Bachelorarbeit, 2020
35 Seiten, Note: 1,85
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1. Einleitung
2. Forschungsstand zu politischen Bildern
3. Historischer Hintergrund der Republik Türkei
4. Selbstdarstellungen von Erdogan. Beispiele und Analysen
4.1 Der Behüter der nationalen Einheit
4.2 Der Mann des Volkes
4.3 Der Familienvater
4.4 Der Freund des Orients
4.5 Integration der Frauen
5. Die Relevanz von sozialen Netzwerken in der Bilderpolitik von Erdogan
6. Resümee
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan visuelle Medien einsetzt, um ein spezifisches Selbstbild während des Verfassungsreferendums 2017 zu konstruieren. Dabei wird analysiert, inwiefern er sich dabei an Bildtraditionen orientiert, die historisch mit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verknüpft sind, und welche strategische Rolle soziale Netzwerke, insbesondere Facebook, bei der Verbreitung und Kontrolle dieser Selbstdarstellungen spielen.
4.1 Der Behüter der nationalen Einheit
Das erste wahlkampfrelevante Bild wurde am 10. Februar 2017 veröffentlicht (Abb. 1). Die Abbildung zeigt Erdogan aus einer Nahansicht, der im linken Bildrand positioniert ist und sich vor einem weißen Plakat mit Schrift befindet. Die Schrift im Hintergrund ist im Verhältnis zu Erdogans Kopf groß und unscharf dargestellt, während Erdogan scharf abgebildet ist.
Im Bildzentrum ist eine Plakatschrift zu erkennen auf dem „kararimiz evet“ steht, das übersetzt „unsere Entscheidung lautet ja“ bedeutet (übers. v. d. Verf.). Unter der Wahlbotschaft ist ein weiteres Wort zu erkennen, welches durch die Hand von Erdogan zum Teil abgedeckt ist. Es könnte sich dabei um den Ortsnamen „Aksaray“ handeln. Der Terminkalender auf Erdogans offizieller Homepage bestätigt, dass er sich zu dieser Zeit in der türkischen Stadt Aksaray aufhielt (Vgl. Präsident Erdogan in Aksaray, 2017). Anlass für den Besuch der Stadt Aksaray soll die Teilnahme einer Eröffnungsfeier eines Gasspeichers sein. Aus dem Bild allein wird diese Information nicht deutlich. Im Bild werden eher wahlkampfrelevante Informationen übertragen. Das Werben um Stimmen wird durch die Plakataufschrift deutlich hervorgehoben.
Der Fotografierte schaut dabei zu Seite, der Blick ist geradeaus gerichtet und ein leichtes Lächeln ist zu erkennen. Mit der rechten Hand richtet er ein Mikrofon zu seinem Mund. Mit seinem linken Zeigefinger deutet er in seine Blickrichtung. Am Mikrofon und an der Körperausrichtung ist zu erkennen, dass er zu einem Publikum spricht. Die große Schrift im Hintergrund und die scharfe Abbildung von Erdogan lassen sowohl ihn als auch die Botschaft im Fokus stehen. Die Aufnahme aus einer leichten Untersicht lässt vermuten, dass Erdogan auf einem Podest steht, um sich gegenüber der Umgebung zu erheben.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Aufstieg Recep Tayyip Erdogans und die politische Ausgangslage des Referendums 2017, wobei die wachsende Bedeutung von sozialen Netzwerken im modernen Wahlkampf als Forschungsansatz hervorgehoben wird.
2. Forschungsstand zu politischen Bildern: Dieses Kapitel erläutert theoretische Positionen aus der Kunstgeschichte und den Medienwissenschaften zur Macht von Bildern sowie die Bedeutung des kollektiven Bildgedächtnisses und der visuellen Inszenierung von Politikern.
3. Historischer Hintergrund der Republik Türkei: Es wird der historische Kontext der türkischen Republik unter Atatürk beleuchtet, um das kulturelle Bildgedächtnis zu verstehen, welches als Referenzpunkt für die moderne Bilderpolitik Erdogans dient.
4. Selbstdarstellungen von Erdogan. Beispiele und Analysen: Anhand von sieben Bildbeispielen werden zentrale Inszenierungsmotive wie der "Behüter der Einheit", der "Mann des Volkes" und der "Familienvater" kritisch analysiert und auf Parallelen zur Atatürk-Ikonografie untersucht.
4.1 Der Behüter der nationalen Einheit: Analyse der gezielten Verknüpfung von patriotischen Botschaften und der R4bia-Geste zur Darstellung Erdogans als Garant nationaler Sicherheit.
4.2 Der Mann des Volkes: Untersuchung der Masseninszenierungen, die Volksnähe suggerieren und Erdogan als beliebten Führer inszenieren.
4.3 Der Familienvater: Beleuchtung des Motivs des Kindes als Mittel zur Demonstration von Mitgefühl und zur Etablierung des Images als "Vater der Nation".
4.4 Der Freund des Orients: Untersuchung der Bilddarstellungen mit internationalen Politikern zur Veranschaulichung politischer Allianzen und der Ausrichtung auf eine islamisch geprägte Welt.
4.5 Integration der Frauen: Analyse der Darstellung von Frauenbildern in Erdogans Bilderpolitik im Kontrast zur säkularen Tradition Atatürks.
5. Die Relevanz von sozialen Netzwerken in der Bilderpolitik von Erdogan: Hier wird untersucht, wie soziale Medien die Kommunikation verändern und Erdogan ermöglichen, den journalistischen Filter zu umgehen, während gleichzeitig neue Kontrollmechanismen entstehen.
6. Resümee: Die Ergebnisse der Arbeit werden zusammengefasst, wobei die Ähnlichkeiten in der Bildstrategie zu Atatürk sowie die ambivalente Rolle der sozialen Netzwerke als Machtinstrument hervorgehoben werden.
Recep Tayyip Erdogan, Bilderpolitik, visuelle Kommunikation, Referendum 2017, Türkei, Atatürk, soziale Netzwerke, Facebook, Machtinstrument, Bildanalyse, politische Ikonografie, Masseninszenierung, R4bia-Geste, Patriotismus, Nationalismus
Die Arbeit analysiert die visuelle Selbstdarstellung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan während des Verfassungsreferendums im Jahr 2017 durch die Auswertung von Facebook-Fotos.
Zentrale Themen sind die visuelle politische Kommunikation, die Rolle von Bildtraditionen (insbesondere in Anlehnung an Atatürk) und der Einfluss von sozialen Medien auf die Wahrnehmung politischer Akteure.
Die Forschungsfrage lautet: "Wie nutzt Recep Tayyip Erdogan Bilder, um eine bestimmte Vorstellung von sich hervorzurufen und welchen Einfluss haben die sozialen Netzwerke in seiner Bilderpolitik?"
Die Arbeit nutzt Methoden der Bildanalyse und Ikonografie, um ausgewählte fotografische Beispiele auf Facebook im Kontext der politischen Selbstdarstellung zu interpretieren.
Im Hauptteil werden historische Hintergründe der Türkei, eine fundierte Theorie zu politischen Bildern und die detaillierte Analyse von sieben Bildbeispielen sowie die strategische Nutzung von Facebook als Kampagnentool dargelegt.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie "Bilderpolitik", "Atatürk", "Recep Tayyip Erdogan", "Soziale Netzwerke" und "visuelle Kommunikation" gekennzeichnet.
Erdogan greift auf ähnliche Inszenierungsmuster zurück, wie etwa die Darstellung als "Vater der Nation", das Motiv des Kindes und die Inszenierung als Führerfigur, um ein nationales Erbe zu bewahren.
Die Geste wird als zentrales Element der nationalistisch-patriotischen Imagekonstruktion Erdogans nach dem Putschversuch 2016 identifiziert, um Einigkeit und Stabilität zu symbolisieren.
Sie ermöglichen ihm eine direkte Kommunikation ohne "journalistischen Filter", was einerseits seine Kontrolle über das eigene Image stärkt, andererseits aber durch die "vernetzten Vielen" neue Risiken für seine Autorität birgt.
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