Diplomarbeit, 2008
114 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Grundlegende Begriffsabgrenzungen
2.1 Systematisierung und Definition von Kinder- und Jugendliteratur
2.1.1 Korpusbildung über die literarische Handlungsebene
2.1.2 Korpusbildung über die Textebene
2.1.3 Definition anhand der Altersbegrenzung
2.2 Kanon der klassischen Kinder- und Jugendliteratur und der Begriff ‚Kinderklassiker‘
2.3 Die „Harry-Potter“-Romane als Kinderklassiker
2.4 Abgrenzung der Begriffe ‚Thema‘, ‚Motiv‘ und ‚Figurenkonzeption‘
2.4.1 Das Thema als abstraktester Baustein eines literarischen Werkes
2.4.2 Motive als zentrale Kerne eines Textes
2.4.3 Die Figurenkonzeption in der Wechselwirkung mit Thema und Motiv
2.4.4 Klassische Figurenkonzeptionen in „Harry Potter“
2.5 Kanonbildung in der klassischen Kinder- und Jugendliteratur
3. Textsortentraditionen in der klassischen Kinder- und Jugendliteratur
3.1 Phantastische Kinder- und Jugendliteratur
3.1.1 Das Zwei-Welten-Modell als Grundlage der Begriffsdefinition
3.1.2 Klassische Strukturmotive als Elemente der phantastischen Literatur
3.1.3 Das Motiv der ‚Anderswelt‘
3.1.4 Die Anderswelt als Strukturmotiv in „Harry Potter“
3.1.5 Das Motiv der ‚magischen Reise‘
3.1.6 Das Strukturmotiv der ‚phantastischen Reise‘ in „Harry Potter“
3.1.7 Das Thema des ‚Kampfes zwischen Gut und Böse‘
3.1.8 Der ‚Kampf Gut gegen Böse‘ als zentrales Thema der „Harry-Potter“-Romane
3.2 Das Abenteuerbuch in der Kinder- und Jugendliteratur
3.2.1 „Harry Potter“ in der Tradition des Abenteuerbuches
3.2.2 Klassische Motive des Abenteuerbuches
3.2.3 Das Thema der ‚Suche‘ in der Abenteuerliteratur
3.2.4 Das Thema der ‚Suche‘ in „Harry Potter“
3.2.5 Der ‚Gral‘ als Motiv der Artusdichtung in „Harry Potter“
3.2.6 ‚Wald‘, ‚Fluss‘ und ‚Meer‘ als Abgrenzungsmotive in der Abenteuerliteratur und in den „Harry-Potter“-Romanen
3.3 Charakteristika und Motive des Subgenres Kriminalgeschichte in der Literatur
3.3.1 Einteilung des Genres über strukturelle Merkmale
3.3.2 Systematisierung über klassische Bauformen
3.3.3 Die klassische Detektivgeschichte für Kinder und Jugendliche
3.3.4 Die „Harry-Potter“-Romane als klassische Detektivgeschichte
3.3.5 Die Detektivgeschichte als Serie in der Kinder- und Jugendliteratur im Vergleich mit „Harry Potter“
3.3.6 Themen, Figuren und Motive der Detektivgeschichte
3.3.7 Die Figur des ‚Detektivs‘ in der Kinder- und Jugendliteratur
3.3.8 Harry Potter als Detektiv
3.3.9 Das Thema der ‚Angst‘ und seine Verarbeitung in „Harry Potter“
3.3.10 Das Motiv des ‚Zufalls‘ in „Harry Potter“
3.4 Märchen, Mythen und Sagen als Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur und ihre Themen und Motive in „Harry Potter“
3.4.1 Strukturmerkmale des Märchens und die Ansätze in „Harry Potter“
3.4.2 Typologie und Grundtyp des Märchens in Abgrenzung zur Sage
3.4.3 Die Motive ‚Außenseiter‘, ‚Elternferne‘, ‚Elternlosigkeit‘ und ‚Essen‘ im Märchen
3.4.4 Klassische Märchenmotive in „Harry Potter“
3.4.5 Das ‚Spiegelmotiv‘ im Märchen und seine Variation in „Harry Potter“
3.4.6 Das Märchenmotiv der ‚Verwandlung‘ in den „Harry-Potter“-Romanen
3.4.7 Der Mythos in der Kinder- und Jugendliteratur
3.4.8 Das Motiv des ‚Labyrinths‘
3.4.9 Das Labyrinth in „Harry Potter“
3.4.10 Fabeltiere und -wesen des Mythos und ihre Gestaltung in „Harry Potter“
3.5 Die Tradition des britischen Boarding school novel
3.5.1 ‚Schule‘ als Handlungsort im Boarding school novel
3.5.2 Das Schulthema in „Harry Potter“
3.5.3 ‚Freundschaft‘ als Grundthema des Boarding school novel
3.5.4 Das Thema ‚Freundschaft‘ in „Harry Potter“
4. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht den weltweiten Erfolg der Romanreihe „Harry Potter“ von Joanne K. Rowling unter der literaturwissenschaftlichen Fragestellung, inwiefern die Intertextualität sowie die Themen und Motive der Bücher Parallelen zu klassischen, international erfolgreichen Genres der Kinder- und Jugendliteratur aufweisen.
3.1.6 Das Strukturmotiv der ‚phantastischen Reise‘ in „Harry Potter“
Rowling verarbeitet in ihren Romanen das Motiv des ‚phantastischen Reisens‘ auf zwei verschiedene Arten. Zum Einen ist das Motiv des ‚phantastischen Reisens‘ als Übergang zwischen der Normal- und der Anderswelt dargestellt, zum Anderen ist die Art des Reisens in die Anderswelt an sich ebenfalls phantastischer Natur.
Die gängige Art, von der Welt der Muggels an die Zauberschule Hogwarts zu reisen, ist der Bahnsteig 9 ¾ am Bahnhof King‘s Cross. Dieser Bahnsteig ist nur eingeweihten Personen bekannt. Wie Harry auf das Gleis 9 ¾ kommt, erklärt ihm Rons Mutter: „Du läufst schnurstracks auf die Absperrung vor dem Bahnsteig für die Gleise neun und zehn zu. Halt nicht an und hab keine Angst, du könntest dagegen knallen, das ist sehr wichtig.“
Für das Reisemuster bedeutet dies, dass schleifenförmiges Reisen möglich ist, denn über das Bahngleis gelangen die Schüler der Zauberschule jedes Jahr an das Internat. Der Bahnsteig ist auch bei Eva Ibbotson der Übergang in die Anderswelt. In ihrer Erzählung „Das Geheimnis von Bahnsteig 13“ ist der Zugang alle neun Jahre für neun Tage geöffnet.
In Harrys zweitem Schuljahr verpassen die drei Freunde den Zug. Dennoch bleibt die Anreise phantastisch. Im fliegenden Auto von Arthur Weasley reisen Ron, Harry und Hermine nach Hogwarts. Neben der Anreise mit Transportmitteln gibt es noch weitere Möglichkeiten in die Anderswelt zu gelangen. Im Londoner Pub „Zum tropfenden Kessel“ gelangen die Figuren durch eine Mauer in die Winkelgasse, die räumlich zwar von der Zauberschule entfernt ist, aber ebenfalls in der Anderswelt liegt. Der Zugang zum Zauberministerium als weitere Übertrittsmöglichkeit ist eine Telefonzelle in London.
Durch das Motiv des ‚Reisens‘ wird die Handlung in „Harry Potter“ vorangetrieben. Das Reisen in die Zauberwelt macht es Harry Potter erst möglich, Abenteuer zu bestehen, seine Persönlichkeit zu entwickeln und seine Bestimmung zu erfahren.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die These auf, dass der immense Erfolg der Harry-Potter-Reihe durch die intertextuelle Verknüpfung mit erfolgreichen Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur sowie durch ihre spezifische Thematik und Figurenkonzeption begründet ist.
2. Grundlegende Begriffsabgrenzungen: Dieses Kapitel definiert wesentliche literaturwissenschaftliche Termini wie Kinder- und Jugendliteratur, den Begriff des Kinderklassikers sowie die Konzepte von Thema, Motiv und Figurenkonzeption, die als analytisches Fundament der Arbeit dienen.
3. Textsortentraditionen in der klassischen Kinder- und Jugendliteratur: Hier werden die für die Analyse relevanten Genres wie Phantastik, Abenteuerbuch, Kriminalgeschichte, Märchen und Mythen sowie das britische Internatsroman-Genre detailliert dargestellt und auf ihre spezifischen Motive und Strukturmerkmale hin untersucht.
4. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Joanne K. Rowling erfolgreich bewährte literarische Bausteine und Gattungstraditionen variiert und in ihre Romanreihe integriert, was sowohl den Erfolg bei der jungen Leserschaft als auch die Faszination bei Erwachsenen erklärt.
Harry Potter, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Klassiker, Phantastik, Abenteuerbuch, Kriminalgeschichte, Märchen, Mythos, Boarding school novel, Intertextualität, Figurenkonzeption, Joanne K. Rowling, Motiv, Thema.
Die Arbeit analysiert, warum die Harry-Potter-Romane ein weltweites literarisches Phänomen geworden sind, indem sie nach literaturwissenschaftlichen Spuren erfolgreicher Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur in Rowlings Werk sucht.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Genres Phantastik, Abenteuerliteratur, Kriminalgeschichte, Märchen und Mythen sowie die Tradition des britischen Internatsromans.
Das Ziel ist es, den literaturwissenschaftlichen Anteil am Erfolg der Romanreihe nachzuweisen und Parallelen zwischen den Merkmalen etablierter Kinderbuchgenres und den Harry-Potter-Bänden aufzudecken.
Die Arbeit nutzt eine komparative literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Definitionen und Strukturmerkmale klassischer Literaturgenres auf die „Harry-Potter“-Romane übertragen und auf Übereinstimmungen geprüft werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsabgrenzung sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Textsortentraditionen, wobei deren jeweilige Themen, Motive und Figurenkonzeptionen mit denen in Harry Potter abgeglichen werden.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Intertextualität, Kinderklassiker, Phantastik, Detektivgeschichte, Boarding school novel und die verschiedenen Märchen- und Abenteuermotive wie die „Suche“, die „Anderswelt“ oder die „Verwandlung“.
Die Autorin sieht Hogwarts als einen typischen Handlungsort dieses Genres, der durch Rowlings Integration magischer Elemente und einer satirischen Verfremdung jedoch eine neue Qualität erhält, die besonders für erwachsene Leser reizvoll ist.
Im Gegensatz zum klassischen Märchen, wo Verwandlungen oft Zauberei oder Zufall sind, wird die Verwandlung bei Rowling als „Arbeit“ – also eine erlernbare Fähigkeit, die Übung und Talent voraussetzt – dargestellt und oft an die Persönlichkeit der Figur geknüpft.
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