Masterarbeit, 2008
111 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodik
2 Die Prätexte
2.1 Euripides: Iphigenie im Taurerlande
2.1.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
2.1.2 Konfliktlösung durch den «Deus ex machina»
2.2 Goethe: Iphigenie auf Tauris
2.2.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
2.2.1.1 Prozess der Mündigwerdung
2.2.1.2 Kommunikatives Talent
2.2.2 Konfliktlösung durch ein positives Welt- und Götterbild
2.2.3 Der Schatten der Humanität: Thoas’ Opfer
3 Die Variationen in der Gegenwartsliteratur
3.1 Rainer Werner Fassbinder: Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang von Goethe (1968)
3.1.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
3.1.1.1 Iphigenie als Sexsklavin
3.1.1.2 Keine Charaktere, kein Dialog, keine Handlung
3.1.2 Aufrechterhaltung der alten Machtstrukturen
3.2 Ilse Langner: Iphigenie und Orest (1977)
3.2.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
3.2.1.1 Vom Hochzeitskleid zum Mörderkleid
3.2.1.2 Gewalt als Maske
3.2.2 „Die Nacht ist jetzt ganz dunkel.“
3.3 Jochen Berg: Im Taurerland (1978)
3.3.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
3.3.2 Konfliktlösung durch den kollektiven Widerstand des Volkes
3.4 Volker Braun: Iphigenie in Freiheit (1992)
3.4.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
3.4.1.1 Aspekte der Zitatmontage
3.4.1.2 Iphigenie als stummes Opfer
3.4.1.3 Problematisierung der Utopie
3.4.2 „Materie, die lieben lernt im Winter“
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie zeitgenössische Dramen den Iphigenie-Mythos variieren, um ihn mit zeitgeschichtlichen, soziologischen und politischen Fragestellungen zu verknüpfen. Dabei wird analysiert, wie diese Transformationen bestehende Machtstrukturen hinterfragen und inwieweit sie das bei Goethe etablierte humanistische Ideal dekonstruieren.
2.1.1 Handlungsverlauf und Figurenkonzeption
Euripides korrigiert Aischylos’ Agamemnon, indem er Artemis auf das Menschenopfer Iphigenie verzichten lässt, um so das weitere Geschehen durch deren Entrückung nach Tauris zu ermöglichen. Die Gestaltung des Handlungsverlaufs in Euripides’ Iphigenie im Taurerlande erfolgt nach den strengen Vorgaben des griechischen Dramas: Die Formelemente Wendepunkt (Peripetie), Wiedererkennung (Anagnorisis), Intrige (Mechanema), Leid und Auflösung (Lusis) werden durch den Prolog, einen Wechsel von Chorlied und Episode (mit Rhesis oder Stichomythie) und den Exodos, bzw. Epilog realisiert.
Auf den Prolog (E, Vers 1-122), bestehend aus einem monologischen Bericht der Titelheldin und der Ankunft der Griechen, folgt der Parodos (E, Vers 123-235), eine Wechselrede zwischen Chor und Iphigenie, der die Heldin und ihre seelische Situation eindringlich beschreibt. Der Bericht des Hirten und die darauf folgende Unterhaltung zwischen ihm und Iphigenie bildet das erste Epeisodion (E, Vers 236-391). Der anschließende Auftritt des Chors (E, Vers 392-466) ist das erste Stasimon, dem das zweite Epeisodion – aufgeteilt in zwei Teile – folgt (Teil 1: Vers 467-642; Teil 2: Vers 657-1088). Hier findet die Anagnorisis-Szene statt und der Plan zur Flucht wird entwickelt.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Tradition des Iphigenie-Mythos und definiert die Problemstellung sowie die methodische Herangehensweise der Untersuchung.
2 Die Prätexte: Dieses Kapitel analysiert die antiken und klassischen Grundlagen der Iphigenie-Dramen bei Euripides und Goethe als Ausgangspunkt für spätere Transformationen.
3 Die Variationen in der Gegenwartsliteratur: Hier werden die dramatischen Bearbeitungen von Fassbinder, Langner, Berg und Braun eingehend untersucht und auf ihre zeitgeschichtliche Bedeutung hin befragt.
Iphigenie, Mythos, Transformation, Gegenwartsliteratur, Intertextualität, Drama, Humanität, Machtstrukturen, Autonomie, Gattung, Euripides, Goethe, Fassbinder, Ilse Langner, Volker Braun.
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Dramatiker den kanonischen Mythos der Iphigenie aufgreifen und durch ihre Transformationen auf die spezifischen gesellschaftlichen und politischen Kontexte ihrer Zeit reagieren.
Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Fremdbestimmung, die Machtausübung, die Rolle der Frau und die Funktion des Humanitätsideals im Wandel der Zeit.
Das Ziel ist es, die Transformation des Stoffes zwischen 1968 und 1992 zu dokumentieren und zu zeigen, wie die Autoren die utopischen Aspekte des Mythos dekonstruieren.
Es wird eine komparatistische Textanalyse auf Basis der Intertextualitätstheorie (insbesondere unter Berücksichtigung von Genette und Pfister) angewendet, um die Bezüge zwischen Prätext und Variation offen zu legen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der antiken und klassischen Prätexte sowie die detaillierte Betrachtung von vier ausgewählten zeitgenössischen Dramen, unterteilt in Handlungsführung, Figurenkonzeption und Konfliktbewältigung.
Die wichtigsten Schlagworte sind Iphigenie, Mythos-Transformation, Machtstrukturen, Intertextualität und Autonomie.
Fassbinder radikalisiert die Darstellung der Machtverhältnisse und entlarvt das humanistische Ideal bei Goethe als Wirklichkeitsfremd, indem er seine Inszenierung in ein "Theater der Grausamkeit" einbettet.
Volker Braun zerstört die Form des klassischen Dramas durch radikale Zitatmontagen und Spiegelungen, um die "Subjektdissoziation" und das Scheitern des utopischen Sozialismus reflektierbar zu machen.
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