Essay, 2008
19 Seiten, Note: "-"
1. Einleitung: Drewermanns Ausgangsposition
2. Die Grundlage der Deutung, die Quelle: Markus 5,1-20: Heilung eines besessenen Geraseners (Mt 8,28-34; Lk 8,26-39)
2.1. Die Sünde und das Böse
2.2. Epilepsie statt Dämonen
2.3. Der Besessene von Gerasa und Borderline
3. Drewermann nimmt die Erzählung über Jona hinzu
3.1. Das Buch Jona, Kapitel 1-4,11
3.2. Jona und der Gerasener: ein Vergleich
4. Die fehlende Diagnose
5. Die Antwort auf Drewermanns Tiefenpsychologie
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit analysiert die tiefenpsychologische Auslegung biblischer Erzählungen durch Eugen Drewermann, insbesondere am Beispiel der Heilung des Besessenen von Gerasa (Mk 5,1-20). Ziel ist es, methodische Unstimmigkeiten in Drewermanns Argumentation aufzuzeigen und zu hinterfragen, ob seine psychoanalytische Deutung – die den Fokus stark auf universelle Ängste und Symbole legt – der spezifischen klinischen Natur der biblischen Berichte gerecht wird.
2.3. Der Besessene von Gerasa und Borderline
Woran kann man die Borderline-Persönlichkeits-Störung (BPS) ablesen? Borderline bedeutet zunächst „Grenzlinie“. Früher hat man diese Störung in neurotische und psychotische Störungen eingeordnet. Das Symptombild zählt man zu den komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen. Die spezifische Einordnung von Verhaltensgestörten in das Krankheitsbild der BPS ist schwierig, da es verschiedene Formen von Borderline gibt. Borderline gilt als die am häufigsten diagnostizierte psychische Störung. Gefühle, das Denken und das Handeln sind in Mitleidenschaft gezogen. Dieser Faktor äußert sich in einem negativen und zum Teil paradoxen Verhalten gegenüber anderen Menschen sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst. Dissoziative Störungen und Depressionen sind u. a. prinzipielle Begleiterscheinungen der Borderline-Persönlichkeits-Störung. Kennzeichen der BPS sind Wechsel vom einen Extrem zum anderen.
Ein Versuch der Einordnung der Verhaltensstörung des Geraseners in die BPS könnte, wie folgt, erfolgen: Der Hilfesuchende mit diesem Symptom lehnt die Hilfe, die ihm zuteil werden kann bzw. könnte, nicht ab, um dann doch bewusst Heilung zu erfahren – Drewermann lässt das auch durchblicken –, sondern vielmehr verhält er sich ambivalent, indem er tatsächlich mit aller Nachhaltigkeit die Hilfe des Helfers ablehnt, also ein klares „Nein“ vermittelt, u n d z u g l e i c h den Versuch zur Hilfe befürwortet. Das bedeutet, die Ablehnung der Hilfe als Axiom oder als final geführter Gedankensatz (damit, um zu) als Wunsch nach Hilfe entfällt. An die Stelle der Prämisse des „Nein“ für das „Ja“ tritt in diesem spezifischen Fall die Ambitendenz, also die affektive Gleichstellung von „Nein“ und „Ja“ und somit die Paradoxie.
1. Einleitung: Drewermanns Ausgangsposition: Einführung in die tiefenpsychologische Deutung Drewermanns und Darstellung der Absicht, seine Argumentationsstruktur kritisch zu prüfen.
2. Die Grundlage der Deutung, die Quelle: Markus 5,1-20: Heilung eines besessenen Geraseners (Mt 8,28-34; Lk 8,26-39): Wiedergabe des biblischen Quelltextes und Beginn der kritischen psychologischen Einordnung durch Drewermann.
2.1. Die Sünde und das Böse: Analyse von Drewermanns Begriffen von Sünde und Bösem, basierend auf Kierkegaard, im Kontext gesellschaftlicher Konformität.
2.2. Epilepsie statt Dämonen: Diskussion der medizinischen Deutung von Symptomen in den Evangelien als Epilepsie anstelle einer dämonischen Besessenheit.
2.3. Der Besessene von Gerasa und Borderline: Versuch einer klinischen Einordnung des Geraseners unter dem Aspekt des Borderline-Syndroms.
3. Drewermann nimmt die Erzählung über Jona hinzu: Einbeziehung der Jona-Geschichte in den Deutungskontext und Gegenüberstellung zum Gerasener.
3.1. Das Buch Jona, Kapitel 1-4,11: Wiedergabe des alttestamentlichen Quelltextes zum Buch Jona.
3.2. Jona und der Gerasener: ein Vergleich: Kontrastierung der beiden Erzählungen bezüglich ihrer theologischen und psychologischen Aussagekraft.
4. Die fehlende Diagnose: Kritik an der Allgemeinheit von Drewermanns psychologischer Deutung und Forderung nach präziserer Diagnose.
5. Die Antwort auf Drewermanns Tiefenpsychologie: Eigene Reflexion des Autors über das Spannungsfeld zwischen Freiheit, psychischer Gesundheit und gesellschaftlichen Zwängen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der tiefenpsychologischen Methodik Drewermanns und Würdigung seiner Ansätze trotz methodischer Kritik.
Eugen Drewermann, Tiefenpsychologie, Exegese, Besessener von Gerasa, Borderline-Syndrom, Jona, Sünde, das Böse, Epilepsie, Symbolik, Kierkegaard, Religion, Heilung, Angst, psychische Störung.
Die Arbeit untersucht und kritisiert die tiefenpsychologische Exegese von Eugen Drewermann am Beispiel der biblischen Erzählung über die Heilung des Besessenen von Gerasa.
Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis von Tiefenpsychologie und Theologie, die Interpretation biblischer Wunderberichte, die Einordnung von psychischen Symptomen sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Freiheit und gesellschaftlicher Anpassung.
Das Ziel ist die Aufdeckung von Unebenheiten in Drewermanns Argumentation und die kritische Prüfung, ob seine psychoanalytische Deutung dem spezifischen biblischen Text und seinem historischen Kontext gerecht wird.
Es wird eine exemplarische und kritische Analyse angewandt, die den Exegese-Ansatz Drewermanns mit psychologischen Fachbegriffen und philosophischen Positionen (insbesondere Kierkegaard) konfrontiert.
Der Hauptteil analysiert Drewermanns Begriffsverständnis von Sünde und Bösem, hinterfragt die Deutung der Besessenheit (Epilepsie vs. Borderline) und vergleicht die Gerasener-Erzählung mit der Geschichte von Jona.
Wichtige Begriffe sind Tiefenpsychologie, Exegese, Borderline-Syndrom, Freiheit, Symbolik und die spezifische Perikope der Heilung des Besessenen von Gerasa.
Der Autor argumentiert, dass die Erzählungen theologisch und inhaltlich unterschiedlich gelagert sind – Jona erfährt eine Erkenntnisreise, während beim Gerasener ein Wunder durch Heilung im Zentrum steht – und daher nicht unkritisch zur Untermauerung einer einheitlichen Psychoanalyse herangezogen werden sollten.
Der Autor kritisiert, dass Drewermann oft bei einer verallgemeinernden Symboldidaktik bleibt, anstatt das spezifische Krankheitsbild des Geraseners (heute als Borderline-Symptom interpretierbar) präzise zu rekonstruieren.
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