Doktorarbeit / Dissertation, 2008
208 Seiten, Note: Magna Cum Laude
Teil I: Einführung
1. Motivation und Zielsetzung
1.1 Bedeutung der Anforderungen
1.2 Herausforderungen für die Dokumentation von Anforderungen
1.3 Zielsetzung und Nutzen der Arbeit
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen
2.1 Requirements Engineering
2.2 Modellbasierung
2.3 Formalisierung
2.4 Eingebettete Systeme im Automotive Bereich
2.4.1 Eingebettete Systeme
2.4.2 Automotive-Spezifika
3. Wissenschaftliche Vorgehensweise und Fallstudie
3.1 Vorarbeiten
3.2 Wissenschaftliche Vorgehensweise und Validierungsansatz
3.3 Fallstudien
3.3.1 Abstandsgeregelter Tempomat (ACC)
3.3.2 Türsteuergerät (TSG)
Teil II: Formalisierungskonzept
4. Auswahl der zu formalisierenden Anforderungen
4.1 Notwendigkeit einer formalisierungsspezifischen Klassifizierung
4.2 Kriterien für eine formalisierungsspezifische Klassifizierung
4.2.1 Durchgängigkeit zur Klassifikation im Design
4.2.2 Durchgängigkeit zur Klassifikation der Elicitation
4.2.3 Spezifische Eignung für die Formalisierung
4.3 Definition der formalisierungsspezifischen Klassifizierung
4.3.1 Prozessanforderung
4.3.2 Geschäftsanforderung
4.3.3 Nutzeranforderung
4.3.4 Systemanforderung
4.4 Konsequenzen dieser Klassifikation
4.4.1 Verzahnung von Anforderungsmanagement und Design
4.4.2 Atomarisierung von Anforderungen
4.4.3 Seiteneffekte einer Klassifikation
4.5 Auswahl der Klasse der funktionalen Nutzeranforderungen
5. Formale Definition des zugrundeliegenden Modells
5.1 Bedeutung des Modells für die Formalisierung
5.2 Informelle Beschreibung des Modells
5.2.1 Unterscheidung in Nutzer- und Systemsicht
5.2.2 Die Nutzersicht
5.2.2.1 Ereignisse, Aktivitäten, Zustände
5.2.2.2 Parameter und Variablen
5.2.2.3 Reaktionsverhalten, Situationsverhalten und Invarianten
5.2.3 Systemsicht und Übergang zum Designmodell
5.3 Formale Definition des Modells
5.3.1 Zeit
5.3.2 Variablen
5.3.3 Zustände
5.3.4 Zustandsraum
5.3.5 Ereignisse
5.3.6 Zustandsübergänge
5.3.7 Aktivitäten und ihre Parameter
5.4 Aussagen auf dem formalen Modell
5.4.1 Reaktionsverhalten
5.4.2 Situationsverhalten
5.4.3 Invarianten
5.5 Zusammenfassung des formalen Modells
6. Definition einer geeigneten Darstellungsform
6.1 Qualitätskriterien für die Darstellung von Anforderungen
6.2 Dimensionen der verwendeten Darstellungsform
6.3 Darstellung der Anforderungsbestandteile
6.3.1 Darstellung von Ereignissen und Zuständen
6.3.1.1 Verwaltung/Strukturierung von Ereignissen und Zuständen
6.3.1.2 Formatierung und Formulierung von Ereignissen und Zuständen
6.3.2 Darstellung von Aktivitäten und ihren Parametern
6.3.2.1 Verwaltung/Strukturierung von Aktivitäten und Parametern
6.3.2.2 Formulierung und Formatierung von Aktivitäten und Parametern
6.3.3 Darstellung von Variablen
6.4 Darstellung der Anforderungen
6.4.1 Schlüsselworte
6.4.2 Darstellung von Reaktionsverhalten
6.4.3 Darstellung von Situationsverhalten
6.4.4 Darstellung von Invarianten
6.5 Strukturierung von Anforderungen
6.5.1 Darstellung einzelner Dienste
6.5.2 Darstellung der Diensthierarchie
6.6 Mächtigkeit der Sprache
6.7 Zusammenfassung
Teil III: Formalisierungsmethodik
7. Klassifikation
7.1 Kurzbeschreibung
7.2 Datenelemente
7.2.1 Informelle Anforderung
7.2.2 Klassifizierte Anforderung
7.2.3 Prozessanforderung
7.2.4 Geschäftsanforderung
7.2.5 Nutzeranforderung
7.2.6 Systemanforderung
7.3 Aktivitäten
7.3.1 Anforderungen aus der Elicitation übernehmen
7.3.2 Anforderung klassifizieren
7.3.3 Anforderung atomarisieren
7.3.4 Anforderung filtern
7.3.5 Formalisierungsziel festlegen
7.4 Demonstration und Diskussion anhand der Fallstudie
7.5 Zusammenfassung
7.6 Steckbrief „Klassifikation“
8. Formulierung
8.1 Kurzbeschreibung
8.2 Datenelemente
8.2.1 Logische Aktion
8.2.1.1 Ereignis
8.2.1.2 Zustand
8.2.1.3 Zustandsraum
8.2.1.4 Aktivität
8.2.1.5 Variable
8.2.1.6 Parameter
8.2.2 Katalog logischer Aktionen
8.2.3 Anforderungsmuster
8.2.3.1 Systemreaktion
8.2.3.2 Systemveränderung
8.2.3.3 Ereignisabhängiges Verbot
8.2.3.4 Situationsverhalten
8.2.3.5 Situationseinschränkung
8.2.3.6 Ereignisunabhängiges Verbot
8.2.3.7 Invariante
8.3 Aktivitäten
8.3.1 Extraktion der logischen Aktionen
8.3.2 Anwendung der Anforderungsmuster
8.4 Demonstration und Diskussion anhand der Fallstudie
8.4.1 Ausgangssituation
8.4.2 Demonstration des gesamten Ablaufs im Überblick
8.4.3 Extraktion von logischen Aktionen im Detail
8.4.4 Anwendung der Anforderungsmuster im Detail
8.5 Zusammenfassung
8.6 Steckbrief „Formulierung“
9. Strukturierung
9.1 Kurzbeschreibung
9.2 Datenelemente
9.2.1 Dienst
9.2.2 Diensttabelle
9.2.3 Lastenheft
9.3 Aktivitäten
9.3.1 Diensttabelle erstellen
9.3.2 Anforderungen den Diensten zuordnen
9.3.3 Dienste analysieren
9.3.4 Lastenheft generieren
9.4 Demonstration und Diskussion anhand der Fallstudie
9.5 Zusammenfassung
9.6 Steckbrief „Strukturierung“
10. Übergabe ans Design
10.1 Referenzmodell für das modellbasierte Design
10.2 Datenelemente
10.2.1 Design.Aktion
10.2.2 Design.Dienst
10.2.3 Design.Invariante
10.3 Übersetzung der Anforderungs- in Designelemente
10.3.1 Übersetzen von logischen Aktionen
10.3.2 Übersetzen von Verhaltensanforderungen
10.3.3 Übersetzen von Invarianten
10.4 Rückkopplung vom Design ins Anforderungsmanagement
10.5 Aktivitäten
10.5.1 Logische Aktionen und Invarianten ans Design übergeben
10.5.2 Anforderung ans Design übergeben
10.6 Zusammenfassung
10.7 Steckbrief „Übergabe ans Design“
Teil IV: Einbettung in den Entwicklungsprozess
11. Datenmodell
11.1 Datenmodell der Formalisierung
11.2 Einordnung in das Referenz-Datenmodell
12. Aktivitätenmodell
12.1 Aktivitätenmodell der Formalisierung
12.2 Einordnung in das Referenz-Aktivitätenmodell
12.3 Verzahnung von Anforderungserarbeitung und -dokumentation
13. Reifegradmodell
13.1 Referenzmodelle für die Reife einer Anforderung
13.2 Einordnung der Formalisierung in ein Reifegradmodell
13.2.1 Specification
13.2.2 Agreement
13.2.3 Representation
Teil V: Bewertung und Ausblick
14. Diskussion ähnlicher Arbeiten
14.1 Das Sophist Regelwerk
14.2 ATTEMPTO CONTROLLED ENGLISH
14.3 Sicherheitsfachsprache der Uni Cottbus
14.4 Modellbasierte Erfassung von Anforderungen mit UML
14.5 Formalisierungsansatz nach AUTORAID
14.6 Anforderungserfassung in OCTOPUS/UML
14.7 Die Spezifikationssprache SALT
15. Zusammenfassung
16. Ausblick
16.1 Formalisierung von Zeiteigenschaften
16.2 Formalisierung von Systemanforderungen
16.3 Vorverlagerung der Modellbasierung
16.4 Werkzeugunterstützung
16.5 Verknüpfung zu einer umfassenden Methodik
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, Anforderungen für eingebettete Systeme im Automotive-Bereich präzise, strukturiert und verständlich zu dokumentieren. Ziel ist die Entwicklung einer fundierten, modellbasierten Formalisierungsmethodik, die den Interessenskonflikt zwischen informeller Flexibilität und notwendiger formaler Strenge auflöst, um einen nahtlosen Übergang vom Anforderungsmanagement zum Design zu ermöglichen.
4. Auswahl der zu formalisierenden Anforderungen
Um angesichts der großen Heterogenität der Anforderungen Formalisierungsmethoden definieren zu können, die konkret genug sind, um tatsächlich anwendbar zu sein, beschränkt sich diese Arbeit auf eine prominente Teilmenge von Anforderungen, die Klasse der funktionalen Nutzeranforderungen. Grundlage für diese Auswahl ist eine formalisierungsspezifische Klassifikation aller Anforderungen; die unter einer Vielzahl möglicher Klassifikationen gewählte inhaltlich orientierte Klassifikation in Prozess-, Geschäfts-, Nutzer- und Systemanforderungen ist für die Formalisierung gut geeignet, weil die Inhalte über alle Formalisierungsschritte hinweg grundsätzlich unverändert bleiben, und weil so auf den Klassifikationen in Elicitation und Design, die üblicherweise ähnlich inhaltsorientiert sind, aufgebaut werden kann.
1. Motivation und Zielsetzung: Einführung in die Problematik widersprüchlicher Anforderungen an die Dokumentation von eingebetteten Systemen und Vorstellung des Ziels, ein modellbasiertes Formalisierungskonzept zu entwickeln.
2. Grundlagen: Erläuterung der Kernbegriffe Requirements Engineering, Modellbasierung und Formalisierung im Kontext von eingebetteten Systemen.
3. Wissenschaftliche Vorgehensweise und Fallstudie: Darlegung der methodischen Vorgehensweise anhand von Vorarbeiten und der Verwendung zweier repräsentativer Fallstudien (ACC, Türsteuergerät).
4. Auswahl der zu formalisierenden Anforderungen: Begründung der Fokussierung auf funktionale Nutzeranforderungen und Definition der formalisierungsspezifischen Klassifikation.
5. Formale Definition des zugrundeliegenden Modells: Detaillierte mathematische Spezifikation des zugrunde liegenden Denkmodells (Ereignisse, Zustände, Aktivitäten, Variablen, Zeit).
6. Definition einer geeigneten Darstellungsform: Entwurf einer semiformalen, textuellen Darstellungsform für Anforderungsbestandteile und Anforderungsmuster.
7. Klassifikation: Einführung des ersten Formalisierungsschrittes zur Einteilung von Anforderungen in homogene Klassen.
8. Formulierung: Beschreibung des Schrittes zur Extraktion logischer Aktionen und Anwendung standardisierter Anforderungsmuster.
9. Strukturierung: Erläuterung der Strukturierung von Anforderungen in Dienste (Diensthierarchie) zur Steigerung von Konsistenz und Vollständigkeit.
10. Übergabe ans Design: Definition des Übergangs von formalisierten Anforderungselementen in die Zielsprache des Designs (CAR-DL).
Requirements Engineering, Modellbasierte Formalisierung, Eingebettete Systeme, Automotive-Bereich, Funktionale Nutzeranforderungen, Anforderungsmuster, Logische Aktionen, Diensthierarchie, Anforderungsqualität, Konsistenz, Vollständigkeit, Durchgängigkeit, Lastenheft, Systemmodellierung.
Die Arbeit untersucht, wie Anforderungen für eingebettete Systeme im Automotive-Bereich so dokumentiert werden können, dass sie einerseits für nicht-technische Stakeholder verständlich bleiben und andererseits präzise genug für den direkten Übergang in ein modellbasiertes Design sind.
Im Fokus steht der Interessenskonflikt zwischen der notwendigen freien Notation für kreative Phasen, der strukturierten Darstellung für Konsistenz und Vollständigkeit, sowie der formalen Notation für die präzise technische Implementierung.
Ziel ist es, informell formulierte Anforderungen schrittweise in eine semiformale Form zu überführen, die eine systematische Qualitätssicherung ermöglicht, ohne dabei die Verständlichkeit für beteiligte Stakeholder zu opfern.
Es wurde eine vierstufige Methodik entwickelt, bestehend aus Klassifikation, Formulierung, Strukturierung und Übergabe an das Design. Diese wurde fallstudiengetrieben im Rahmen des Forschungsprojekts Mobilsoft unter Einbeziehung von Industriepartnern evaluiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Definition des zugrundeliegenden Modells, die Gestaltung einer geeigneten Darstellungsform (semiformal) und die praktische Umsetzung der Formalisierungsschritte, ergänzt durch die Einbettung in den gesamten Entwicklungsprozess.
Zu den zentralen Begriffen zählen Requirements Engineering, modellbasierte Formalisierung, funktionale Nutzeranforderungen, Anforderungsmuster, Dienste und Durchgängigkeit.
Aufgrund der großen Heterogenität der Anforderungen konnte keine universelle Formalisierungsmethode definiert werden. Die Klassifikation ermöglicht es, für homogene Anforderungsgruppen (wie die funktionalen Nutzeranforderungen) spezifische und anwendbare Regeln festzulegen.
Dienste fungieren als Container für Anforderungen, die unter bestimmten Preconditions gültig sind. Sie dienen dazu, die gesamte Anforderungsmenge in handhabbare Einheiten zu zerlegen, die systematisch auf Konsistenz und Vollständigkeit hin analysiert werden können.
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