Kindes oder des Jugendlichen gekoppelt sind (vgl. ebd.).
Mosell unterscheidet im systemischen Ansatz zwischen trivialen und nicht-trivialen Systemen (vgl. ebd.). Erstere sind einfach strukturiert und leicht steuerbar, die zweiten sind komplexer und eigendynamisch beschaffen. Menschen zählen zu den komplexen Systemen, denn ihr Verhalten kann nicht durch Kausalitäten (Ursache- Wirkungszusammenhänge) erklärt werden:
„Die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen, und die grundsätzliche Komplexität innerer Verarbeitungsstrukturen führen zu nicht vorhersagbaren Reaktionen und Entwicklungen […] Menschen sind noch komplexer und unberechenbarer in ihren Reaktionen und in ihrer inneren Verarbeitung, beim Lernen. Die reale Nicht-Steuerbarkeit junger Menschen ist Alltag der Pädagogik, bei den Auftraggebern aber noch nicht angekommen. Und so orientiert sich die vorgeordnete Verwaltung oft an einer Steuerbarkeits- und Kontrollillusion, welche die Pädagogen, die sich am einzelnen Kind orientieren, in Dilemmata stürzen kann“ (ebd., S.15 f.).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Systemsprenger:innen, Klärung des Begriffs und Vorstellung des Analyseschwerpunkts (Film "Systemsprenger").
2. Theoretischer Kontext: Erläuterung wissenschaftlicher Grundlagen wie Systemtheorie, Biografiearbeit, Lebensweltorientierung und Lebensbewältigung zur Einordnung des Phänomens.
3. Das System: Hilfen zur Erziehung: Darstellung der gesetzlichen Grundlagen der HzE und Definition der Gruppe der "Systemsprenger" als Ausdruck der Brüchigkeit der Helfersysteme.
4. Hilfesysteme für Familien: Übersicht über Institutionen und Maßnahmen, von Jugendamt bis Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie deren Kooperationsschwierigkeiten.
5. Mögliche Entstehungsfaktoren von Systemsprenger:innen: Analyse von Risikofaktoren wie psychosoziale Belastungen, traumatische Erfahrungen und psychische Störungen.
6. Forschungsdesign: Erläuterung der soziologischen Film- und Fernsehanalyse und der Anwendung der Grounded Theory zur Datenauswertung.
7. Inhaltliche Analyse des Spielfilms „Systemsprenger“: Konkrete Analyse der Schlüsselszenen des Films anhand der erarbeiteten Kategorien und Diskussion der Ergebnisse.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Synthese der Ergebnisse.
Systemsprenger, Hilfen zur Erziehung, Jugendhilfe, Kindheitstrauma, Bindungsstörung, ADHS, Soziale Arbeit, Lebensweltorientierung, Familiäre Problemlagen, Kindeswohlgefährdung, Biografiearbeit, Dissoziales Verhalten, Vulnerabilität, Störung des Sozialverhaltens, Film- und Fernsehanalyse
Die Bachelorarbeit untersucht die sogenannten "Systemsprenger:innen" im deutschen Hilfesystem, definiert diese als Kinder und Jugendliche, die durch komplexe Hilfeverläufe fallen, und analysiert deren Entstehungsbedingungen beispielhaft anhand des Spielfilms "Systemsprenger".
Die Arbeit behandelt die Schnittstelle zwischen Jugendhilfe, Psychiatrie und familiären Problemlagen, wobei der Fokus auf Risikofaktoren wie Traumata, Bindungsstörungen und dem Scheitern professioneller Unterstützung liegt.
Ziel ist es, die multifaktoriellen Bedingungen zu erfassen, die dazu führen, dass junge Menschen zu sogenannten "Systemsprenger:innen" werden, und dies durch eine interpretative Analyse eines Spielfilms zu veranschaulichen.
Die Autorin verwendet eine soziologische Film- und Fernsehanalyse in Verbindung mit der Grounded Theory, um inhaltliche Kategorien aus dem Filmmaterial abzuleiten und diese theoretisch zu fundieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (systemischer Ansatz, Lebensweltorientierung), eine Darstellung der Hilfssysteme (Jugendamt, Heimerziehung, Psychiatrie) sowie eine differenzierte Analyse möglicher Entstehungsfaktoren wie Trauma und psychische Störungen.
Zentrale Begriffe sind neben "Systemsprenger" auch Vulnerabilität, Bindungsstörung, Hilfen zur Erziehung (HzE), psychosoziale Risikofaktoren und die sozialpädagogische Diagnose.
Basierend auf Menno Baumann lehnt die Arbeit eine pathologisierende Definition ab und beschreibt "Systemsprenger" stattdessen als Folge einer systemischen Dynamik, in der ein junger Mensch mit einer belastenden Biografie auf ein "brüchiges" Hilfesystem trifft.
Der Film dient als "Fallbeispiel", um die im theoretischen Teil identifizierten Risikofaktoren (z.B. frühes Trauma, Ambivalenz der Mutter, ständige Wechsel der Betreuung) in einer narrativen Struktur zu verdeutlichen und mit wissenschaftlichen Konzepten zu verknüpfen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

