Bachelorarbeit, 2021
65 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Eritrea: Hintergründe und Fluchtursachen
3. Weibliche Genitalbeschneidung am Beispiel von Eritrea
3.1 Begriffserklärungen
3.2 Verbreitung von FGM/C
3.3 Formen und Durchführung der Beschneidung
3.4 Motive für den Eingriff
3.4.1 Tradition und soziale Integration
3.4.2 Ästhetik und Gesundheit
3.4.3 Religiöse Hintergründe
3.5 Folgen für die beschnittenen Frauen
3.5.1 Körperliche Folgen
3.5.2 Psychische Folgen
3.5.3 Sexuelle Folgen
3.6 Internationale Gesetzeslagen und Präventionsbemühungen
3.7 FGM/C im Kontext der Migration
4. Kompetente und kultursensible Soziale Arbeit mit geflüchteten Frauen
4.1 Notwendigkeit kultursensibler Sozialer Arbeit
4.1.1 Definition
4.1.2 Kultursensibilität als Schlüssel kultureller Kompetenz
4.1.3 Entwicklungsmodell der Kultursensibilität von Milton J. Bennett
4.1.4 Prinzipien kultursensibler Sozialer Arbeit
4.2 Professionelle Beratung und Kommunikation
4.2.1 Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers
4.2.2 Vernetzungen zu Partnerorganisationen
4.2.3 Beratung zur Rekonstruktion durch plastische Chirurgie
4.3 Aufklärung und Prävention
4.3.1 Einbezug von Männern
4.3.2 Empowerment zum Aufbrechen patriarchaler Strukturen
4.3.3 Umgang mit vermuteter und tatsächlicher Gefährdung
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Notwendigkeiten einer kultursensiblen Sozialen Arbeit im Umgang mit geflüchteten eritreischen Frauen, die von weiblicher Genitalbeschneidung (FGM/C) betroffen sind. Im Zentrum steht die Frage, wie Fachkräfte in Deutschland eine professionelle, traumasensible und respektvolle Beratung leisten können, die sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen als auch die kulturelle Identität der Klientinnen berücksichtigt.
3.5.2 Psychische Folgen
Im Gegensatz zu den körperlichen Folgen gerieten die seelischen und psychischen Konsequenzen erst viel später ins Blickfeld. Diese können unter den Betroffenen erheblich variieren. Allgemeine psychische Krankheitsbilder, die bei von FGM/C-betroffenen Mädchen und Frauen vermehrt auftreten können sind Angststörungen, Depressionen, Schlaf- und Essstörungen sowie Konzentrationsprobleme. Auch somatoforme Störungen, wie Kopf-, Rücken-, und Unterleibsschmerzen sind möglich. Viele leiden zudem unter Minderwertigkeitsgefühlen. (vgl. Graf 2013, S. 61) Durch die lebensbedrohliche Angst und die unvorstellbaren Schmerzen während des Eingriffes stellt dieser oft ein schweres, tief verinnerlichtes, psychisches Trauma dar. Es können Gefühle auftreten wie Verwirrung, durch den Zwiespalt der Schmerzen ihrerseits und der Zelebration von seitens der Frauen um sie herum, oder Betrug und Vertrauensverlust durch die Tatsache, dass keine ihrer weiblichen Familienmitglieder*innen sie vor dem Eingriff gewarnt bzw. geschützt hat. Dies kann zu allgemeinem Misstrauen gegenüber Mitmenschen führen. (vgl. ebd., S. 60f) Durch das Bestimmen und Verfügen anderer Menschen über ihren Körper, erleben sich die Betroffenen oft als Objekt. Dies kann das gesamte spätere Leben der Mädchen und Frauen prägen, indem sie die Gefügig- und Unfreiheit als Teil ihrer Persönlichkeit annehmen. (vgl. Rosenke 2020, S. 42) Durch die Tatsache, dass die Mädchen während des Eingriffes weder weinen noch zappeln dürfen und Tapferkeit von ihnen erwartet wird, verlieren sie die Fähigkeit, Gefühle und Ängste auszudrücken. So scheinen viele Mädchen nach der Prozedur nicht mehr unbeschwert und fröhlich, sondern häufig still und teilnahmslos zu sein. Dazu kommen die Panikattacken, die manche Betroffene beim Anblick von Gegenständen, die an ihre Beschneidung erinnern bekommen. Für andere wiederum ist die seelische Belastung so groß, dass sie in einen Zustand der Dissoziation geraten und somit das traumatische Ereignis von sich abspalten. (vgl. Graf 2013, S. 61)
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema FGM/C bei geflüchteten eritreischen Frauen ein und stellt die Notwendigkeit einer kultursensiblen Sozialen Arbeit heraus.
2. Eritrea: Hintergründe und Fluchtursachen: Das Kapitel erläutert die soziopolitische Situation in Eritrea sowie die Ursachen für die Fluchtbewegung.
3. Weibliche Genitalbeschneidung am Beispiel von Eritrea: Hier werden Definitionen, Verbreitung, Beschneidungsformen, Motive, gesundheitliche Folgen sowie rechtliche Aspekte von FGM/C detailliert dargelegt.
4. Kompetente und kultursensible Soziale Arbeit mit geflüchteten Frauen: Dieser Abschnitt beschreibt professionelle Prinzipien der Beratung und Intervention, um Frauen aus FGM/C-betroffenen Ländern adäquat zu unterstützen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung einer Haltung, die kulturelle Hintergründe achtet, während sie sich gleichzeitig gegen Menschenrechtsverletzungen positioniert.
Weibliche Genitalbeschneidung, FGM/C, Eritrea, Soziale Arbeit, Kultursensibilität, Migration, Flüchtlinge, Beratung, Empowerment, Prävention, Kindeswohlgefährdung, Traumatisierung, Tradition, Menschenrechte, Identitätsbildung
Die Bachelorthesis befasst sich mit der Situation geflüchteter eritreischer Frauen, die von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen sind, und erörtert Ansätze für eine kompetente Soziale Arbeit in diesem Kontext.
Zentral sind die medizinischen und psychosozialen Folgen von FGM/C, die Hintergründe der Flucht aus Eritrea, die notwendigen Beratungsprinzipien sowie Strategien der Prävention und Aufklärung.
Ziel ist es, Fachkräfte für die Bedürfnisse und Erfahrungen betroffener Frauen zu sensibilisieren und ein theoretisches sowie praktisches Rüstzeug für eine kultursensible professionelle Beratung anzubieten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse und der Auswertung von Studien, um ein fundiertes Verständnis für die komplexen sozialen, kulturellen und psychischen Dynamiken der Thematik zu entwickeln.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Wissensvermittlung über die Praxis der FGM/C in Eritrea und einen umfangreichen Teil zur Gestaltung kultursensibler Sozialer Arbeit, inklusive Gesprächsführung nach Carl Rogers.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kultursensibilität, FGM/C, Migration, Beratung, Empowerment und Menschenrechte charakterisiert.
Die Autorin stellt klar, dass FGM/C eher traditionell als religiös motiviert ist; dennoch wird sie in beiden großen Religionsgruppen Eritreas, dem Christentum und dem Islam, praktiziert.
Da Betroffene ihre Praxis oft nicht als "Verstümmelung" empfinden, führt eine vorschnelle Verurteilung durch Fachkräfte zu Misstrauen und verunmöglicht eine konstruktive Zusammenarbeit.
Das Vorgehen orientiert sich an einem 4-Stufen-Modell, das mit einer Gefahreneinschätzung beginnt und gegebenenfalls bis zur Meldung beim Jugendamt reicht, wobei immer die Einbindung spezialisierter Fachpersonen geboten ist.
Empowerment zielt darauf ab, Frauen durch Bildung und berufliche Perspektiven finanziell und sozial unabhängig zu machen, um patriarchale Strukturen aufzubrechen und ihre eigene Entscheidungsfreiheit zu stärken.
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