Magisterarbeit, 2008
86 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte des Samizdat
2.1 Autoren
2.2 Produktion
3. Kulturpolitik in der Sowjetunion nach Stalins Tod
3.1. Die „Tauwetterperiode“
3.2. Die Periode gesellschaftlicher Stagnation
4. Lyrik im Samizdat
4.1 Dichter des „Silbernen Zeitalters“
4.2 Die neue Generation
5. Offizielle Lyrik
5.1 „Tichaja lirika“
5.2 „Šestidesjatniki“
6. Prosa im Samizdat
6.1 Das Lagerthema
6.2 Satire
6.3 Postmoderne
7. Sowjetische Prosa
7.1 Kriegsliteratur
7.2 Dorfprosa
7.3 „Sekretarskaja literatura“
7.4 Science Fiction
8. Publizistik im Samizdat
8.1 Prozesse gegen Schriftsteller und Journalisten
8.2 „Chronika tekuščich sobytij“
8.3 Zwangseinweisung in die Psychiatrie - „Karatel´naja psichiatrija“
8.4 Zwangsemigration
8.5 Programme zur Erneuerung der Gesellschaft - A. Sacharov und A. Solženicyn
9. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht das Phänomen "Samizdat" in der Sowjetunion der 60er und 70er Jahre als gesellschaftliche Institution einer parallelen Kultur, die als Reaktion auf die politisch gelenkte Kultur und Zensur entstand, und analysiert deren Entwicklung sowie die Schicksale bedeutender Autoren in den Bereichen Lyrik, Prosa und Publizistik.
3.1. Die „Tauwetterperiode“
Durch den Tod Stalins und insbesondere durch Nikita Chruščevs Verurteilung des „Personenkults“ auf dem XX. Parteitag (1954) entflammte in der Öffentlichkeit eine hitzige Diskussion über die Anliegen der Literatur. Die „Tauwetterperiode“ setzte ein. Publikation des Artikels der Dichterin Olga Bergholz „Против ликвидации лирики“ über die Degradierung des Schriftstellers zum Propagandisten der Partei, ihre Forderung, dem Dichter das Recht anerkennen zu lassen, „seine subjektive Weltsicht“ und „sein Ich“ in sein „Werk einzubringen“, und der Artikel von V. Pomerančev „Об искренности в литературе“, in dem er von den Schriftsteller Aufrichtigkeit fordert und sich gegen die „Lackierung“ der Wirklichkeit ausspricht, lösten heftige Debatten auf dem zweiten Schriftstellerkongress 1954 aus und führten sofort zur Gegenreaktion der Partei. Die ganze Periode des „Tauwetters“ ist sehr widersprüchlich und sprunghaft. Einerseits musste die Parteispitze den Schein der Demokratie gegenüber den westlichen Länder wahren, andererseits konnte sie die Weiterentwicklung des Liberalisierungsprozesses, der letztendlich das ganze System in Frage stellen würde, nicht zulassen. Für viele Schriftsteller bedeutete die Entstalinisierungspolitik der Regierung die Rückkehr aus der Haft (z.B. Naum Koržavin, Sergej Bondarin, Evgenija Ginzburg u.a.), andere wurden nach dem Tod rehabilitiert ( Isaak Babel`, Daniil Charms, Ivan Kataev ), jahrzehntelang verschwiegene Dichter, etwa wie A. Achmatova, M. Bulgakov, S. Esenin wurden wieder publiziert. Teilweise lag die Sprunghaftigkeit der Tauwetterperiode an dem Regierungsstil Chruščevs, dessen Entscheidungen nicht immer konsequent waren.
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen Samizdat als Institution paralleler Kultur und Definition des Forschungsziels.
2. Entstehungsgeschichte des Samizdat: Historischer Rückblick auf die Ursprünge des Samizdat, die technische Produktion und die Rolle der Autoren.
3. Kulturpolitik in der Sowjetunion nach Stalins Tod: Analyse der stalinistischen Zensur und der anschließenden Liberalisierung im "Tauwetter" sowie deren Scheitern in der Stagnationsperiode.
4. Lyrik im Samizdat: Vorstellung von Dichtern des "Silbernen Zeitalters" und der neuen Generation, die den Samizdat als Publikationsort nutzten.
5. Offizielle Lyrik: Untersuchung offizieller Strömungen wie der "Tichaja lirika" und der "Šestidesjatniki" im Kontext der Zensur.
6. Prosa im Samizdat: Analyse bedeutender prosaischer Themen wie der Lagerliteratur, Satire und Ansätzen einer Postmoderne.
7. Sowjetische Prosa: Übersicht über die offizielle Literatur, Kriegsliteratur, Dorfprosa und staatlich geförderte "Sekretarskaja literatura" sowie Science Fiction.
8. Publizistik im Samizdat: Untersuchung der Rolle von Samizdat als Sprachrohr der Opposition, politische Prozesse, Menschenrechtsbewegung und gesellschaftliche Reformprogramme.
9. Zusammenfassung: Resümee über die Bedeutung des Samizdat als Instrument des Widerstands und sein Erbe im digitalen Zeitalter.
Samizdat, Sowjetunion, Dissidenten, Zensur, Literatur, Stalinismus, Tauwetterperiode, Stagnation, Lagerliteratur, Lyrik, Prosa, Publizistik, Menschenrechte, Opposition, Untergrundliteratur.
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des "Samizdat" in der Sowjetunion in den 1960er und 1970er Jahren als eine gesellschaftliche Institution paralleler Kultur abseits der staatlichen Zensur.
Zu den Schwerpunkten gehören die Geschichte und Produktion des Samizdat, die Kulturpolitik der Sowjetunion, die Entwicklung von Lyrik und Prosa unter Zensurdruck sowie die publizistische Arbeit der Dissidentenbewegung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Künstler und Intellektuelle auf die politisch gelenkte Kultur reagierten und wie der Samizdat zu einer Plattform für oppositionelle Stimmen und unabhängige Literatur wurde.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Werken bedeutender Dichter und Prosaautoren, setzt diese in den politischen Kontext der sowjetischen Geschichte und vergleicht sie mit offiziellen kulturellen Rahmenbedingungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen literarischen Gattungen wie Lyrik, Prosa und Publizistik sowie der Analyse der politischen Rahmenbedingungen wie Tauwetter und Stagnation.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Samizdat, Dissidenten, Zensur, sowjetische Literatur, Stalinismus und Menschenrechte charakterisiert.
Pasternak wird als Beispiel für die repressiven Mechanismen der Kulturpolitik während des Tauwetters angeführt, insbesondere durch die Hetzkampagne gegen seinen Roman "Doktor Schiwago".
Die Dorfprosa wird als eine literarische Strömung dargestellt, die sich vom sozialistischen Realismus abwandte, um das russische Dorfleben und moralische Traditionen zu thematisieren.
Durch die Verbreitung von Dokumenten im Samizdat, wie Erofeevs "Kleine Leniniana", wurde der offizielle Heldenmythos um Lenin dekonstruiert, indem erstmals seine direkte Verantwortung für den stalinistischen Terror aufgezeigt wurde.
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