Examensarbeit, 2008
57 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Multiperspektivischer Geschichtsunterricht - Fachdidaktische Überlegungen
2.1 Der Begriff Multiperspektivität – Definition und Abgrenzung
2.2 Begründungen für einen multiperspektivischen Geschichtsunterricht
2.2.1 Gesellschaftsrelevante und allgemeindidaktische Begründungen
2.2.2 Geschichtsdidaktische Begründungen
2.3 Methodische Verfahren eines multiperspektivischen Geschichtsunterrichts
2.4 Schwierigkeiten und Probleme des multiperspektivischen Geschichtsunterrichts
3 Planung der Unterrichtseinheit
3.1 Bemerkungen zur Lerngruppe
3.2 Sachanalyse zur Unterrichtseinheit
3.3 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
3.4 Methodische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
3.5 Groblernziele der Unterrichtseinheit
4 Darstellung der Unterrichtseinheit
4.1 Erste Stunde: Der 30. Januar 1933 - Tag der Machtergreifung?
4.1.1 Ziele der Stunde
4.1.2 Geplanter Stundenverlauf
4.1.3 Reflexion
4.2 Zweite und Dritte Stunde (Doppelstunde): Das Ermächtigungsgesetz – zustimmen oder ablehnen?
4.2.1 Ziele der Stunde
4.2.2 Geplanter Stundenverlauf
4.2.3 Reflexion
4.3 Vierte Stunde: Jugend im Nationalsozialismus: HJ und BDM - wärst du eingetreten?
4.3.1 Ziele der Stunde
4.3.2 Sachanalyse
4.3.3 Didaktische Analyse
4.3.4 Methodische Analyse
4.3.5 Geplanter Stundenverlauf
4.3.6 Reflexion
4.4 Fünfte Stunde: Widerstand im Dritten Reich: Die Attentäter des 20. Juli 1944 - deutsche Helden?
4.4.1 Ziele der Stunde
4.4.2 Sachanalyse
4.4.3 Didaktische Analyse
4.4.4 Methodische Analyse
4.4.5 Geplanter Stundenverlauf
4.4.6 Reflexion
4.5 Sechste Stunde: Das Dritte Reich - ein Reich der „Ordnung und Sauberkeit“, der „Werte und Gemeinschaft“?
4.5.1 Ziele der Stunde
4.5.2 Geplanter Stundenverlauf
4.5.3 Reflexion
5 Gesamtreflexion der Unterrichtseinheit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, das bei Schülern verbreitete, falsche Verständnis von Geschichte als feststehender Wahrheit aufzubrechen und die Erkenntnis zu fördern, dass historische Quellen stets subjektiv und perspektivisch sind. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie ein multiperspektivischer Geschichtsunterricht zum Thema Nationalsozialismus in einer 9. Realschulklasse methodisch geplant und umgesetzt werden kann, um Empathie, kritisches Denken und Urteilsfähigkeit zu schulen.
1 Einleitung
In aller Regel war und ist der traditionelle Geschichtsunterricht an unseren Schulen monoperspektivisch angelegt. Mit anderen Worten: Der Lehrer erzählt oder das Schulbuch „berichtet“ über ein historisches Ereignis, welches auf einem einzigen „point of view“ basiert, in sich stimmig und geschlossen ist und vor allem keinen Zweifel daran lässt, dass es sich genau so und nicht anders zugetragen hat. Dem Schüler bleibt dabei nur die Aufgabe, dem scheinbar allwissenden Lehrer zuzuhören (und zu glauben) oder sich den Schulbuchtext durchzulesen, Fragen hierzu zu beantworten und sich den historischen Sachverhalt einzuprägen. Vom Schüler gegebene Antworten können in einem solchen Unterricht nur falsch oder richtig sein und sind damit selten verhandelbar. Gelernt wird also trotz handlungs- und problemorientierter Ansätze im Geschichtsunterricht häufig immer noch rezeptiv.
Folglich verwundert es nicht, dass viele Schüler den Geschichtsunterricht mit Attributen wie „langweilig“, „lebensfern“ oder „sinnlos“ versehen. Und es überrascht auch nicht, dass die Schüler oft ein völlig falsches Verständnis von Geschichte haben. Infolge eines auf vorgefertigtem narrativem Wissen basierenden Geschichtsunterrichts, sehen Schüler die Geschichte als eine feststehende historische Wahrheit an, oder wie BERGMANN es formuliert, als „die objektive Spiegelung einer vergangenen Wirklichkeit“.
Die Quellen, die uns aus der Vergangenheit vorliegen, sind jedoch nicht die vergangene Wirklichkeit, sondern perspektivische Zeugnisse ganz unterschiedlicher Art, geschrieben von Menschen, die diese Zeit ganz unterschiedlich erlebt haben. „Die Geschichte als eine mit absolutem Wahrheitsanspruch auftretende Rekonstruktion der Vergangenheit gibt es nicht und kann es nicht geben.“ Geschichte ist, entgegen vieler Schülermeinungen, mehr als die objektive Darstellung von Ereignissen, Daten und Fakten der Vergangenheit.
Mit der Unterrichtseinheit zum Thema Nationalsozialismus mit dem methodischen Schwerpunkt der Multiperspektivität möchte ich dieses falsche Verständnis von Geschichte bei den Schülern aufbrechen und die Erkenntnis ermöglichen, dass es „die Geschichte“ nicht gibt, da Quellen perspektivisch und subjektiv sind und daher kritisch hinterfragt werden müssen.
1 Einleitung: Beschreibt das Problem des traditionellen, monoperspektivischen Geschichtsunterrichts und führt in das Ziel der Arbeit ein, durch Multiperspektivität ein differenzierteres Geschichtsbewusstsein zu schaffen.
2 Multiperspektivischer Geschichtsunterricht - Fachdidaktische Überlegungen: Definiert den Begriff Multiperspektivität, erläutert dessen didaktische und gesellschaftliche Notwendigkeit und diskutiert methodische Ansätze sowie potenzielle Probleme bei der Umsetzung.
3 Planung der Unterrichtseinheit: Analysiert die Lerngruppe, den fachlichen Kontext des Nationalsozialismus sowie die didaktischen und methodischen Überlegungen zur Vorbereitung der Unterrichtsreihe.
4 Darstellung der Unterrichtseinheit: Detaillierte Planung, Durchführung und Reflexion von sechs Unterrichtsstunden zu Aspekten des Nationalsozialismus, von der Machtergreifung bis zum Widerstand.
5 Gesamtreflexion der Unterrichtseinheit: Kritische Evaluierung des Lernerfolgs, der methodischen Umsetzung und der praktischen Herausforderungen des multiperspektivischen Unterrichts.
Multiperspektivität, Geschichtsdidaktik, Nationalsozialismus, Geschichtsbewusstsein, Perspektivenwechsel, Quellenanalyse, Handlungsorientierung, Widerstand, Diktatur, Empathie, historische Urteilsfähigkeit, Didaktik, Quellenarbeit, Lernziele, Diskursfähigkeit
Die Hausarbeit untersucht die Implementierung des fachdidaktischen Prinzips der Multiperspektivität im Geschichtsunterricht, dargestellt anhand einer Unterrichtseinheit zum Thema Nationalsozialismus in einer 9. Realschulklasse.
Zentrale Themen sind die fachdidaktische Begründung des mehrperspektivischen Lernens, die methodische Aufarbeitung von NS-Themen (Machtergreifung, Ermächtigungsgesetz, HJ/BDM, 20. Juli) sowie die Förderung kritischen Denkens.
Das Ziel ist es, bei Schülern das Verständnis aufzubrechen, dass Geschichte eine feststehende Wahrheit ist, und sie stattdessen zu einem kritischen, multiperspektivischen Umgang mit historischen Zeugnissen zu befähigen.
Es wird eine didaktische Konzeption verfolgt, die sich auf fachwissenschaftliche Literatur (u.a. Klaus Bergmann) stützt und durch eine empirische Darstellung der Unterrichtsplanung und -reflexion ergänzt wird.
Im Hauptteil werden methodische Überlegungen dargelegt und eine sechsstündige Unterrichtseinheit detailliert dargestellt, einschließlich Zielsetzungen, Verlaufsplänen und anschließender Reflexionen jeder Stunde.
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Multiperspektivität, Geschichtsdidaktik, Nationalsozialismus, Quellenanalyse und historische Urteilsfähigkeit charakterisieren.
Das Thema bietet aufgrund der hohen Relevanz und der emotionalen Zugänglichkeit für Jugendliche einen idealen Anlass, um das Prinzip der Multiperspektivität zur Differenzierung von Geschichtsbildern anzuwenden.
Dies geschah durch handlungsorientierte Methoden wie Rollenspiele, das Verfassen von Tagebucheinträgen aus Sicht historischer Akteure sowie das Schreiben von fiktiven Reden oder Flugblättern.
Sie dient dazu, Schülern die notwendigen historischen Rahmenbedingungen zu liefern, damit sie die multiperspektivischen Zeugnisse überhaupt in eine historische Konstellation einordnen und fundiert verstehen können.
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