Masterarbeit, 2021
95 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Dualismus der Steuersubjekte
2.1 Personengesellschaften
2.2 Kapitalgesellschaften
3 Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen
3.1 Überblick
3.2 Abgeltungsteuer
3.3 Teileinkünfteverfahren
3.4 Schachtelprivileg des § 8b KStG
3.5 Kapitalertragsteuer
3.6 Anrechnung oder Erstattung der Kapitalertragsteuer
4 Cum/Ex-Gestaltungen
4.1 Wertpapierhandel
4.1.1 Einführung
4.1.2 Verwahrung von Aktien
4.1.3 Regulierung der Dividendenausschüttung
4.1.4 Inhaberverkauf
4.1.5 Leerverkauf
4.1.5.1 Einführung in Leerverkäufe
4.1.5.2 Leerverkauf über inländische Bank
4.1.5.3 Leerverkauf über ausländische Bank
4.1.6 Zentraler Kontrahent
4.2 Cum/Ex-Modelle
4.2.1 Basismodell
4.2.2 Realistische Modelle
4.3 Rechtsauffassung des Gesetzgebers zu Cum/Ex-Modellen
5 Übergang wirtschaftlichen Eigentums
5.1 Einführung
5.2 Definition: Wirtschaftliches Eigentum
5.3 Wirtschaftliches Eigentum an Aktien
5.4 Übergang wirtschaftlichen Eigentums beim Inhaberverkauf
5.5 Übergang wirtschaftlichen Eigentums beim Leerverkauf
5.5.1 Einführung
5.5.1.1 Überblick
5.5.1.2 Doppeltes wirtschaftliches Eigentum
5.5.1.3 Überlegungen zum Kaufvertrag
5.5.2 Ausgehen vom Übergang des Eigentums
5.5.2.1 Einführung
5.5.2.2 Netting-Verfahren
5.5.2.3 Rolle der CCP
5.5.3 Übergang des wirtschaftlichen Eigentums bei OTC-Geschäften
5.5.4 Vom Verkäufer initiiertes, modellhaftes Gesamtvertragskonzept
5.6 Zwischenfazit
6 Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO
6.1 Überleitung
6.2 Einführung
6.3 Die Generalnorm § 42 AO
6.4 Rechtsfolgen aus § 42 AO
6.5 Gestaltungsmissbrauch bei Cum/Ex-Modellen
6.5.1 Einführung
6.5.2 Anwendbarkeit der Generalnorm
6.5.3 Unangemessenheit der Gestaltung
6.5.4 Betrachtung der Erwerberseite
6.5.4.1 Missbräuchliche Absprache oder Marktirregularität – eine Einführung
6.5.4.2 Analyse der Marktirregularität
6.5.5 Betrachtung der Verkäuferseite
6.5.5.1 Inhaberverkauf
6.5.5.2 Leerverkauf
6.6 Zwischenfazit
7 Finale Gegenmaßnahme des Gesetzgebers – OGAW-IV-UmsG
8 Fazit
Diese Arbeit untersucht die Rechtmäßigkeit und Systemgerechtigkeit von Cum/Ex-Gestaltungen im Kontext der Kapitalertragsteuer. Ziel ist es zu analysieren, ob diese Praktiken als missbräuchliche Steuergestaltung oder als systemkonforme Praxis zu bewerten sind, unter besonderer Berücksichtigung des Übergangs wirtschaftlichen Eigentums.
4.2.2 Realistische Modelle
Das Basismodell der Cum/Ex-Geschäfte ist stark simplifiziert. Gem. Basismodell erzielt lediglich der Leerverkäufer einen Gewinn und könnte Cum/Ex-Geschäfte allein durchführen. Wie sich zeigen wird, lohnen sich diese Gestaltungsmodelle jedoch nur mit hohem Kapitaleinsatz. Für solch hohe Transaktionsvolumen dürfte der Leerverkäufer kaum OTC-Geschäftspartner finden, ebenso wenig abnehmende Gegenparteien im Leerverpflichtungsgeschäft. Das Basismodell vernachlässigt deshalb insbesondere die Bedeutung von zeitgleich abgeschlossenen Terminkontrakten, die zur Aufteilung der Steuerarbitrage unter den Akteuren dienen. Zwar erkennt der Gesetzgeber, dass die jeweiligen Transaktionen mit Termingeschäften abgesichert werden, behandelt diese Kontrakte allerdings zu Unrecht stiefmütterlich. Neben der Erkenntnis, dass es auf den Einzelfall ankommt, sollte zur Einsicht gelangt werden, dass die rechtlichen Gestaltungen bedeutend abstrakter konzipiert sind als es der Gesetzgeber darstellt und eine Absprache nicht in der Form angenommen werden kann, dass alle Parteien dieselben wirtschaftlichen Ziele und Perspektiven einnehmen.
Sowohl der Leerverkäufer als auch der Erwerber und der Inhaber nutzen Terminkontrakte, um sich gegen Kursrisiken abzusichern: Ein ausländischer Aktionär initiiert eine Cum/Ex-Gestaltung und verkauft einem ausländischen Broker (Leerverkäufer) die Aktien, die dieser für die Erfüllung des Leerverkaufs an einen inländischen Erwerber benötigt. Die grundlegende Wirkungs- und Funktionsweise im Rahmen des Leerverkaufs ist bekannt. Der Leerverkäufer beschafft die Aktien in T+1 vom Initiator, um sie in T+2 spätestens an den Erwerber zu liefern. T sei der Zeitpunkt des Verpflichtungsgeschäfts am Dividendenstichtag. Im Zeitraum zwischen Verpflichtungs- und Eindeckungsgeschäft ist er jedoch Kursrisiken ausgesetzt und schließt einen Total Return Swap mit dem Initiator (ausländischer Investor) ab. Swaps sind individuell ausgestaltete Tauschgeschäfte, bei denen zukünftige Cash Flows für einen bestimmten Zeitraum getauscht werden, sodass Kursgewinne und -verluste jeweils rücktransferiert werden und sich die Cash Flows glätten. Diese Swap-Rahmenverträge bieten sich auch zur Aufteilung der erzielten Steuerarbitrage an.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die mediale und politische Wahrnehmung von Cum/Ex-Geschäften und skizziert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit.
2 Dualismus der Steuersubjekte: Dieses Kapitel erläutert die steuerliche Behandlung von Personen- und Kapitalgesellschaften und deren Rolle als Steuersubjekte.
3 Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen: Hier werden die Grundlagen der Besteuerung von Kapitalerträgen, einschließlich Abgeltungsteuer und Schachtelprivileg, dargestellt.
4 Cum/Ex-Gestaltungen: Das Kapitel analysiert die Handelsbedingungen, Leerverkaufsszenarien und die modellhafte Struktur dieser Transaktionen.
5 Übergang wirtschaftlichen Eigentums: Zentrale Analyse des wirtschaftlichen Eigentums unter Berücksichtigung von BFH-Rechtsprechung und Börsenusancen.
6 Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO: Untersuchung der Anwendbarkeit der Generalnorm zur Missbrauchsbekämpfung auf Cum/Ex-Modelle.
7 Finale Gegenmaßnahme des Gesetzgebers – OGAW-IV-UmsG: Darstellung der gesetzgeberischen Reaktion durch das OGAW-IV-UmsG und dessen Auswirkungen.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rechtmäßigkeit und der Konsequenzen der Cum/Ex-Geschäfte.
Cum/Ex-Gestaltungen, Kapitalertragsteuer, Wirtschaftliches Eigentum, Dividendenstripping, Leerverkauf, Börsenusancen, Gestaltungsmissbrauch, § 42 AO, OGAW-IV-UmsG, Steuerarbitrage, Market Claim Prozess, Depotbanken, Dividendenkompensation, Terminkontrakte.
Die Arbeit befasst sich mit der steuerlichen Bewertung von Cum/Ex-Geschäften und untersucht, ob diese als missbräuchliche Gestaltung oder als systemgerechte Anwendung des Steuerrechts einzustufen sind.
Die Arbeit behandelt die Besteuerung von Kapitalerträgen, die Funktionsweise von Leerverkäufen am Aktienmarkt, den Übergang wirtschaftlichen Eigentums und die Anwendung der Generalnorm des § 42 AO zur Missbrauchsvermeidung.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, ob die doppelte Anrechnung oder Erstattung der Kapitalertragsteuer im Rahmen von Cum/Ex-Modellen einen Gestaltungsmissbrauch darstellt oder systemgerecht begründet werden kann.
Es erfolgt eine fundierte rechtswissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Analyse unter Auswertung von Fachliteratur, Gesetzgebung, BFH-Rechtsprechung und empirischen Schätzungen zum Steuerausfall.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Börsenmechanismen (Market Claim, Netting), die steuerliche Einordnung des wirtschaftlichen Eigentums in verschiedenen Zeiträumen sowie die rechtlichen Argumente zum Gestaltungsmissbrauch gemäß § 42 AO.
Zentrale Begriffe sind Cum/Ex-Gestaltungen, Dividendenstripping, Kapitalertragsteuer, Wirtschaftliches Eigentum und Gestaltungsmissbrauch.
Aufgrund der Intransparenz der Börsenprozesse und des Netting-Verfahrens kann die Depotbank häufig nicht unterscheiden, ob sie eine echte Nettodividende oder eine Kompensationszahlung erhält, was die rechtssichere Ausstellung von Steuerbescheinigungen erschwert.
Dieses Gesetz führte 2011 zu einem Systemwechsel hin zu einem Bruttosystem, welches die steuerliche Transparenz erhöhte und die Möglichkeiten zur Erzielung von Steuerarbitrage nachhaltig einschränkte.
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