Magisterarbeit, 2008
71 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Hysterie-Diskurse
2.1 Hysteriekonzepte im medizinisch-psychiatrischen Diskurs
2.2 Weiblichkeit um die Jahrhundertwende
2.3 Sigmund Freud
2.3.1 „Studien über Hysterie“ – Der Fall Anna O.
2.3.2 „Bruchstück einer Hysterie-Analyse“ – Der Fall Dora
2.4 Hysteriekonzepte im feministischen Poststrukturalismus
2.4.1 Luce Irigaray
3. Literatur um 1900
3.1 Andere Hysterikerinnen
4. „Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens“
4.1 Erziehung zur Weiblichkeit
4.2 Doppelmoral der Gesellschaft
4.3 Sexualität – gesellschaftliche Norm und individuelles Begehren
4.4 Agathes ‚Wahnsinn’
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht, wie Gabriele Reuters Roman „Aus guter Familie“ (1895) die gesellschaftlichen Hysterie-Diskurse und Weiblichkeitsideale des ausgehenden 19. Jahrhunderts reflektiert und inwiefern die Darstellung der Protagonistin Agathe Heidling dabei subversiv oder affirmativ mit diesen tradierten Konstruktionen umgeht.
2.3 Sigmund Freud
Mit den 1895 veröffentlichten „Studien über Hysterie“ sollte Sigmund Freud, zunächst noch gemeinsam mit seinem Freund, Mentor und Kollegen Josef Breuer, ein völlig neues Hysteriekonzept entwerfen, das den Grundstein für die später entwickelte Psychoanalyse legte. Daran maßgeblich beteiligt war die unter dem Pseudonym Anna O. bekannt gewordene Bertha Pappenheim (1859-1936), die von Dezember 1880 bis Juni 1882 bei Breuer in Behandlung war. Die aus einer jüdischen Familie stammende Patientin, die zu Beginn der Erkrankung 21 Jahre alt war, litt an den verschiedensten hysterischen Symptomen, angefangen von Lähmungen und Sehstörungen, über Husten und Kopfschmerzen, bis hin zu Halluzinationen.
In den Sitzungen, in denen sich die Patientin in einem hypnoiden Zustand befand, erzählte sie Breuer von den Anlässen, bei denen ihre Leiden aufgetreten waren. Breuer fand daraufhin heraus, […] daß die einzelnen Symptome sogleich und ohne Wiederkehr verschwanden, wenn es gelungen war, die Erinnerung an den veranlassenden Vorgang zu voller Helligkeit zu erwecken, damit auch den begleitenden Affekt wachzurufen, und wenn dann der Kranke den Vorgang in möglichst ausführlicher Weise schilderte und dem Affekt Worte gab. (30)
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Geschlechterrollen vom Ein- zum Zwei-Geschlechter-Modell und stellt den Roman von Gabriele Reuter als zentrales Analyseobjekt für den Umgang mit Hysterie-Diskursen vor.
2. Hysterie-Diskurse: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die historische Entwicklung medizinischer Hysteriekonzepte, von der antiken "wandernden Gebärmutter" bis hin zu Freuds psychoanalytischen Fallstudien.
3. Literatur um 1900: Hier wird der literarische Kontext untersucht, in dem das weibliche Geschlecht meist Objekt männlicher Imaginationen blieb, und wie Autorinnen begannen, diese Sichtweisen kritisch zu hinterfragen.
4. „Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens“: Der Hauptteil analysiert Agathe Heidlings Weg durch die bürgerliche Erziehung, der durch Fremdbestimmung und soziale Normen in eine persönliche Katastrophe führt.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Reuter mit Agathes Schicksal die Zerstörungskraft patriarchaler Strukturen offenlegt, auch wenn die Protagonistin selbst an diesen Erwartungen scheitert.
Hysterie, Weiblichkeit, Gabriele Reuter, Patriarchat, Psychoanalyse, Geschlechterkonstruktion, Identität, Wilhelminische Gesellschaft, Agathe Heidling, Körperlichkeit, Subjektivität, Mimesis, Frauengeschichte, Bildungsroman, Sexualität.
Die Arbeit untersucht das Zusammenwirken von Hysterie-Diskursen und gesellschaftlichen Weiblichkeitsidealen am Ende des 19. Jahrhunderts anhand von Gabriele Reuters Roman „Aus guter Familie“.
Im Fokus stehen die medizinische Pathologisierung der Frau, die gesellschaftliche Erziehung zur Passivität und die Möglichkeiten weiblicher Identitätsbildung im wilhelminischen Deutschland.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Reuter die Zerstörung der Identität ihrer Protagonistin als systematisches Ergebnis patriarchaler Normen und gesellschaftlicher Zwänge darstellt.
Die Autorin nutzt diskursanalytische Ansätze, wobei sie literaturwissenschaftliche Interpretationen mit feministischen Theorien (z.B. Luce Irigaray) und frühen psychoanalytischen Schriften kombiniert.
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Analyse der Romanfigur Agathe Heidling, insbesondere ihrer Erziehung, dem Konflikt mit familiären Rollenerwartungen und ihrem letztlichen psychischen Zusammenbruch.
Wichtige Schlagworte sind neben Hysterie und Weiblichkeit vor allem die "Maskerade der Weiblichkeit", das "Andere Geschlecht" und die "gesellschaftliche Doppelmoral".
Da der Roman im Gegensatz zum klassischen Bildungsroman nicht die Entfaltung der Persönlichkeit zeigt, sondern die systematische Deformierung einer jungen Frau, um sie den gesellschaftlichen Erfordernissen anzupassen.
Die Mutter dient als Beispiel für eine gelungene, jedoch destruktive Anpassung an die Rolle der "verborgenen Wurzel", an der Agathe ihre eigene Unfähigkeit zur Kommunikation und Identitätsfindung misst.
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