Diplomarbeit, 2006
159 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Forschungsfragen
1.2 Thesen
2 Zum Politikbegriff
2.1 Traditioneller Politikbegriff
2.2 Entgrenzter Politikbegriff
2.3 Politik – Kultur – Politische Kultur
3 Politik- und Demokratiemodelle
3.1 Abschied von der Parteiendemokratie
3.1.1 Wandlung der Parteiendemokratie
3.1.1.1 Individualisierung
3.1.1.2 Mediatisierung
3.1.1.2.1 Beschleunigung
3.1.1.2.2 Distanzierung bzw. Entfremdung
3.1.1.2.3 Bildkultur
3.2 Deliberative Demokratie?
3.2.1 Das Modell der deliberativen Demokratie
3.2.2 Kritik am deliberativen Demokratiemodell
3.2.2.1 Ungleichheit und diskursive Macht
3.2.2.2 Diskursbegriff
3.2.2.3 Privilegierung der Vernunft als Grundlage politischer Entscheidung
3.2.3 Exkurs: Fragwürdiger Gegensatz Vernunft/ Emotion
3.2.3.1 Vernunft - Gefühl
3.2.3.2 Gefühle als Faktoren der Urteilsbildung
3.2.4 Zwischenresümee
3.3 Mediendemokratie
3.3.1 Massenmediale Öffentlichkeit
3.3.2 Inszenierungspotenzial als Zugangskriterium
3.3.3 Komplexitätsreduktion
3.3.3.1 Symbolisierung und Personalisierung
3.3.3.1.1 Personalisierung
3.3.3.2 Unterhaltungsöffentlichkeit
3.3.3.2.1 Rezeption von Unterhaltung
3.3.3.2.2 Identitätsbezug von Unterhaltung
3.3.3.2.3 Fiktionale Unterhaltung und Realität
4 Populärkultur und populäre Urteilskraft
4.1 Populärkultur, Bedeutung und Widerstand
4.2 Politik und Populärkultur
4.3 Populäre Urteilskraft
5 Popkulturelle Unterhaltung im Kino als politische Arena
5.1 Fragestellung und Methode
5.2 Politische Diskurse im Kino am Beispiel der Neoliberalismus-Debatte
5.2.1 Zum Begriff Neoliberalismus
5.2.2 Diskursiver Kontext
5.3 Filmanalysen
5.3.1 Fiktionaler Film
5.3.2 Zum Film „Fight Club“
5.3.2.1 Inhalt
5.3.2.2 Medienreaktionen
5.3.2.3 Hintergrund und Entstehung
5.3.3 Zum Film „Die fetten Jahre sind vorbei“
5.3.3.1 Inhalt
5.3.3.2 Hintergrund und Entstehung
5.3.3.3 Medienreaktionen
5.3.4 Identität und der Wert des Menschen
5.3.4.1 Fight Club: Ikea-Nestbautrieb und Selbsthilfegruppen
5.3.4.2 Fight Club: Formel zum Wert des Menschen
5.3.4.3 Fight Club: Sinnstiftung und Vereinfachung im Fight Club
5.3.4.4 Die fetten Jahre: Private Revolten als Identitätsprojekte
5.3.4.5 Die fetten Jahre: Erdrückende Ungleichheit
5.3.5 Demontage neoliberaler Rhetorik und Metaphern
5.3.5.1 Fight Club: Besprechungsszene
5.3.5.2 Fight Club: Leere Versprechungen
5.3.5.3 Die fetten Jahre sind vorbei: Semiotischer Gegenangriff
5.3.5.4 Moralische Demontage des Systems
5.3.6 Rebellion und Widerstand im Film als Indikator einer Politisierung
5.3.6.1 Rebellion der Widersprüche
5.3.6.2 Widerstand und Gewalt
5.3.7 Dokumentarfilm
5.3.8 Fahrenheit 9/11
5.3.8.1 Inhalt
5.3.8.2 Zur Person Michael Moore
5.3.8.3 Medien und diskursiver Kontext
5.3.8.4 Filmanalyse Fahrenheit 9/11
5.3.8.4.2 Konstruktion einer kohärenten Geschichte
5.3.8.4.3 Inszenierte Emotionalität
5.3.8.4.4 Dramaturgie des Bildes
5.3.8.4.5 Mediensozialisation und Verschwörungstheorien
5.3.8.5 Michael Moore und die Folgen
5.4 Politisches Interesse und Aktivität im Modus der Unterhaltung
6 Befunde zu Fragestellung und Thesen
6.1.1 Forschungsfrage 1: Kann Unterhaltung politische Informationen vermitteln?
6.1.2 Forschungsfrage 2: Kann Unterhaltung politische Diskurse beeinflussen?
6.1.3 Forschungsfrage 3: Findet eine Politisierung der Populärkultur statt, die Unterhaltung zunehmend zu einer politischen Arena macht?
6.1.4 These 1: Neues Politikverständnis jenseits des politisch-administrativen Systems
6.1.5 These 2: Politisierung der Populärkultur durch die Diskrepanz zwischen politisch verkündeter und alltäglicher Realität
7 Resümee: Unterhaltung und Politik
Die Arbeit untersucht, ob und wie politische Diskurse in massenmedialen Unterhaltungsformaten — insbesondere im populären Kino — stattfinden und welche Auswirkungen diese auf Prozesse der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung haben. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, ob Unterhaltung als Arena politischer Auseinandersetzung fungiert und ob eine zunehmende Politisierung der Populärkultur vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Polarisierung stattfindet.
5.3.4.1 Fight Club: Ikea-Nestbautrieb und Selbsthilfegruppen (DVD Szene 1)
Gleich zu Beginn gewährt der namenlose Erzähler einen Blick auf sein Privat- und Berufsleben. Von Anfang an ist klar, dass er mit seinem Job unzufrieden ist. Im Privatleben versucht er den Ausgleich zu finden, nämlich Zufriedenheit in den eigenen vier Wänden. Im zynischen Rückblick nennt er sich selbst ein Opfer des „Ikea-Nestbautriebs“: „Ich blätterte Kataloge durch und fragte mich, welche Esszimmergarnitur wohl meine Persönlichkeit definiert.“ Der Nestbautrieb bringt dem Erzähler auch den Namen Ikea-Boy ein (Tyler Durden nennt ihn so). Auch in einer späteren Szene wird klar, dass der Ikea-Boy versucht hat, mittels Konsum und Besitz seine Identität zu formen oder sich in der Gesellschaft zu verorten (eben ein Nest zu bauen). Nachdem der Ikea-Boy all seinen Besitz verloren hat, sagt er: „Ich hatte alles. Eine anständige Stereoanlage, eine Garderobe, die sich sehen lassen konnte, ... ich war kurz davor mich vollständig zu fühlen“. Die Selbsterzählung von der Zufriedenheit im Eigenheim hat der Ikea-Boy selbst nie geglaubt.
Das Identitätsprojekt ist gescheitert. Obwohl es ihm materiell an nichts mangelt, ist er nicht glücklich. Symptom seiner gescheiterten Identitätskonstuktion ist seine chronische Schlaflosigkeit. Als der Erzähler (= Ikea-Boy) zum Arzt geht, weil er seit sechs Monaten nicht schlafen kann, ist das eigentlich ein Hilfeschrei.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Politisierung von Unterhaltung ein und stellt die Forschungsfragen sowie die leitenden Thesen zur Untersuchung vor.
2 Zum Politikbegriff: Hier werden unterschiedliche Politikbegriffe diskutiert, insbesondere im Hinblick auf die Entgrenzung von Politik und die Rolle der Cultural Studies.
3 Politik- und Demokratiemodelle: Dieses Kapitel analysiert den Wandel von der traditionellen Parteiendemokratie zur Mediendemokratie sowie die Konzepte deliberativer Demokratie und ihrer Kritik.
4 Populärkultur und populäre Urteilskraft: Dieser Abschnitt erläutert John Fiskes Theorien über Populärkultur als diskursive Praxis und Ort des Widerstands.
5 Popkulturelle Unterhaltung im Kino als politische Arena: Der Hauptteil, in dem durch Filmanalysen und methodische Reflexionen dargelegt wird, wie Filme als politische Arena dienen.
6 Befunde zu Fragestellung und Thesen: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die initial aufgeworfenen Forschungsfragen.
7 Resümee: Unterhaltung und Politik: Eine abschließende Zusammenfassung, die die Relevanz von Unterhaltung für das politische Alltagsleben und die Wahrnehmung der Realität reflektiert.
Populärkultur, Mediendemokratie, Neoliberalismus, politische Partizipation, Identitätskonstruktion, Diskursanalyse, Filmanalyse, Unterhaltungsöffentlichkeit, Widerstand, Ideologiekritik, Deliberative Demokratie, Macht, Emotionen, Alltagsrelevanz, Transformation der Politik.
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen popkulturellen Unterhaltungsformaten — insbesondere Kinofilmen — und politischen Diskursen in der modernen Mediendemokratie.
Die zentralen Themen sind der Wandel des Politikverständnisses, die Rolle von Massenmedien bei der Inszenierung von Politik sowie das Potenzial populärer Kultur für politischen Widerstand und Identitätsbildung.
Es wird untersucht, ob Unterhaltung politische Informationen vermitteln kann, politische Diskurse beeinflusst und ob eine Politisierung der Populärkultur stattfindet, die Unterhaltung zunehmend zu einer politischen Arena macht.
Die Autorin kombiniert theoretische Ansätze der Demokratietheorie und Cultural Studies mit einer diskursanalytischen und hermeneutischen Filmanalyse.
Im Hauptteil werden der Wandel von der Parteiendemokratie, die Kritik an deliberativen Modellen, die Rolle von Emotionen in der Politik sowie spezifische Filmanalysen (Fight Club, Die fetten Jahre sind vorbei, Fahrenheit 9/11) behandelt.
Wichtige Begriffe sind Populärkultur, Mediendemokratie, Neoliberalismus, politische Arena, Identitätskonstruktion und diskursiver Widerstand.
Diese Filme dienen als konkrete Beispiele, um zu zeigen, wie mittels Unterhaltung gängige neoliberale Narrative dekonstruiert und Alternativen angeboten werden können, wobei sie unterschiedliche Genres und Ansätze (Fiktion vs. Dokumentation) repräsentieren.
Die Arbeit argumentiert, dass Emotionen für die Urteilsbildung unerlässlich sind und dass eine einseitige Konzentration auf rein rationale Argumentation die Lebensrealität der Menschen ignoriert, weshalb Unterhaltung eine wichtige politische Komponente darstellt.
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