Bachelorarbeit, 2018
42 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung und Forschungsstand
2 Traditionsansätze des Porträts
2.1 Porträtfotografie im 19. Jahrhundert
2.2 Porträtfotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.3. Technische Entwicklungen
3 Dokumentar- und Kunstfotografie in der Zeit vor Gisèle Freund
3.1 Unterschiede zwischen Kunst- Dokumentarfotografie
3.2 Biografischer Kontext
4 Porträtanalysen und Interpretationen
4.1 Jean Cocteau
4.1.1 Freunds technische Herangehensweise
4.1.2 Vergleichsporträts von Germaine Krull
4.1.3 Vergleichsergebnisse
4.2 André Malraux
4.3 André Gide
4.3.1 Bildaufbau
4.3.2 Totenmasken
4.3.3 Interpretation
4.4 Walter Benjamin
4.4.1 Deutungsansätze
4.4.2 Freunds Beziehung zu Benjamin und weitere Porträts
5 Gewonnene Erkenntnisse
5.1 Freunds Herangehensweise
5.2 Die Hände im Bild
5.3 Freunds Individualität im Kontext des Massenphänomens
6 Schlussbemerkungen
Die Bachelorarbeit untersucht die Besonderheiten der Schriftstellerporträts von Gisèle Freund und arbeitet heraus, inwiefern sich ihre Herangehensweise von der ihrer Zeitgenossen unterscheidet. Das zentrale Erkenntnisinteresse liegt in der Analyse der fotografischen Praxis Freunds, die eine Verbindung zwischen ihrem soziologischen Interesse und dem kulturellen Umfeld der porträtierten Dichter und Denker schafft.
4.1.1 Freunds technische Herangehensweise
Technisch setzt Freund den Schärfepunkt auf den Vordergrund, da die Tapete im Hintergrund immer undeutlicher wird, allerdings lässt sich nicht deutlich erkennen wo die Schärfe exakt liegt. Dies ist ein weiterer Faktor des Unbehagens, denn es gibt keinen Punkt an dem sich das Auge des Betrachters festhalten könnte. Freund setzt bei dieser Fotografie verschiedene Techniken ein, um mit dem Wesen des Porträtierten einen Dialog zu formen und ihn mittels ihrer Art zu fotografieren, darzustellen. Cocteau war Surrealist, während Freund sich eher zu den Dokumentarfotografen zählte. Zwei Themengebiete, die weiter nicht von einander entfernt sein könnten. Und trotzdem oder genau deswegen, fotografiert Freund Cocteau in seiner gewohnten Umgebung und zwar im Palais Royal in seiner Atelierwohnung. Freund beschreibt die Umstände der Porträttermins folgendermaßen: „Und dann stand er vor mir, den Blick auf eine nur ihm sichtbare Welt gerichtet, umgeben von dieser surrealistischen Aura, die er in seinem Haus um sich geschaffen hatte.“
Durch das Soziologiestudium gilt ihr Interesse natürlich mehr einer realistischen Welt, als der surrealen. Sie verbindet also ihr persönliches Interesse an ihm, Cocteau, und lässt sich auf seine surreale Welt ein, um ihn, den Surrealisten, in seiner eigenen Welt, die seine natürliche Umgebung ist und damit seine Charakteristika widerspiegelt, dokumentarisch aus ihrer Sicht für sich und alle weiteren Rezipienten festzuhalten. Weil Cocteau zu dieser Zeit schon ein wichtiger französischer Dichter war, lag Freunds eigenes Interesse wahrscheinlich nicht nur darin, für sich selbst ein dokumentarisches Foto zu erstellen, sondern ebenfalls ein Abbild einer Persönlichkeit für die Öffentlichkeit zu schaffen.
1 Einleitung und Forschungsstand: Die Einleitung führt in das Thema der Schriftstellerporträts von Gisèle Freund ein und erläutert den Forschungsstand sowie die gewählte methodische Herangehensweise.
2 Traditionsansätze des Porträts: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Wurzeln der Porträtfotografie im 19. und frühen 20. Jahrhundert und beleuchtet technische Entwicklungen.
3 Dokumentar- und Kunstfotografie in der Zeit vor Gisèle Freund: Hier werden die theoretischen Abgrenzungen zwischen Kunst- und Dokumentarfotografie erörtert sowie der biografische Kontext von Gisèle Freund skizziert.
4 Porträtanalysen und Interpretationen: Dies ist der Hauptteil, in dem die Porträts von Jean Cocteau, André Malraux, André Gide und Walter Benjamin im Detail beschrieben, analysiert und interpretiert werden.
5 Gewonnene Erkenntnisse: In diesem Kapitel werden die zentralen Beobachtungen zur Arbeitsweise Freunds, zur Bedeutung der Hände und zur Individualität im Kontext des Massenphänomens zusammengefasst.
6 Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze zu Gisèle Freund.
Gisèle Freund, Schriftstellerporträts, Fotografie, Porträtfotografie, Dokumentarfotografie, Jean Cocteau, André Malraux, André Gide, Walter Benjamin, Leica, Farbfotografie, Bildanalyse, Kunstgeschichte, Individualität, Autorenfotografie
Die Arbeit befasst sich mit dem Werk der Fotografin Gisèle Freund, speziell mit ihren Porträtaufnahmen bedeutender Schriftsteller des 20. Jahrhunderts wie Jean Cocteau, André Malraux, André Gide und Walter Benjamin.
Zu den zentralen Themen gehören die Entwicklung der Porträtfotografie, die Abgrenzung zwischen Dokumentar- und Kunstfotografie sowie die soziologisch geprägte, objektive Arbeitsweise von Gisèle Freund.
Ziel ist es, die besonderen Merkmale der Porträts von Gisèle Freund herauszuarbeiten und zu erklären, warum ihre Herangehensweise sich von der ihrer Zeitgenossen unterscheidet.
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Methoden wie die minutiöse Bildbeschreibung, die Dekonstruktion von Bildstrukturen und Symbolen sowie den Vergleich mit zeitgenössischen Fotografen wie Germaine Krull.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der ausgewählten Schriftstellerporträts, wobei neben dem Bildaufbau auch technische Aspekte und das Verhältnis zwischen Fotografin und Porträtiertem untersucht werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Autorenfotografie, dokumentarischer Ansatz, Individualität im Kontext des Massenphänomens und das Verhältnis von Realität und Abbild charakterisiert.
Die Hand fungiert in Freunds Aufnahmen oft als zentrales Element für den Bildaufbau und als Ausdruck von Charakter sowie Melancholie, was auf eine lange ikonografische Tradition zurückgeht.
Die Erfindung handlicher Kameras wie der Leica ermöglichte es Freund, mobiler und flexibler zu agieren, was ihre spezifische, oft ungestellte und authentische Bildsprache maßgeblich begünstigte.
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