Masterarbeit, 2021
68 Seiten, Note: 1,8
1 Einleitung
2 Das lange 19. Jahrhundert
3 Katholische Kirche des 19. Jahrhunderts
3.1 Antimodernismus
3.2 Politischer Katholizismus
3.3 Exkurs: Marienerscheinungen in Marpingen 1876/77
4 Marianische Dogmengeschichte
5 Frömmigkeit im 19. Jahrhundert
5.1 Volksfrömmigkeit
5.2 Haltungen im Bürgertum
5.3 Ideal der frommen Frauen
5.3.1 In der Familie
5.3.2 In der Kirche
6 Marienverehrung
6.1 Historische Entwicklung
6.2 Beliebtheit Marias im Volksglauben
6.3 Marienerscheinungen und Wallfahrtswesen
6.4 Das Bild Marias
6.4.1 Jungfrau
6.4.2 Gottesmutter
6.4.3 Rezeption und Darstellung
7 Ausblick: Entwicklungen im 20. Jahrhundert
8 Fazit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Gründe für die im 19. Jahrhundert gesteigerte Marienfrömmigkeit zu untersuchen und dabei das spezifische marianische Bild der Epoche im Kontext soziokultureller, religiöser und politischer Entwicklungen zu analysieren.
3.1 Antimodernismus
Im Katholizismus des 19. Jahrhunderts entstand, als neue Bewegung in Reaktion auf den raschen Fortschritt und die Veränderungen in der Gesellschaft, ein Antimodernismus, der sich gegen die Werte der Moderne und gegen die Ideen der Aufklärung richtete. Nahezu alles Fremde und Neue wurde als etwas Schlechtes, wenn nicht sogar als eine Versuchung des Bösen gesehen. Stattdessen betonte der Antimodernismus die göttliche Offenbarung und die katholische Lehramtstradition. Der Höhepunkt erreichte die Bewegung 1864 durch die von Papst Pius IX. vorgelegte Erklärung Quanta cura, die sich deutlich gegen eine Säkularisierung aussprach. Beigefügt waren die Postulate der Syllabus errorum, die sich gegen jegliche moderne Strömung, von Volkssouveränität, über Glaubensfreiheit bis hin zum Rationalismus richtete, die vom Papst als Irlehren verworfen wurden. So erklärte dieser beispielsweise folgende Aussage als verwerflichen Irrtum: „Der römische Papst kann und muß sich mit dem Fortschritt, mit dem Liberalismus und mit der modernen Kultur aussöhnen und verständigen.“ Damit positionierte sich die römisch-katholische Kirche deutlich antimodernistisch. Im Folgenden soll dargestellt werden, wogegen sich dieser Antimodernismus konkret richtete und welche Folgen er für den Katholizismus in Deutschland mit sich brachte.
Insbesondere in den Naturwissenschaften kam es zu fundamentalen Erkenntnissen, die bisherige Weltmodelle auf den Kopf stellten. Das prominenteste Beispiel ist die Entstehung der Evolutionstheorie von Charles Darwin und die daraus resultierende Verbreitung, in Deutschland durch Ernst Haeckel geleistet, welche die biblische Offenbarung der Schöpfungsgeschichte in Frage stellte. Aber auch Entwicklungen in der theologischen Wissenschaft, wie z. B. die Leben-Jesu-Forschung von David Friedrich Strauß, die Religionskritik Ludwig Feuerbachs oder die historisch-kritischen Bibelforschung, hinterfragten bisher allgemeingültige Glaubenssätze.
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise zur Untersuchung der Marienfrömmigkeit im 19. Jahrhundert.
2 Das lange 19. Jahrhundert: Historischer Überblick über die soziokulturellen und politischen Bedingungen der Epoche, geprägt von Umbrüchen und Säkularisierung.
3 Katholische Kirche des 19. Jahrhunderts: Analyse der kirchlichen Situation zwischen Antimodernismus, politischem Katholizismus und lokalen Frömmigkeitsphänomenen.
3.1 Antimodernismus: Darstellung der kirchlichen Reaktion auf Moderne, Säkularisierung und wissenschaftliche Fortschritte, unter anderem durch den Syllabus errorum.
3.2 Politischer Katholizismus: Untersuchung der Politisierung katholischer Interessen und deren Rolle im Spannungsfeld der Gesellschaft.
3.3 Exkurs: Marienerscheinungen in Marpingen 1876/77: Exemplarische Analyse der Marpinger Erscheinungen als Ausdruck der Verknüpfung von Frömmigkeit und politischem Widerstand.
4 Marianische Dogmengeschichte: Überblick über die dogmatische Entwicklung der Marienlehre, insbesondere im Hinblick auf päpstliche Entscheidungen und das Erste Vatikanische Konzil.
5 Frömmigkeit im 19. Jahrhundert: Erörterung des Begriffswandels von Frömmigkeit und ihrer verschiedenen Formen innerhalb der Gesellschaft.
5.1 Volksfrömmigkeit: Beschreibung der Ausprägung religiöser Praktiken unter Laien, oft als Gegenbewegung zu aufklärerischen Tendenzen.
5.2 Haltungen im Bürgertum: Analyse der religiösen Einflüsse und Identitätsbildungen innerhalb der bürgerlichen Schichten.
5.3 Ideal der frommen Frauen: Untersuchung der geschlechtsspezifischen Zuschreibungen und der Rolle der Frau im Kontext kirchlicher Ideale.
5.3.1 In der Familie: Fokus auf das mütterliche Rollenbild und die Einbettung der religiösen Erziehung in die häusliche Sphäre.
5.3.2 In der Kirche: Betrachtung des gestiegenen Engagements von Frauen in kirchlichen Verbänden und der damit verbundenen Feminisierung der Frömmigkeit.
6 Marienverehrung: Hauptteil der Arbeit zur historischen und inhaltlichen Bedeutung der Verehrung Marias als Symbolfigur der Epoche.
6.1 Historische Entwicklung: Kurzer Abriss über die Wurzeln der Marienverehrung von der Antike bis zum 19. Jahrhundert.
6.2 Beliebtheit Marias im Volksglauben: Untersuchung, warum Maria als Mittlerin und Ankerpunkt für Gläubige so große Resonanz erfuhr.
6.3 Marienerscheinungen und Wallfahrtswesen: Zusammenfassende Betrachtung der europaweiten Erscheinungswellen und ihrer sozialen und religiösen Dynamik.
6.4 Das Bild Marias: Analyse der theologischen und populären Vorstellungen von Maria als Jungfrau und Gottesmutter.
6.4.1 Jungfrau: Theologische und historische Deutung der immerwährenden Jungfräulichkeit.
6.4.2 Gottesmutter: Untersuchung des Mutterschafts-Ideals und dessen spiritueller sowie gesellschaftlicher Bedeutung.
6.4.3 Rezeption und Darstellung: Analyse der künstlerischen und ikonenhaften Verarbeitung des Marienbildes.
7 Ausblick: Entwicklungen im 20. Jahrhundert: Kurzer Blick auf die Fortführung und Transformation der marianischen Frömmigkeit in nachfolgenden Jahrzehnten.
8 Fazit: Zusammenfassende Synthese der Untersuchungsergebnisse über die Rolle Marias als Identitäts- und Protestsymbol sowie als Spiegel soziokultureller Wandlungsprozesse.
Marienfrömmigkeit, 19. Jahrhundert, Katholizismus, Volksfrömmigkeit, Marienerscheinungen, Antimodernismus, Frauenbild, Dogmengeschichte, Kulturkampf, Mutterrolle, Marienverehrung, Marpingen, Bürgertum, Säkularisierung, Mariologie.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der stark angestiegenen Marienverehrung im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum und analysiert deren Hintergründe und Funktionen im Kontext der Epoche.
Zu den Kernbereichen zählen die katholische Dogmengeschichte, der Antimodernismus der Kirche, der Wandel der Volksfrömmigkeit sowie das Rollenbild der Frau im 19. Jahrhundert.
Das Ziel ist es, die Ursachen für das „marianische Zeitalter“ zu identifizieren und aufzuzeigen, wie das Bild Marias als Jungfrau und Gottesmutter sowohl als religiöses Ideal als auch als soziopolitisches Symbol diente.
Die Arbeit basiert auf einer historisch-theologischen Analyse, der Auswertung zeitgenössischer Quellen und der Auseinandersetzung mit der einschlägigen Forschungsliteratur zur Religionsgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Umbrüchen (Industriealisierung, Urbanisierung), der kirchlichen Reaktion darauf und der konkreten Ausformung der Frömmigkeit durch Wallfahrten, Erscheinungen und dogmatische Festlegungen.
Schlüsselbegriffe sind Mariologie, Kulturkampf, Antimodernismus, Feminisierung der Religion und das bürgerliche Ideal der frommen Frau.
Maria fungierte als Projektionsfläche für die Sehnsucht nach Stabilität und Geborgenheit inmitten einer durch Modernisierung und Säkularisierung geprägten Zeit, während sie gleichzeitig als Identifikationsfigur für Frauen und Protestsymbol gegenüber dem Staat genutzt wurde.
Die Erscheinungen, wie etwa in Marpingen, werden als Ausdruck einer tiefer liegenden Volksfrömmigkeit gedeutet, die sich den staatlichen und klerikalen Kontrollversuchen widersetzte und einen aktiven, teils unkonventionellen Umgang mit dem Glauben pflegte.
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