Magisterarbeit, 2007
103 Seiten, Note: 1, 3
1 Einleitung
0.1 Themenstellung
1.1 Aufbau
1.2 Analyse propagandistischer Sprachwirklichkeit
1.3 Raum als Erfahrungsraum
2 Historische Darstellung der Besatzungszeit in Weißrussland
2.1 Strukturpolitik in Weißrussland
2.1.1 Ambitionen der Wehrmacht
2.1.2 Aufbau und Ziele der Zivilverwaltung
2.1.3 Resümee
2.2 Rassistische Abgrenzung und kulturelle Identität
3 Formale Untersuchung der Minsker Zeitung
3.1 Aufbau der Minsker Zeitung
3.2 Zielgruppe und Sendung
3.3 Presselenkung und -freiheit der Frontzeitungen
4 Weltliche Raumordnungen in der Minsker Zeitung
4.1 Raumgestaltung als Ordnungskraft
4.1.1 Das künstlerische Raumtiefenerlebnis
4.2 Weissruthenische Landschaft
4.3 Weissruthenische Urbanität
4.4 Deutsche Heimat als inszeniertes Utopia
4.5 Exkurs: Völkermord als Friedens- und Aufbauwerk
4.6 Resümee
5 Transzendente Raumordnungen in der Minsker Zeitung
5.1 Götterdämmerung und Weltuntergang
5.2 Blut-und-Leben-Wall: der Mensch als Opfer des Raumes
5.3 Nekropolische Heimstätte der stummen Kameraden
5.4 Resümee
6 Zusammenfassung
Diese Arbeit analysiert die raumbezogenen Konstruktionen und Identitätsmuster in der Minsker Zeitung zwischen 1942 und 1944, um zu untersuchen, wie die nationalsozialistische Besatzungspropaganda den physischen und ideologischen Raum im besetzten Weißrussland verarbeitete und rechtfertigte.
1 Einleitung
Am 21.9.43 berichtet die Minsker Zeitung über die erfolgreiche Inspektionsreise des Generalkommissars (GK) Wilhelm Kube. Deutschen Lazarettinsassen erklärt er den „Sinn und Zweck“ der „deutschen Aufbauarbeit“ in Weißruthenien und der „Neugestaltung im Sinne der europäischen Ordnung“. Vor weissruthenischen Amtsträgern bringt Kube dann „sein unerschüttertes und grenzenloses Vertrauen zu dem anständigen Kern des weissruthenischen Volkes zum Ausdruck“. Er wünsche sich ein „vertrauensvolle[s] Zusammenarbeiten mit der deutschen Führung, bis der Sieg gesichert ist und für die tapferen Völker ein neues und glückliches Zeitalter heraufkommt“.
Am darauf folgenden Tag wird Kube durch eine Bombe getötet, die seine weissruthenische Haushälterin unter sein Bett legt. Der zitierte Artikel Wir zwingen den Raum!, der zugleich Namenspatron dieser Arbeit ist, bezeichnet daher die zentrale Hybris zwischen Propaganda und Wirklichkeit in der Minsker Zeitung.
Denn das Jahr 1943 war für die deutsche Kriegführung alles andere als erfolgreich. Die Partisanen in Weißruthenien übernahmen immer mehr Kontrolle, die Ostfront war auf dem Rückzug, Afrika und Süditalien waren von den Alliierten erobert worden. Die kommende Niederlage wird immer offensichtlicher. Kube verkündet allerdings seinen „unerschöpflichen Glauben an die Unbesiegbarkeit der nationalsozialistischen Idee“ und die „Überlegenheit der Gesetze Großdeutschlands über die Maßlosigkeit und Gesetzlosigkeit des Ostens“.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Raumkonstruktion in der Minsker Zeitung sowie der methodischen Herangehensweise anhand von Diskurstheorien und raumtheoretischen Konzepten.
2 Historische Darstellung der Besatzungszeit in Weißrussland: Überblick über die deutsche Besatzungspolitik, die Ambitionen von Wehrmacht und Zivilverwaltung sowie die rassistisch begründete Abgrenzung zur einheimischen Bevölkerung.
3 Formale Untersuchung der Minsker Zeitung: Analyse der Entstehung, des Aufbaus, der Zielgruppen und der propagandistischen Presselenkung im besetzten Weißrussland.
4 Weltliche Raumordnungen in der Minsker Zeitung: Untersuchung der propagandistischen Darstellung von Landschaft, Urbanität und der Konstruktion einer „deutschen Heimat“ als utopischer Gegenentwurf zur Realität.
5 Transzendente Raumordnungen in der Minsker Zeitung: Analyse der mythologischen und apokalyptischen Überhöhung des Krieges sowie der Instrumentalisierung des Todes zur Rechtfertigung der Besatzung.
6 Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Wechselwirkung zwischen propagandistischer Raumgestaltung und der existenziellen Identitätskrise der Besatzer.
Minsker Zeitung, Nationalsozialismus, Besatzungspolitik, Weißruthenien, Raumkonstruktion, Identitätsstiftung, Propagandatheorie, Terror-Management-Theory, Weltanschauung, Kolonialpolitik, Ideologie, Kulturraum, Vernichtungskrieg, Mythologisierung.
Die Arbeit analysiert die propagandistischen Mechanismen und Raumdarstellungen in der Minsker Zeitung während der deutschen Besatzung Weißrusslands (1942-1944).
Die Themen umfassen die NS-Besatzungspolitik, die Konstruktion von Heimat- und Feindbildern, die Rolle der Propaganda und die psychologische Verarbeitung der Kriegssituation durch die Besatzer.
Ziel ist es, die ideologischen Identitätsmuster und raumgestaltenden Deutungsmuster freizulegen, mit denen die Besatzer ihre Anwesenheit und die katastrophale Kriegslage moralisch zu legitimieren versuchten.
Es wird ein diskursanalytischer Ansatz gewählt, der sich an sprachsoziologischen Methoden und raumtheoretischen sowie psychologischen Diskursen orientiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Analyse der Zeitung, die Untersuchung weltlicher Raumordnungen (Landschaft/Stadt) und die Analyse transzendenter, mythologisch aufgeladener Ordnungsmuster.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Raumkonstruktion, nationalsozialistische Ideologie, Propaganda, Besatzung, Partisanenkrieg und Identitätsstiftung geprägt.
Der Mythos dient dazu, die wachsende Kluft zwischen der militärischen Niederlage und dem Propagandabild des „Sieges“ durch eine Flucht in transzendente, heilsgeschichtliche Deutungen zu überbrücken.
Die Zeitung konstruiert ein „ideales Deutschland“ und eine „Aufbaueuphorie“, die in direktem Widerspruch zu den realen Zerstörungen, dem Partisanenkrieg und der massiven Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung standen.
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