Bachelorarbeit, 2021
51 Seiten, Note: 2,1
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Lebensgeschichtliche Interviews aus dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“
2.1 Quellenanalyse Frau P.
2.1.1 Kriegserfahrungen (Flucht)
2.1.2 Schulzeit, Studium, Berufstätigkeit
2.1.3 Individueller Aspekt: Wohngemeinschaft
2.1.4 Transgenerationelle Folgen
2.1.5 Interviewbezogene Bilanz
2.2 Quellenanalyse Herr H.
2.2.1 Kriegserfahrungen (1. Flucht)
2.2.2 Kriegserfahrungen (2. Flucht)
2.2.3 Schulzeit, Berufstätigkeit
2.2.4 Individueller Aspekt: Gewalterfahrungen
2.2.5 Transgenerationelle Folgen
2.2.6 Interviewbezogene Bilanz
2.3 Quellenanalyse Herr R.
2.3.1 Kriegserfahrungen (Bombardierungen)
2.3.2 Schulzeit, Berufstätigkeit
2.3.3 Transgenerationelle Folgen
2.3.4 Interviewbezogene Bilanz
3. Anschlussüberlegungen
3.1 Einfluss der Erziehung im Nationalsozialismus
3.2 Gewaltausübende Lehrer
3.3 Posttraumatische Reifung
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit analysiert exemplarisch drei lebensgeschichtliche Interviews des Archivs „Deutsches Gedächtnis“, um die langfristigen Auswirkungen von Kriegstraumata auf den Lebensverlauf der sogenannten „Kriegskinder“ sowie deren mögliche transgenerationelle Weitergabe zu untersuchen.
2.1.1 Kriegserfahrungen (Flucht)
Frau P. hatte in ihrer Kleinkind-Phase „Inseln“, womit sie Anker meint, die ihr Halt gaben, in einem positiven Umfeld von Zufriedenheit. Ein Bauernhof, zu dem ihr Kindermädchen sie manchmal mitgenommen hatte, war eine solche Insel. Da war sie völlig angstfrei, was ihr auch bestätigt wurde. Sie sah bei der Schlachtung eines Schweines zu und empfand es als spannend, sie jagte Kühe mit einem Stock. Eine zweite Insel war das Haus der Großeltern väterlicherseits. Dort gab es die Oma, eine „richtige Großmutter, wie man sie quasi aus dem Bilderbuch hat.“ Aber, „mit der Flucht kippte das alles total um“.
Diese Bedeutung für das eigene Leben war ihr im Nachhinein selbst aufgefallen. Die Familie flüchtete zum Ende des Krieges, am 06.02.1945 mit Hilfe des Großvaters väterlicherseits, dessen Ehefrau kurz zuvor verstarb. Zusammen nahmen sie die fünf Kinder mit. Eines der Kinder wurde zur Flucht mit Scharlach aus dem Krankenhaus geholt. Der Vater selbst war zu dieser Zeit angehöriger des „Deutschen Volkssturms“ und daher nicht mit anwesend. Es war zeitlich und räumlich eine relativ kurze Flucht, da sie für die etwa 400 Kilometer von Cottbus, Brandenburg zum damaligen Freistaat Braunschweig die Eisenbahn nutzten. Obwohl sie keine Erinnerungen an Kampfhandlungen hat, kam es zu emotionalen Situationen, die durchaus das Potential haben, eine dauerhafte Wirkung zu hinterlassen. Zu diesem Zeitpunkt war sie vier Jahre alt. Sie erinnert sich an Scharen von Menschen, die „wie dunkle Gestalten alle Richtung Bahnhof gehen“. Dort fiel sie, wahrscheinlich im Gedränge unter einen stehenden Zug, woran sie sich selbst aber nicht erinnern kann.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kriegskindheit, die Bedeutung von Traumata und die Erläuterung der Fragestellung der Arbeit.
2. Lebensgeschichtliche Interviews aus dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“: Ausführliche quellenkritische Analyse der drei Zeitzeugenberichte von Frau P., Herrn H. und Herrn R. unter Einbeziehung biographischer Details.
3. Anschlussüberlegungen: Diskussion allgemeiner Einflussfaktoren wie Erziehung im Nationalsozialismus und schulische Gewalt sowie das Konzept der posttraumatischen Reifung.
4. Fazit: Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der langfristigen Folgen von Kriegserfahrungen und der transgenerationellen Wirkung auf nachfolgende Generationen.
Kriegskinder, Zweiter Weltkrieg, Traumata, Oral History, Flucht, transgenerationelle Weitergabe, Resilienz, Posttraumatische Belastungsstörung, Erziehung, Kindheit, psychologische Folgen, Bewältigungsstrategien, nationalsozialistische Ideologie, Familiengeschichte, Zeitzeugen.
Die Arbeit untersucht, wie sich Kriegserfahrungen aus der Kindheit des Zweiten Weltkriegs langfristig auf den Lebensverlauf von Zeitzeugen und deren nachfolgende Generationen ausgewirkt haben.
Zu den zentralen Themen gehören Flucht- und Bombardierungserfahrungen, die Auswirkungen repressiver Erziehungsmethoden, Gewalterfahrungen in der Schule sowie Bewältigungsmechanismen der Betroffenen.
Die zentrale Fragestellung lautet, welche Auswirkungen Kriegserfahrungen auf den weiteren Lebensverlauf der Protagonisten und ihrer folgenden Generationen haben.
Es wird die Methode der Oral History angewandt, wobei narrative lebensgeschichtliche Interviews von Zeitzeugen aus dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ qualitativ analysiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Quellenanalyse der drei Interviews sowie anschließende Überlegungen zu erziehungswissenschaftlichen und psychologischen Zusammenhängen wie nationalsozialistischer Pädagogik und posttraumatischer Reifung.
Wichtige Begriffe sind Kriegskinder, Traumata, Oral History, Flucht, transgenerationelle Weitergabe, Resilienz und Posttraumatische Belastungsstörung.
Die Arbeit beleuchtet, wie distanzierte und repressive Erziehungsstile, die damals gesellschaftlich normativ waren, die Traumaverarbeitung der Kinder erschwert und ihre psychische Struktur nachhaltig geprägt haben können.
Die Zeitzeugen zeigen unterschiedliche Bewältigungsstrategien; auffällig ist bei allen ein starkes berufliches Engagement, das oft als „Flucht“ in die Arbeit oder Suche nach Struktur und Halt gedeutet werden kann.
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