Masterarbeit, 2021
99 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Forschungsfrage
1.2. Forschungsstand
1.3. Mediale Klärung
2. Wege zum Fotogramm
2.1. Kontaktkopie
2.2. cliché verre
2.3. Luminogramm
2.4. Röntgenbilder
2.5. Manipulationen direkt am Bildträger
2.6. Chemigramm
2.7. Digitales Fotogramm
2.8. Zusammenfassung der Fertigungsvarianten
2.9. Historische Wurzeln und Anwendung
3. Wege zur Abstraktion
3.1. Romantik
3.2. Japonismus
3.3. Der fotografische Diskurs im 19. Jahrhundert
3.4. Futurismus
3.5. Alvin Langdon Coburn
4. Fotogrammatische Positionen
4.1. Das Fotogramm im Dadaismus
4.2. Das Fotogramm im Surrealismus
4.3. Die Abstraktion im Dadaismus und Surrealismus
4.4. László Moholy-Nagy
5. Abschluss
5.1. Resümee
5.2. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Fotogramm und Abstraktion in der Zeit der Klassischen Moderne und analysiert, wie sich das Fotogramm als eigenständiges künstlerisches Medium gegen die dominierende Kamerafotografie behauptete und als Mittel zur Abstraktion eingesetzt wurde.
1.1. Forschungsfrage
Das Fotogramm ist ein sonderbares Verfahren zum Erzeugen von Bildern. Es ist trivial, festzustellen, dass seine Geschichte untrennbar mit der der Fotografie verknüpft ist. Weit aus weniger trivial ist die Frage, ob sie ein Teil der Fotografie selbst ist. Viele der älteren Fotografiehistoriker wie Beaumont Newhall verneinen dies; von anderen Autoren wird es auf eine Vorform reduziert, ohne auf seine zeitgenössische Bedeutung einzugehen. Siegfried Kracauer bezeichnete es als eine besondere Spielart der grafischen Künste, nicht aber als Fotografie im strengen Sinne. Es liege im Niemandsland zwischen Reproduktion und freier Komposition.
In einem von Peter Weibel und Tim Otto Roth organisierten Symposion wird es als „medialer outlaw“ vorgestellt. Floris Neusüss spricht von „Tarnbezeichnungen“, hinter denen sich das Fotogramm seit dem 19. Jahrhundert verberge. Faktum ist, dass es sich immer noch der eindeutigen Klassifikation entzieht. Das Problem, wie das Fotogramm rubriziert werden soll, wird hier nicht zu lösen sein; wir lassen es offen. Seine eigentümliche Phänomenologie und sein Gebrauch in der bildenden Kunst erheben es jedenfalls über den Status einer unbedeutenden technischen Variante und legitimieren es als eigenständiges Medium.
Im 19. Jahrhundert diente es vornehmlich der wissenschaftlichen Dokumentation, obwohl es auch damals bereits fallweise künstlerisch eingesetzt wurde. Mit der vorletzten Jahrhundertwende begann die erste Latenzzeit, es geriet für mehr als 20 Jahre fast in Vergessenheit; nur im Repertoire einiger Amateurfotografen es blieb für skurrile Effekte erhalten. Um 1920 begann sein fulminantes Comeback in neuer Gestalt; es wurde gleich von mehreren Künstlern unabhängig voneinander wiederentdeckt und spielte bis nach dem zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle im Diskurs über das Neue Sehen. Mit dem Tod von László Moholy-Nagy im Jahr 1946 begann die zweite Latenzzeit. Auch hier tritt kein vollkommenes Vergessen ein, aber seine Anwendung geht bis Ende der 1970er fast auf null zurück. Dann ereignet sich die zweite Renaissance.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige mediale Einordnung des Fotogramms und skizziert die historische Latenz und Renaissance des Mediums.
2. Wege zum Fotogramm: Dieses Kapitel definiert das Fotogramm über seine technischen Fertigungsvarianten und grenzt es von der Kamerafotografie ab.
3. Wege zur Abstraktion: Hier werden die künstlerischen und historischen Strömungen, wie Romantik und Japonismus, aufgezeigt, die den Boden für die abstrakte Kunst bereiteten.
4. Fotogrammatische Positionen: Das Hauptkapitel analysiert den Einsatz des Fotogramms innerhalb des Dadaismus und Surrealismus sowie die zentrale Rolle von László Moholy-Nagy.
5. Abschluss: Der Abschluss fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert das Ende der Moderne für das Fotogramm sowie dessen dritte Renaissance im digitalen Zeitalter.
Fotogramm, Abstraktion, Klassische Moderne, Dadaismus, Surrealismus, László Moholy-Nagy, Neue Sachlichkeit, Kamerlose Fotografie, Medium, Lichtbild, Medialität, Man Ray, Kunstform, Automatisierung, Zufall.
Die Arbeit untersucht das Fotogramm als Medium der Abstraktion im Kontext der Klassischen Moderne und fragt nach seiner medialen Eigenständigkeit gegenüber der klassischen Kamerafotografie.
Die zentralen Themen sind die technische Definition des Fotogramms, historische Wurzeln der Abstraktion und die Nutzung des Mediums in den Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts.
Das Ziel ist es, die "wirkmächtigen Linien" herauszuarbeiten, wie das Fotogramm als Agens der Abstraktion in einer Zeit fungierte, die zwischen technischem Fortschritt und künstlerischem Reduktionsbegehren schwankte.
Die Arbeit kombiniert kunsthistorische Quellenanalyse mit rezeptionsästhetischen Überlegungen und technikhistorischer Einordnung.
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung des Fotogramms, die historische Genese der Abstraktion und die spezifischen künstlerischen Positionen von Dadaisten, Surrealisten und László Moholy-Nagy.
Die wichtigsten Begriffe sind Fotogramm, Abstraktion, Dadaismus, Surrealismus, Medialität und das "Neue Sehen".
Es diente den Dadaisten als "dritter Affront" gegen technische Perfektion und individuelle Autorenschaft, indem es Zufall und eine fast "armselige" Methode in den Kunstkontext integrierte.
Durch Konzepte wie den "Notan" und die minimalistische Tuschmalerei lieferte der Japonismus entscheidende Impulse für die Abstraktion, die Künstler wie Kandinsky und Moholy-Nagy tiefgreifend beeinflussten.
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