Magisterarbeit, 2006
124 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
I. Videoaktivismus und die Tradition des politischen Dokumentarfilms
2. Das Verhältnis zwischen Dokumentarfilm und sozialen Bewegungen
2.1. Die Tradition des sozialen Dokumentarfilms
2.2. Dokumentarfilm als Agitationsmedium
2.2.1. Revolutionärer Film in den zwanziger Jahren: Dziga Vertov und das Kino-Glaz
2.2.2. Militanter Dokumentarfilm in den dreißiger Jahren: The Worker‘s Film and Photo League und Frontier Films
2.2.3. Die 16mm Technik und der dissidente Film in den sechziger Jahren
2.2.3.1. Frankreich: Provokation statt Beobachtung im cinéma vérité
2.2.3.2. Kanada: Der National Film Board. Training von Mohawk- Indianern
2.2.3.3. USA: Der dissidente Film zum Vietnam Krieg
2.2.3.4 Lateinamerika: Kino-Aktion, Kino-Guerrilla und „drittes Kino“
2.3. Technische und ökonomische Aspekte
3. Videoaktivismus
3.1. Die Entdeckung der Videotechnik für die politische Arbeit in den siebziger Jahren
3.2 Die „Camcorder Revolution“
3.3. Das heutige Verständnis von Videoaktivismus
3.4. Typen von Videoaktivismus
3.4.1. Witness-Video: Die Kamera als Schutz vor Menschenrechtsverletzungen
3.4.2. Video als Mittel zur politischen Mobilisierung
3.4.3. Video als Aufklärungsmedium
3.5. Die Bildung einer Gegenöffentlichkeit
II. Die Videoarbeit der Zapatistas
4. Mediennutzung als politische Strategie der Zapatista Bewegung
5. Die Videoarbeit innerhalb der Organisationsstrukturen der Zapatista-Gemeinden
5.1. Organisation und Strukturen
5.2. Vorführung und Vertrieb
5.3. Finanzierung des Projektes
6. Die Videoproduktion der Zapatistas
6.1. Die Kamera als Waffe
6.2. Video als Kommunikationsmedium: Die Vermittlung der eigenen Realität
6.3. Video als Mittel zur politischen Mobilisierung
6.4. Video als kollektives Gedächtnis
6.4.1. Geschichte der Zapatista Bewegung
6.4.2. Erhalt der Traditionen und der indigenen Identität
Die vorliegende Arbeit untersucht den Videoaktivismus als emanzipatorisches Medium sozialer Bewegungen, wobei der Fokus auf der Videoproduktion der zapatistischen Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko) liegt. Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob der Dokumentarfilm in Form von Videoaktivismus als Medium zur tatsächlichen Veränderung sozialer Wirklichkeit und zur Schaffung einer Gegenöffentlichkeit dienen kann.
2.2.1. Revolutionärer Film in den zwanziger Jahren: Dziga Vertov und das Kino-Glaz
Dziga Vertovs filmisches Schaffen findet überwiegend in einem institutionalisierten Kontext statt. Dennoch weist die in Vertovs theoretischem Werk enthaltene Konzeption über den Film sehr viele Aspekte auf, die relevant für eine Diskussion über die politische Kraft des Mediums sind und auf die sich zukünftige Dokumentarfilmemacher und Videoaktivisten fortlaufend bezogen haben. Der wesentliche Aspekt davon ist, dass Vertov und die jungen sowjetischen Filmemacher zum ersten Mal in der Geschichte des Genres den Dokumentarfilm als Agitationsmedium behandeln und ihm eine zentrale Rolle in der Bildung einer neuen revolutionären Gesellschaft zuweisen. Damit der Dokumentarfilm seine soziale Funktion erfüllen kann, sieht Vertovs Theorie des Kino-glaz eine Demokratisierung der Rezeption und des Produktionsprozesses vor.
Die agitatorische Kraft sieht Vertov in der filmischen Sichtbarmachung der gesellschaftlichen Prozesse, die zur aktiven Erziehung der Massen, zur Indoktrinierung und Politisierung führen sollen. Diese Funktion des Films kann seiner Theorie nach nur vom Dokumentarfilm erfüllt werden, da dieser durch das Aufnehmen, Sortieren und Verbreiten von Fakten auf das Bewußtsein der Zuschauer wirkt, ihnen die Augen öffnet und das Sehen aufklart. Spielfilme, dagegen, wirken vor allem auf das Unterbewußtsein des Zuschauers und umgehen auf jegliche Weise sein protestierendes Bewußtsein. Der Spielfilm verhindert die Analyse der revolutionären Gesellschaft und ist daher ein Überrest der vorrevolutionären Welt.
Die gesellschaftliche Aufgabe des sowjetischen Films besteht demzufolge im Dokumentieren der revolutionären Realität als Mittel zur Politisierung. In der ersten Phase seiner Arbeit, während der ersten Jahre der Revolution, ist Vertov zuständig für die Montage der Wochenschau Kino-Nedelia (ab 1918). In dieser Zeit wird der Dokumentarfilm als Mittel zur Steigerung der Aufmerksamkeit entwickelt und eingesetzt. In „Agit-Züge“ und „Agit-Bote“ werden Kameramänner durch das ganze Territorium der Sowjetunion geschickt, mit der Aufgabe, Bilder von der Kriegsfront zurückzubringen; Wochenschau-Material aus dem ganzen Land, das später von Vertov montiert und mit denselben Agit-Zügen und Agit-Boten bis in die entferntesten Gegenden geschickt und vorgeführt wird, damit Bauern und Soldaten fortwährend ein Panorama der Kämpfe im Land zu sehen bekommen.
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert Videoaktivismus als unabhängige Nutzung von Dokumentarfilm durch soziale Bewegungen und stellt die Forschungsfrage nach seinem emanzipatorischen Potenzial.
2. Das Verhältnis zwischen Dokumentarfilm und sozialen Bewegungen: Das Kapitel beleuchtet die Tradition des politischen Dokumentarfilms und unterscheidet zwischen dem sozialen Dokumentarfilm und agitatorischen Ansätzen.
3. Videoaktivismus: Es wird die technologische Entwicklung von den siebziger Jahren bis zur Camcorder Revolution analysiert, die eine Demokratisierung der Medienproduktion ermöglichte.
4. Mediennutzung als politische Strategie der Zapatista Bewegung: Dieser Abschnitt ordnet den zapatistischen Aufstand in den Kontext der globalen Vernetzung und Medienstrategie ein.
5. Die Videoarbeit innerhalb der Organisationsstrukturen der Zapatista-Gemeinden: Das Kapitel beschreibt die praktische Arbeit, Ausbildung und kollektive Struktur der Videoproduktion in den zapatistischen Gebieten.
6. Die Videoproduktion der Zapatistas: Hier werden die spezifischen Funktionen der Videoarbeit – als Waffe, Kommunikationsmittel, Mobilisierungsinstrument und Mittel zum Erhalt des kollektiven Gedächtnisses – detailliert untersucht.
III. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Videoaktivismus ein hohes emanzipatorisches Potenzial besitzt, sofern die Akteure die Produktion und Rezeption selbst bestimmen.
Videoaktivismus, Dokumentarfilm, Zapatistas, EZLN, Medienstrategie, Gegenöffentlichkeit, Politisierung, Camcorder Revolution, soziale Bewegungen, Medienzentren, Agitationsmedium, Partizipation, Empowerment, indigene Identität, politische Mobilisierung.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und die aktuelle Praxis des Videoaktivismus als Medium sozialer Bewegungen, mit besonderem Augenmerk auf die zapatistischen Gemeinden in Chiapas.
Die zentralen Felder sind die Rolle von Dokumentarfilmen in politischen Kämpfen, die technische Demokratisierung durch Videotechnik sowie der Aufbau alternativer Informations- und Distributionskanäle.
Das Ziel ist die Untersuchung, ob und inwieweit Dokumentarfilm durch Videoaktivismus ein Instrument zur sozialen Veränderung und zur Stärkung der Autonomie innerhalb politischer Bewegungen sein kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus theoretischer Aufarbeitung der Filmgeschichte (agitationsorientierter Dokumentarfilm) und einer empirischen Untersuchung, die auf einem sechswöchigen Aufenthalt in Chiapas und Interviews mit zapatistischen Videomachern basiert.
Im Hauptteil werden sowohl die historischen Vorläufer des Videoaktivismus (z.B. Vertov, Worker's Film and Photo League) als auch die zeitgenössische Videoarbeit der Zapatistas detailliert analysiert.
Neben dem zentralen Begriff Videoaktivismus stehen Begriffe wie Gegenöffentlichkeit, Medienkompetenz, zapatistische Autonomie und politische Partizipation im Mittelpunkt.
Die Caracoles fungieren als Zentren der zapatistischen Verwaltung und beherbergen die Medienzentren, die für die Produktion und Verteilung der Filme entscheidend sind.
Da ihre Kultur stark auf mündlicher Überlieferung basiert, dient das Video der Aufbewahrung ihrer politischen Geschichte und dem Erhalt der indigenen Identität für zukünftige Generationen.
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