Examensarbeit, 2006
70 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
0. Begriffsklärung
0.1. Aphasien
0.2. Mehrsprachigkeit
1. Historischer Überblick
1.1. Die Antike
1.1.1. Die ersten Dokumente
1.1.2. Die Anfänge des Lokalisationsgedankens
1.2. Das Mittelalter
1.3. Die Renaissance
1.4. Das 18. Jahrhundert
1.5. Das 19. Jahrhundert
1.5.1. Paul Broca
1.5.2. John Hughlings Jackson
1.5.3. William Ogle – Die Entdeckung der amnestischen Aphasie
1.5.4. Heymann Steinthal: Die Psycholinguisten betreten die Bühne
1.5.5. Carl Wernicke
1.6. Zusammenfassung
2. Aphasie und Mehrsprachigkeit
2.1. Der Wiederherstellungsprozess als Ausgangspunkt
2.2. Das Gesetz von Ribot und die Regel von Pitres
2.3. Klassifikation der Restitutionsverläufe
2.3.1. Synergistic recovery
2.3.2. Successive & selective recovery
2.3.3. Antagonistic recovery
2.3.4. Mixed recovery
2.4. Zusammenfassung
2.5. Erklärungsversuche für die Restitutionsmuster anhand einer strengen Lokalisationstheorie
3. Mögliche Formen der Organisation und Repräsentation mehrerer Sprachen im menschlichen Gehirn
3.1. Die mögliche Rolle der rechten Hirnhemisphäre beim monolingualen Menschen
3.1.1. Der Wada-Test
3.1.2. Untersuchungen an Patienten nach erfolgter Kommissurotomie
3.1.3. Der dichotische Hörtest
3.2. Die Rolle der rechten Hirnhemisphäre beim mehrsprachigen Menschen
3.3. Mögliche Faktoren mit Einfluss auf die Lateralisierung mehrerer Sprachen im menschlichen Gehirn
3.3.1. Sprachspezifische Faktoren
3.3.2. Spracherwerbsfaktoren
3.4. Der Switch Mechanismus
3.5. Anatomieunabhängige Hypothesen zur Organisation mehrerer Sprachen im menschlichen Gehirn
3.5.1. Die Energietheorie von Green
3.5.1.1. Die subsystem hypothesis
3.5.1.2. Die activation threshold hypothesis
3.6. Das limbische System
3.7. Bildgebende Verfahren in der Hirnforschung
4. Fazit
4.1. Das einsprachige Gehirn
4.2. Das mehrsprachige Gehirn
5. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Repräsentation und Organisation von Sprache im menschlichen Gehirn, insbesondere im Kontext von Aphasien bei mehrsprachigen Patienten. Das primäre Ziel ist es, die konkurrierenden Hauptkonzepte der Aphasieforschung – Lokalisation und Holismus – kritisch zu beleuchten und eine Synthese dieser Theorien zu erarbeiten, um die Heilungsprozesse mehrsprachiger Aphasiker besser interpretieren zu können.
1.5.4. Heymann Steinthal: Die Psycholinguisten betreten die Bühne
Heymann Steinthal ist der erste „echte“ Linguist, der sich mit Aphasien beschäftigt. Entsprechend umfassend ist seine Kritik an dem bisherigen Vorgehen der Mediziner:
„Man hat die Krankheitsbilder viel zu unvollständig und ungenau aufgenommen; unseren Ärzten ist noch nicht klar geworden, worin die Function der Sprache besteht […] [Für eine Lokalisation von Sprache im Gehirn] ist es aber vor allem nötig, dass [die Ärzte] die psychischen Erscheinungen genauer beobachten, dass sie dieselben sorgfältiger analysieren, nach ihrem Inhalt und ihrer Form besser kennen lernen.“
Entsprechend lehnt Steinthal die Vorstellung, geistige Funktionen könnten eindeutig einem Organ bzw. dem Teil eines Organs zugeschrieben werden, ab. Steintal entwickelt eine eigene Klassifikation, in die erstmals in der Aphasieforschung nicht nur Störungen auf der Wortebene, sondern auch auf der Satzebene mit einbezogen werden. Er unterscheidet die Aphasie als Störung auf der Wortebene von der Akataphasie, die sich auf der Satzebene bemerkbar macht. Um diese Störungen zu erklären, bedient sich Steinthal eines psycholinguistischen Sprachverarbeitungsmodells, das drei entscheidende Elemente kennt: organische Mechanik, psychische Mechanik und Inhalt. Ersteres meint den Artikulationsapparat, letzteres meint die Verbindung zwischen Idee und Wort – also den semantischen Teil der Sprache. Die psychische Mechanik „ist in etwa die Sprachverarbeitung im engeren Sinne“, die sich aber nicht in einem Teil des Gehirns lokalisieren lässt, sondern ein Prozess ist, an dem das Gehirn als Ganzes beteiligt ist.
Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, wie Sprache im menschlichen Gehirn repräsentiert und organisiert ist, wobei die Konzepte von Lokalisation und Holismus sowie die Besonderheiten der Mehrsprachigkeit thematisiert werden.
0. Begriffsklärung: Dieser Abschnitt liefert die Definitionen der beiden zentralen Begriffe Aphasien als erworbene Sprachstörungen und Mehrsprachigkeit als Fähigkeit zur Nutzung mehrerer Sprachen.
1. Historischer Überblick: Hier wird die historische Entwicklung der Aphasieforschung von der Antike bis zum 19. Jahrhundert aufgezeigt, inklusive der Beiträge von Pionieren wie Broca, Wernicke und Jackson.
2. Aphasie und Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel fokussiert auf die besonderen Herausforderungen der Aphasie bei Mehrsprachigen, insbesondere die unterschiedlichen Restitutionsmuster und deren Erklärungsversuche durch das Gesetz von Ribot und die Regel von Pitres.
3. Mögliche Formen der Organisation und Repräsentation mehrerer Sprachen im menschlichen Gehirn: Hier werden wissenschaftliche Hypothesen zur Organisation von Sprachen untersucht, darunter die Rolle der rechten Hemisphäre, der Switch-Mechanismus und anatomieunabhängige Theorien.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung individueller Faktoren für die neuronale Adaptionsfähigkeit und favorisiert das Energieverteilungsmodell von Green und Paradis.
5. Zusammenfassung: Dieses abschließende Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die Entwicklung der Aphasieforschung und die Bedeutung der Faktoren, die die Sprachreorganisation beeinflussen.
Aphasieforschung, Mehrsprachigkeit, Lokalisationstheorie, Holismus, Restitutionsmuster, Sprachlateralisation, rechte Hirnhemisphäre, Switch-Mechanismus, Energietheorie, limbische System, Sprachreproduktion, Sprachrezeption, neuronale Plastizität, kognitive Funktionen, Hirnstruktur.
Die Arbeit untersucht, wie Sprache(n) im menschlichen Gehirn repräsentiert und organisiert sind und welche Auswirkungen Aphasien auf die Sprachfähigkeiten ein- und mehrsprachiger Personen haben.
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Aphasielehre, die Klassifikation von Restitutionsmustern bei Mehrsprachigen sowie neurowissenschaftliche Ansätze zur Sprachorganisation.
Das Ziel ist es, die konkurrierenden Modelle der Aphasieforschung zu analysieren und ein besseres Verständnis für die individuellen Heilungsprozesse bei aphasischen Patienten zu entwickeln.
Der Autor führt eine literaturgestützte Analyse durch, indem er historische Quellen, klinische Theorien und moderne neurowissenschaftliche Studien kritisch miteinander verknüpft.
Der Hauptteil widmet sich der historischen Entwicklung der Forschung, den verschiedenen Mustern der Sprachwiederherstellung und den Modellen zur Repräsentation von Sprachen im Gehirn, inklusive anatomischer und energetischer Aspekte.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Aphasieforschung, Mehrsprachigkeit, Lokalisationstheorie, Restitutionsmuster und neuronale Organisation beschreiben.
Während klassische Modelle Funktionen festen Hirnarealen zuordnen, erklärt die Energietheorie Aphasien durch eine gestörte Energieverteilung für sprachliche Aktivierungsprozesse innerhalb eines vernetzten Systems.
Der Autor weist darauf hin, dass die rechte Hemisphäre über das reine "Backup-System" hinaus bei sehr individuellen Faktoren eine aktive Rolle in der Sprachverarbeitung spielen könnte, was jedoch weiterer Forschung bedarf.
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