Masterarbeit, 2019
71 Seiten, Note: 1,3
1 Vorbemerkungen
1.1 Fragestellung und Überblick zum Forschungsstand
1.2 Geplante Vorgehensweise
2 Biografische und historische Kontextualisierung
2.1 Eine Kindheit zwischen Nationalsozialismus und Katholizismus
2.2 Vom Herkunftskomplex geprägt
2.2.1 Österreichs Schuldfrage und die Kulturpolitik nach 1945
2.2.2 Ein Heimatdichter mit Negativblick
3 Darstellungen des Nationalsozialismus bei Bernhard
3.1 Von Frost bis Auslöschung. Ein Zerfall
3.2 Die Ursache. Eine Andeutung
3.2.1 Eine fiktionale Autobiografie?
3.2.2 Textanalyse
3.3 Heldenplatz
3.3.1 Der Heldenplatzskandal – ein neuer Kulturkampf
3.3.2 Textanalyse
4 Ein Autor, der zur Reaktion verpflichtet
5 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Entwicklung Thomas Bernhards in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dessen Nachwirkungen in Österreich. Dabei wird analysiert, inwiefern sich der Autor in seinen Werken radikalisierte und ob seine Texte eine gezielte gesellschaftskritische Funktion erfüllten, oder ob die häufige Provokation primär der öffentlichen Aufmerksamkeit diente.
Die Ursache. Eine Andeutung
An dieser Stelle muß ich wieder sagen, daß ich notiere oder auch nur skizziere und nur andeute, was ich damals empfunden habe, nicht wie ich heute denke, denn die Empfindung von damals ist eine andere gewesen als mein Denken heute, und die Schwierigkeit ist, in diesen Notizen und Andeutungen die Empfindung von damals und das Denken von heute zu Notizen und Andeutungen zu machen, die den Tatsachen von damals, meiner Erfahrung als Zögling damals entsprechen, wenn auch wahrscheinlich nicht gerecht werden, jedenfalls will ich den Versuch machen. (U 96)
Auf der einen Seite stellt Bernhard an dieser Stelle klar, dass er nur andeuten kann, was damals gewesen ist, weswegen Die Ursache im Untertitel wohl Eine Andeutung heißt. Andererseits verleiht er seinen Text aber damit jedoch mehr Gültigkeit und ästhetisiert seine Empfindungen als einen Zeitzeugenbericht, der dieser schließlich trotz fiktionalen Elementen auch ist. Damit erhält Die Ursache, wie auch Bernhards weitere biografische Schriften, eine Sonderstellung in seinem Werk, da der Text trotz Bernhards literarischer Schriftstellersprache einen Wahrheitsanspruch stellt.
Vorbemerkungen: Einführung in die Fragestellung und den Stand der Forschung zur Auseinandersetzung Thomas Bernhards mit dem Nationalsozialismus.
Biografische und historische Kontextualisierung: Einordnung von Bernhards Biografie und der österreichischen Nachkriegsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Schuldfrage.
Darstellungen des Nationalsozialismus bei Bernhard: Analyse von Bernhards literarischer Entwicklung durch die Untersuchung ausgewählter Prosa- und Theaterwerke, insbesondere "Die Ursache" und "Heldenplatz".
Ein Autor, der zur Reaktion verpflichtet: Erörterung der Wirkmacht von Bernhards Gesellschaftskritik und seiner Rolle als provozierender Zeitkritiker.
Zusammenfassung und Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse zur literarischen Radikalisierung und Wirkung von Bernhards Werk.
Thomas Bernhard, Nationalsozialismus, Österreichkritik, Heldenplatz, Die Ursache, Vergangenheitsbewältigung, Skandal, Katholizismus, Literaturgeschichte, Nachkriegszeit, Faschismus, Gesellschaftskritik, Antisemitismus, Opfermythos, Erinnerungskultur.
Die Arbeit analysiert die literarische Auseinandersetzung von Thomas Bernhard mit dem Nationalsozialismus in Österreich und untersucht, wie sich seine Kritik im Laufe seiner Karriere von ersten Prosawerken bis hin zu seinen späten Theaterstücken entwickelt hat.
Im Zentrum stehen die Aufarbeitung (oder das Fehlen derselben) der nationalsozialistischen Vergangenheit in Österreich, die Rolle des Katholizismus, die Funktion von Skandalen in Bernhards Werk und die Darstellung des sogenannten "Herkunftskomplexes".
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern Bernhard sich in seinem literarischen Schaffen tatsächlich radikalisiert hat, oder ob seine Provokationen bereits von Beginn an Teil seiner künstlerischen Strategie waren, um gesellschaftliche Missstände offenzulegen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten literaturwissenschaftlichen Textanalyse der Werke "Die Ursache" und "Heldenplatz", ergänzt durch eine historische Kontextualisierung und eine Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Einordnung, die Übersicht über die Darstellung des Nationalsozialismus in Bernhards Gesamtwerk sowie eine tiefgehende Analyse der beiden Primärtexte "Die Ursache" und "Heldenplatz" inklusive der Untersuchung der damit verbundenen Skandalgeschichte.
Schlüsselbegriffe sind Thomas Bernhard, Österreichkritik, Vergangenheitsbewältigung, Nationalsozialismus, Heldenplatz-Skandal, Kunstbiografie und die Dialektik von literarischer Provokation und gesellschaftlicher Resonanz.
Der Skandal verdeutlicht die immense politische Sprengkraft von Bernhards Werk. Die Arbeit zeigt auf, wie der Skandal durch die Mediendynamik entstand und wie er das gesellschaftliche Klima in Österreich Ende der 1980er Jahre in Bezug auf die NS-Vergangenheit nachhaltig beeinflusste.
Der "Herkunftskomplex" wird als zentrales Motiv für Bernhards gesamtes Schaffen identifiziert. Die Arbeit verdeutlicht, dass Bernhard diesen Komplex nutzte, um das schwierige Verhältnis zwischen seiner Herkunftsfamilie, seiner eigenen Biografie und dem österreichischen Staat als politischem Gebilde literarisch zu verarbeiten.
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