Masterarbeit, 2021
168 Seiten, Note: 2
1. Stationäre Kinder- und Jugendhilfe
1.1 Rechtliche Grundlagen der stationären Kinder- und Jugendhilfe
1.1.1 Grundsätzliche Aufgaben und Leistungen der Länder
1.1.2 Aufgaben des Bundes
1.1.3 Gefährdungsabklärung
1.2 Stationäre Kinder- und Jugendhilfe
1.3 Gründe für eine Fremdunterbringung
1.4 Formen der Fremdunterbringung
1.5 Ziele der Fremdunterbringung
2. Grundlagen der Bindungstheorie
2.1 Begriffsbestimmung Bindung
2.2 Bindungsentwicklung
2.3 Bedeutung einer sicheren Bindung (Bindungsqualitäten)
2.4 Bindungsstörungen
2.5 Sichere Bindung in stationären Einrichtungen
3. Beziehungsgestaltung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe
3.1 Die professionelle Beziehung
3.1.1 Vertrauen
3.1.2 Die Balance zwischen Nähe und Distanz
3.1.2.1 Nähe und Distanz im pädagogischen Arbeitsfeld
3.1.2.2 Nähe und Distanz in stationären Einrichtungen
3.2 Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe als sicherer Ort
3.4 Professionelle Haltungen
3.4.1 Die Annahme des guten Grundes
3.4.2 Wertschätzung
3.4.3 Partizipation
3.4.4 Transparenz und Berechenbarkeit
3.4.5 Bedürfnis- und Ressourcenorientierung
3.4.6 Freude
3.4.7 Haltung der (Selbst-)reflexion
3.4.8 Beziehungsorientierung
3.4.8.1 Korrigierende Beziehungserfahrungen
3.5 Kompetenzen für den Beziehungsaufbau
4. Chancen und Grenzen in der Beziehungsgestaltung
4.1 Loyalitätskonflikte
4.2 Schichtdienst
4.3 Bezugsbetreuersystem
4.4. Aggressive Verhaltensweisen und Grenzverletzungen
4.5 Elternarbeit
4.6 Systemsprenger
5. Empirische Untersuchung
5.1 Ziele und Fragestellungen
5.2 Forschungsmethode
5.2.1 Qualitatives Interview
5.2.2 Halbstandardisiertes Leitfadeninterview
5.2.3 ExpertInneninterview
5.4 Erhebungsinstrument
5.5 Stichprobe
5.6 Durchführung der Erhebung
5.7 Transkription
5.8 Qualitative Inhaltsanalyse
6. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
6.1 Beziehung zwischen BetreuerInnen und Kindern und Jugendlichen
6.2 Professionelle pädagogische Beziehung
6.3 Nähe und Distanz
6.4 Professionelle Grundhaltungen
6.5 Kompetenzen
6.6 Gelingende Beziehung und Aufbau einer positiven Beziehung
6.7 Korrigierende Beziehungserfahrungen
6.8 Respekt & Sichere Beziehung
6.9 Einfluss negativer Beziehungserfahrungen
6.10 Förderliche Rahmenbedingungen
6.11 Hinderliche Rahmenbedingungen
6.12 Unterschied Beziehungsqualität BetreuerIn im Vergleich zu familiären Bindungspersonen
6.13 Familienähnliche Strukturen
6.14 Herausforderungen
6.15 Persönliche Grenzen
6.16 Chancen
6.17 Covid-19 Pandemie
7. Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussionen
8. Fazit
Die Masterarbeit untersucht die zentrale Fragestellung, welche Chancen und Herausforderungen sich bei der Gestaltung professioneller Beziehungen zwischen BetreuerInnen und fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen ergeben. Ziel ist es, auf Basis subjektiver Erfahrungen von Fachkräften ein tiefgreifendes Verständnis für die Bindungsarbeit in diesem spezifischen Setting zu gewinnen und Ansätze für eine gelingende Beziehungsgestaltung unter Berücksichtigung von Nähe, Distanz und institutionellen Rahmenbedingungen aufzuzeigen.
3.1.2 Die Balance zwischen Nähe und Distanz
Hans Thiersch ist der Meinung, dass im pädagogischen Arbeitsfeld die Frage nach der Balance von Nähe und Distanz allgegenwärtig ist. Dem Menschen wird in seinem Alltag Vertrauen entgegengebracht und Menschen verlassen sich aufeinander. Dies führt oftmals zu Erwartungen sowie Enttäuschungen und ist mit positiven und negativen Gefühlen verbunden.
Alltägliche Handlungen entstehen in gemeinsamen Ereignissen mit anderen Menschen und unterschiedlichen Beziehungskonstellationen. Demzufolge entsteht eine Lebenswelt mit unterschiedlichen lebensweltlichen Gegebenheiten von Nähe und Distanz. Diese Verhältnisse von Nähe und Distanz bleiben jedoch nicht immer gleich, sondern verändern sich mit verschiedenen Lebensphasen und werden durch diese bestimmt. Dies kann zu Schwierigkeiten führen, wenn Nähe und Distanz von Personen in den jeweiligen Beziehungen unterschiedlich aufgefasst wird (Thiersch, 2019, S. 43 ff.).
„In diesem Geflecht erfahren Menschen Nähe als Geborgenheit und Verlässlichkeit und zugleich Distanz als Abstand zum Nahen, als Freiraum, der Chancen zur Erweiterung der Nähe und damit zur Eigensinnigkeit von Lebensbewältigung öffnet. So ist Nähe auf Distanz verwiesen und Distanz auf Nähe. Nähe gelingt, wo auch Distanz gegeben ist, und Distanz, wo auch sie sich auf Nähe beziehen kann“ (Thiersch, 2019, S. 45).
1. Stationäre Kinder- und Jugendhilfe: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen, Begrifflichkeiten, Gründe und Formen der Fremdunterbringung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe.
2. Grundlagen der Bindungstheorie: Hier werden die bindungstheoretischen Fundamente nach Bowlby dargelegt, einschließlich der Phasen der Bindungsentwicklung und der Bedeutung sicherer Bindung.
3. Beziehungsgestaltung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe: Dieser Teil behandelt die professionelle Beziehungsgestaltung, notwendige Grundhaltungen, Kompetenzen sowie das Konzept der stationären Einrichtung als sicherer Ort.
4. Chancen und Grenzen in der Beziehungsgestaltung: Hier werden die Herausforderungen wie Loyalitätskonflikte, Schichtdienst, Elternarbeit und der Umgang mit "Systemsprengern" kritisch beleuchtet.
5. Empirische Untersuchung: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Arbeit, inklusive der leitfadengestützten Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse.
6. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Interviews werden hier systematisch dargestellt, analysiert und interpretiert.
7. Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussionen: Abschließend werden die zentralen Forschungsfragen durch eine Verknüpfung von Fachliteratur und empirischen Ergebnissen zusammenfassend beantwortet.
8. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Relevanz professioneller Beziehungsarbeit für die Entwicklung fremduntergebrachter Kinder.
Stationäre Kinder- und Jugendhilfe, Beziehungsarbeit, Bindungstheorie, Fremdunterbringung, Professionelle Beziehung, Nähe und Distanz, Pädagogische Haltung, Bindungsstörungen, Systemsprenger, Experteninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Elternarbeit, Beziehungsgestaltung, Kindeswohl, Bindungserfahrungen
Die Masterarbeit befasst sich mit der Bedeutung von Bindung und Beziehungsgestaltung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe und untersucht, wie BetreuerInnen professionelle Beziehungen zu fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen aufbauen können.
Zentrale Themen sind die Bindungstheorie, die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der Fremdunterbringung, die professionelle Beziehungsgestaltung sowie die spezifischen Herausforderungen und Chancen in der täglichen pädagogischen Arbeit.
Das primäre Ziel ist es, die Chancen und Grenzen der Beziehungsgestaltung zwischen BetreuerInnen und Kindern sowie Jugendlichen in stationären Einrichtungen aus der Sicht der pädagogischen Fachkräfte zu analysieren.
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die empirische Grundlage bilden 13 leitfadengestützte Experteninterviews mit BetreuerInnen, die anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt, der die Grundlagen (Bindung, stationäre Hilfe, Beziehungsgestaltung) darlegt, und einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Interviews zu Themen wie Nähe/Distanz, Grundhaltungen, Kompetenzen und Herausforderungen (z.B. Systemsprenger, Elternarbeit) interpretiert werden.
Die wichtigsten Schlagworte sind unter anderem stationäre Kinder- und Jugendhilfe, Beziehungsarbeit, Bindungstheorie, Fremdunterbringung, Professionelle Beziehung, Nähe und Distanz sowie Pädagogische Haltung.
Die Studie zeigt, dass die Pandemie die Beziehungsgestaltung durch Kontaktbeschränkungen und den Wegfall physischer Nähe vor neue Herausforderungen stellte, was jedoch auch zu einer intensiveren verbalen Kommunikation und in einigen Fällen zu einer engeren Bindung innerhalb der Wohngemeinschaften führte.
BetreuerInnen nehmen eine familienergänzende Funktion ein, sind jedoch durch eine Arbeitsbeziehung auf Zeit geprägt, die professionelle Distanz erfordert, im Gegensatz zur emotionalen, oft lebenslangen familiären Bindung, die nicht in gleicher Weise "professionell" gesteuert wird.
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