Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007
18 Seiten
Einleitung
Die Religion der turkmenischen Nomaden
Einführung der sunnitischen Religion als Ideologie des osmanischen Reiches
Zurückdrängung der Turkmenen im Vielvölkerstaat
Die sunnitische Sozialisation
Umwandlung der Volksreligion in Alevitentum
Alevitische Aufstände
Festigung des Alevitentums durch Unterdrückung
Die Rolle des Bektaschi-Ordens
Die Entwicklung im 20. Jahrhundert
Alevitische Identität von Migranten in der Diaspora
Eigenheiten der alevitischen Religion
Der alevitische Individualismus
Die Cem-Zusammenkünfte
Wahlbruderschaft - Beschneidungsbruderschaft
Das Verhältnis der Aleviten zu den Sunniten
Das Verhältnis der Aleviten zur Mehrheitskultur in der Diaspora
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen umfassenden Überblick über die historische Entwicklung, die religiösen Grundlagen und die heutige Lebenssituation der Aleviten zu geben, wobei insbesondere die Herausforderungen der Identitätsfindung im Kontext von Migration und Diaspora beleuchtet werden.
Die Cem-Zusammenkünfte
Den Zentralpunkt des Rituallebens bilden die Cem-Zusammenkünfte im Versammlungshaus in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Die Frau ist gleichberechtigte Kultteilnehmerin. Musik und Tänze sind wesentlicher Bestandteil dieser Zusammenkünfte und ein wichtiger Integrationsfaktor. Sie dienen zur Erreichung des transzendentalen Zustandes, des Einswerdens mit dem heiligen Kosmos. Die Teilnehmer bilden Kreise, die als Abbild des Kosmos die Einheit der Gemeinschaft verdeutlichen und durch Abgrenzung nach außen innere Sicherheit verleihen.
Glaubensinhalte werden hier mündlich durch Lieder und Gedichte weitergegeben. Die Weltsicht wird wiederbelebt, vergegenwärtigt und durch das stets erneute Vortragen vor Verfälschung bewahrt. Die Bardentradition führt dazu, daß Aleviten meist einen guten Bezug zur Volksmusik haben. Frauen und Männer, Anas und Dedes, bei den Kurden Pirs, die die Rituale und Traditionen besonders gut kennen, genießen hohes Ansehen. Sie versehen die Funktion des Priesters, der auch die Funktion hat, Streitigkeiten zu schlichten und verfeindete Parteien zu versöhnen.
Die Gemeinde beurteilt als eine Art Volkstribunal die schlechten Taten. Nur bei großen Verfehlungen wird bei Abwesenheit des Angeklagten geurteilt. Bei Geldstrafen wird die materielle Situation berücksichtigt, ein Geständnis wirkt strafmindernd. Nach zeitweiligem Strafausschluß gibt es eine feierliche Neuaufnahme.
Einleitung: Der Autor erläutert die Motivation für seine Arbeit, die durch die Entdeckung der großen alevitischen Gemeinschaft in Basel sowie durch grundlegendes Interesse an der Herkunft und heutigen Lage der Aleviten ausgelöst wurde.
Die Religion der turkmenischen Nomaden: Dieses Kapitel beschreibt die Einwanderung turkmenischer Stämme nach Anatolien und den Charakter ihres frühen Glaubens, der eng mit ihrer nomadischen Lebensweise und den Beutezügen der Glaubenskrieger verknüpft war.
Einführung der sunnitischen Religion als Ideologie des osmanischen Reiches: Es wird analysiert, wie die sunnitische Ideologie instrumentalisiert wurde, um den Übergang von einer nomadischen zu einer feudalen Agrargesellschaft zu legitimieren und die Bevölkerung unter Kontrolle zu bringen.
Zurückdrängung der Turkmenen im Vielvölkerstaat: Das Kapitel thematisiert den Machtverlust der turkmenischen Stämme zugunsten einer durch Sklavenrekrutierung (Devshirme) geformten Elite sowie die daraus resultierenden Spannungen im Osmanischen Reich.
Die sunnitische Sozialisation: Hier wird der Anspruch des orthodox-sunnitischen Islam dargestellt, sämtliche Lebensbereiche durch das Scharia-Rechtssystem zu regulieren und abweichendes Verhalten zu sanktionieren.
Umwandlung der Volksreligion in Alevitentum: Der Autor erläutert den Einfluss schiitischer Lehren auf die turkmenische Landbevölkerung, unterstützt durch das Safavidenreich, was zur Ausbildung der alevitischen Konfession führte.
Alevitische Aufstände: Es wird der offene Widerstand der Aleviten gegen die osmanische Unterdrückung sowie die daraus folgende Verfolgung und Stigmatisierung als Ketzer beschrieben.
Festigung des Alevitentums durch Unterdrückung: Das Kapitel verdeutlicht, wie Repressionen dazu führten, dass das Alevitentum zu einer Geheimreligion wurde, um innerhalb der unterdrückten Gemeinschaft zu überleben.
Die Rolle des Bektaschi-Ordens: Es wird die historische Funktion des Bektaschi-Ordens beleuchtet, der als Mittler zwischen der alevitischen Bevölkerung und dem osmanischen Staatssystem fungierte, bis er schließlich selbst verfolgt wurde.
Die Entwicklung im 20. Jahrhundert: Der Fokus liegt auf der Rolle der Aleviten während der Jungtürken-Bewegung und unter Atatürk, gefolgt von einer zunehmenden Marginalisierung und politischen Polarisierung.
Alevitische Identität von Migranten in der Diaspora: Das Kapitel analysiert die Revitalisierung des Alevitentums in Europa, den Übergang von der Geheimreligion zur Schriftkonfession und die Etablierung neuer Strukturen.
Eigenheiten der alevitischen Religion: Hier werden die theologischen und philosophischen Kernpunkte des Alevitentums, wie der Humanismus und die Ablehnung starrer dogmatischer Regeln, hervorgehoben.
Der alevitische Individualismus: Das Kapitel vertieft die Bedeutung des Individuums als Zentrum der Religion, das eigenverantwortlich nach einem sinnvollen Leben strebt.
Die Cem-Zusammenkünfte: Die rituellen Versammlungen werden als zentrales Element der Gemeinschaft und zur Erreichung eines transzendentalen Zustands beschrieben.
Wahlbruderschaft - Beschneidungsbruderschaft: Es werden die rituellen sozialen Bindungen erläutert, die den Zusammenhalt der Aleviten in einer feindlichen Umgebung stärken.
Das Verhältnis der Aleviten zu den Sunniten: Die anhaltenden Spannungen und die durch äußeren Druck verstärkte Distanz zur sunnitischen Mehrheit werden kritisch reflektiert.
Das Verhältnis der Aleviten zur Mehrheitskultur in der Diaspora: Das abschließende Kapitel behandelt den Aufbau eines europäischen Alevitentums, das Offenheit für die Mehrheitskultur mit der Bewahrung der eigenen kulturellen Identität verbindet.
Aleviten, Alevitentum, Osmanisches Reich, Sunnitentum, Diaspora, Cem-Zusammenkünfte, Migration, Identität, Religion, Anatolien, Bektaschi, Nomaden, Schiitentum, Humanismus, Wahlbruderschaft
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte, den religiösen Praktiken und der sozialen Situation der Aleviten, sowohl in ihrer historischen Heimat in der Türkei als auch in der modernen Diaspora.
Die zentralen Themen umfassen die Entstehung des Alevitentums aus turkmenischen Volksglauben, die jahrhundertelange Repression durch sunnitische Mächte, die Bedeutung von Ritualen wie den Cem-Zusammenkünften und die Identitätssuche von alevitischen Migranten.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die alevitische Gemeinschaft zu schaffen, indem ihre historische Entwicklung nachgezeichnet und aufgezeigt wird, wie sich diese Religion von einer Geheimreligion zu einer bewussten Identität in der Diaspora entwickelt hat.
Der Autor stützt sich auf eine historische und religionssoziologische Analyse, wobei er historische Quellen und zeitgenössische Entwicklungen in der Diaspora kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Verfolgung und Anpassung der Aleviten, eine Darstellung der religiösen Eigenheiten und eine Untersuchung der heutigen Herausforderungen der Diaspora-Integration.
Die wichtigsten Begriffe sind Alevitentum, Geschichte der Minderheiten, religiöse Identität, Diaspora-Studien, sunnitisch-alevitische Spannungen und rituelles Gemeinschaftsleben.
Durch die Migration in europäische Länder war das Alevitentum gezwungen, sich von einer informellen Geheimreligion zu einer organisierten Gemeinschaft mit schriftlich fixierten Lehren und Riten zu entwickeln, um die eigene Identität an die nächste Generation weitergeben zu können.
Das Cem-Ritual ist nicht nur eine religiöse Handlung, sondern dient als zentrales Instrument der Gemeinschaftsbildung, der Streitbeilegung und der mündlichen Überlieferung von Wissen und Werten in einer Gruppe, die lange Zeit unterdrückt wurde.
Die jahrhundertelange Erfahrung der Verfolgung, Diskriminierung und Marginalisierung durch das sunnitisch geprägte Osmanische Reich prägt bis heute das kollektive Gedächtnis und die Identität vieler Aleviten sowie ihr schwieriges Verhältnis zu sunnitischen Gruppierungen.
Das Alevitentum zeichnet sich durch liberale Ansätze, die Betonung der menschlichen Vernunft und Individualität, die Gleichstellung der Frau und die Ablehnung starrer Scharia-Vorschriften aus, während orthodoxe Strömungen oft einen rigiden Gehorsam fordern.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

