Bachelorarbeit, 2020
100 Seiten
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1 Das Corona-Vokabular: Frames in der COVID-19-Pandemie
1.1 Problemstellung: Ausgangssperre oder Ausgangsbeschränkung?
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Frames und Framing in der Forschung
2.1 Ursprünge eines disziplinübergreifenden Frame-Konzepts
2.2 Frames im Spannungsfeld des linguistischen und kommunikationswissenschaftlichen Ansatzes
2.3 Frames in kommunikativen Texten: Medien-Frames
2.4 Forschungsstand: Die Rolle von Frames in der Legitimation politischer Maßnahmen
3 Empirisches Vorgehen
3.1 Forschungsziele, zentrale Fragestellungen und Annahmen
3.2 Untersuchungsdesign
3.2.1 Untersuchungsgegenstand
3.2.2 Untersuchungszeitraum
3.2.3 Kategorienbildung
3.3 Methode: Suche nach Textmustern
3.3.1 Erstellung eines eigenen Korpus: Das „Corona-Beschluss-Korpus“
3.3.2 Berechnung von Mehrworteinheiten durch quantitative Methoden
3.3.3 Diskursbeschreibung durch qualitative Methoden
4 Ergebnisse
4.1 Erste Beobachtungen
4.2 Ausgangssperre – Ergebnisse
4.2.1 Problemdefinition: Ausgangssperre ist der Feind
4.2.2 Ursachenzuschreibung: Die Unvernunft der Menschen
4.2.3 Handlungsempfehlung: Freiwillige Beschränkung der Menschen
4.2.4 Explizite Bewertung
4.3 Ausgangsbeschränkung – Ergebnisse
4.3.1 Problemdefinition: Ausgangsbeschränkung ist Rettung
4.3.2 Ursachenzuschreibung: Die Ausbreitung des Coronavirus
4.3.3 Handlungsempfehlung: Wohnungen nur aus triftigen Gründen verlassen
4.3.4 Explizite Bewertung
4.4 Zusammenfassung und Diskussion
5 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Einfluss sprachlicher Framing-Effekte auf die Legitimation politischer Eindämmungsmaßnahmen während der COVID-19-Pandemie in Deutschland. Das Hauptziel besteht darin, die in der Medienberichterstattung dominierenden Deutungsrahmen für die Begriffe „Ausgangssperre“ und „Ausgangsbeschränkung“ zu identifizieren und deren Wirkung auf die Wahrnehmung und Akzeptanz dieser Maßnahmen im März 2020 zu analysieren.
1 Das Corona-Vokabular: Frames in der COVID-19-Pandemie
Das Coronavirus Sars-CoV-2, das sich seit Anfang 2020 zu einer weltweiten Pandemie entwickelte, stellt seitdem gesellschaftliche Systeme und Prozesse auf den Prüfstand. Nicht nur hat COVID-19 und die damit einhergehenden Maßnahmen zu seiner Eindämmung einen erheblichen Einfluss auf das alltägliche Leben, den Weg zur Arbeit, in die Schule oder in den Supermarkt oder die Gestaltung der Freizeit; auch die Sprache erfährt durch die Coronakrise eine Veränderung, denn neue Begriffe wie Coronaparty, Lockdown oder Entlehnungen wie Social Distancing ziehen in die Alltagssprache ein oder die Bedeutung bereits bestehender Begriffe verschiebt sich, wodurch sie neu belebt werden, beispielsweise in Kontaktsperre, Mundschutz oder Homeschooling (vgl. DWDS 2020). Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) veranschaulicht dieses im Rahmen der Pandemie entstandene Vokabular: Mit etwa 300 Wörterbucheinträgen (Stand: 03.04.2020) hat das DWDS ein Themenglossar angelegt, das die Veränderungen in der deutschen Sprache durch die COVID-19-Pandemie dokumentiert (vgl. ebd.). Sprache passt sich unserem Alltag an, und mit diesen Veränderungen kann der Zustand der Pandemie mit seinen Auswirkungen auf das gewohnte Leben begriffen und Informationen und Fakten leichter verstanden werden (vgl. Wehling 42019, 20f.).
Gegenstand einer im März 2020 stattgefundenen Debatte um die ersten für Bund und Länder beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, welche die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen betrafen, waren „Ausgangssperre“ und „Ausgangsbeschränkung“ als Maßnahmen. Eine Abfrage im online zugänglichen cOWIDplus-Viewer des Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, das auf Basis von Online-Meldungen etablierter Medienhäuser die Analyse der Gebrauchshäufigkeit eines oder mehrerer Wörter im Vergleich ermöglicht (vgl. Wolfer et al. 2020), zeigt, dass die beiden Begriffe sprachlich zwischen dem 1. Januar und dem 26. November 2020 besonders in Richtung Ende März hoch frequent waren. Doch schien es bis dahin nicht klar zu sein, was nun eine Ausgangssperre und was eine Ausgangsbeschränkung für die Bundesrepublik bedeutet bzw. wie sie konkret von den Bundesländern umgesetzt werden und in welcher Hinsicht sie sich auf unseren Alltag auswirken würde.
1 Das Corona-Vokabular: Frames in der COVID-19-Pandemie: Einführung in die sprachliche Veränderung durch die Pandemie und Darstellung der Debatte um Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen als Ausgangspunkt der Arbeit.
2 Frames und Framing in der Forschung: Theoretischer Überblick über die interdisziplinäre Forschungsgeschichte von Frames, verknüpft mit kommunikationswissenschaftlichen Ansätzen zur medialen Rahmung.
3 Empirisches Vorgehen: Erläuterung der korpuslinguistischen Methodik, der Erstellung des „Corona-Beschluss-Korpus“ sowie der Operationalisierung von Frame-Elementen zur Analyse der Medienbeiträge.
4 Ergebnisse: Detaillierte Interpretation der Sprachgebrauchsmuster, die zur Konstruktion der Frames „Ausgangssperre als Bedrohung“ und „Ausgangsbeschränkung als Schutz“ führen.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion der Relevanz für die Legitimation politischer Maßnahmen sowie Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze.
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Die Arbeit analysiert, wie Medien Begriffe wie „Ausgangssperre“ und „Ausgangsbeschränkung“ während der Corona-Pandemie gerahmt haben und welchen Einfluss diese Rahmungen auf die politische Legitimation der Maßnahmen hatten.
Die zentralen Felder sind die linguistische Frame-Semantik, die kommunikationswissenschaftliche Framing-Theorie, korpuslinguistische Analysemethoden und die mediale Berichterstattung zur deutschen Corona-Politik im März 2020.
Das Ziel ist es, zu ermitteln, welche Frames in der Debatte um Ausgangsrestriktionen vorhanden waren und wie diese die öffentliche Wahrnehmung und die Legitimation politischer Entscheidungen beeinflussen konnten.
Die Autorin nutzt eine korpuslinguistische Diskursanalyse, wobei ein eigens erstelltes „Corona-Beschluss-Korpus“ mit statistischen und qualitativen Methoden ausgewertet wird.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, das empirische Vorgehen bei der Datenauswertung und die detaillierte Interpretation der identifizierten Sprachgebrauchsmuster anhand der vier Frame-Elemente nach Matthes und Kohring.
Wichtige Begriffe sind Framing, Ausgangssperre, Ausgangsbeschränkung, COVID-19, Korpuslinguistik und politische Legitimation.
Die Analyse identifiziert den Frame „AUSGANGSSPERRE ALS BEDROHUNG“, der negative Aspekte wie Freiheitsentzug und staatliche Drohungen in den Vordergrund rückt.
Der Begriff „Ausgangsbeschränkung“ wird primär als „AUSGANGSBESCHRÄNKUNG ALS SCHUTZ“ gerahmt, wobei der Fokus auf dem schützenden Zweck der Maßnahme gegen das Virus und einer positiveren, effizienteren Wahrnehmung liegt.
Markus Söder tritt als zentrale Figur auf, die im Kontext der Ausgangssperre oft als Erzieher oder Vollstrecker wahrgenommen wurde, der mit der Maßnahme droht, während er bei den Ausgangsbeschränkungen stärker als Lobender auftrat.
Sie weist darauf hin, dass die Ergebnisse einseitig durch die starke mediale Präsenz bestimmter Akteure wie Söder beeinflusst sein könnten und schlägt eine Ausweitung auf Social-Media-Kommentare sowie eine stärkere Differenzierung der Textsorten vor.
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