Masterarbeit, 2021
113 Seiten, Note: 5,5 (Schweiz)
1. Einleitung
1.1 Terminologie
2. Die Sprachensituation in der Schweiz
2.1 Diglossie oder Bilingualismus?
2.2 Die schweizerische Standardsprache
2.3 Spracheinstellungen
2.4 Literatur zur Aussprache des Schweizerhochdeutschen
2.5 Literatur zum Einfluss auf die Aussprache
2.5.1 Geschlecht
2.5.2 Alter
2.5.3 Bildung und soziale Klasse
2.5.4 Spracheinstellungen
2.5.5 Persönlichkeit
2.5.6 Medienkonsum
2.5.7 Sprachgebrauch
2.6 Die Aussprachenormen der schweizerischen und deutschländischen Standardsprache
2.6.1 Vokale
2.6.2 Konsonanten
2.7 Hypothesen
3. Experiment 1
3.1 Methoden
3.1.1. Erhebungen im Rahmen des SDATS-Projekts
3.1.2. Ortschaften
3.1.3. Gewährspersonen
3.1.4. Material
3.1.5. Vorgehensweise
3.2 Resultate
3.2.1 Generelle Verteilung
3.2.2 Verteilung einzelner Features
3.3 Vergleich der Ergebnisse und Erklärungsversuche
3.3.1 Total Score
3.3.2 Die r-Laute
3.3.3 Der alveolare Frikative /s/
3.3.4 Der Laut für den Buchstaben <ä>
3.3.5 Die Frikative /x/
3.3.6 Die Affrikate /k/
3.3.7 Die Lautverbindung [ks]
3.3.8 Weitere Einflüsse auf die Aussprache
4 Experiment 2: Perzeptionsanalyse
4.1 Methoden
4.1.1 Studiendesign
4.1.2 Gewährspersonen
4.1.3 Vorgehensweise
4.2 Allgemeine Resultate
4.2.1 Faktoren, welche die Ratings beeinflussen
4.2.1.1 Bildung
4.2.1.2 Alter
4.3 Diskussion der Perzeptionsanalyse
5. Gesamtdiskussion
6. Fazit
Die Masterarbeit untersucht den Einfluss soziodemografischer Faktoren (wie Geschlecht, Alter, Bildung, Spracheinstellungen, Medienkonsum und Persönlichkeit) auf die Aussprache des Standarddeutschen bei Deutschschweizer:innen. Zudem analysiert sie in einer Perzeptionsstudie, wie verschiedene Aussprachevarianten von Sprecher:innen innerhalb der Deutschschweiz wahrgenommen und bewertet werden.
1. Einleitung
Die spezielle Beziehung, die Deutschschweizer und Deutschschweizerinnen zur Aussprache ihrer offiziellen Muttersprache Deutsch hegen, stellt nicht nur in der Wissenschaft einen Sonderfall dar, sondern wird auch im Land selbst häufig diskutiert. Obwohl ein gewisses Bewusstsein über regionale Unterschiede der deutschen Standardsprache existiert, wird die eigene Standardaussprache in den meisten Fällen als minderwertig und fehlerhaft betrachtet (vgl. Guntern 2009, 5). Generell scheint es klare Vorstellungen zu geben, wie die schweizerische Aussprache von Standarddeutsch klingen – oder eben nicht klingen – darf. Diese Meinungen unterscheiden sich jedoch stark.
Wird in einem schweizerischen Kontext versucht, die Standardsprache wie die nördlichen Nachbaren zu sprechen, wird dies allgemein nur toleriert, sofern man einen gewissen Prozentanteil deutschen Blutes nachweisen kann. Ansonsten wird man nicht nur belächelt, sondern auch als unsympathisch und angeberisch abgestempelt. So heisst es über Personen, die ein deutschländisches Deutsch sprechen – wie es beispielsweise die Sängerin Stefanie Heinzmann aus dem Wallis in Interviews in Deutschland tut – man „will mit einem aufgesetzten Bühnendeutsch brillieren“ und wird in die Schublade der „urbane[n] Schickeria“ gesteckt, da man dem „Trend“ (Tages-Anzeiger: 21.05.2010) verfallen ist.
Andererseits wurde beispielsweise der Berner Schauspielerin Sabine Timoteo nach ihrem Gastauftritt im Münchner Tatort mehrfach in der Presse vorgeworfen, in einem „so haarsträubend übertriebenen Hochdeutsch mit Schweizer Akzent“ gesprochen zu haben, „dass sich hiesige «Tatort»-Fans gehörig auf die Füsse getreten fühlten“ (Tages-Anzeiger: 31.03.2009). Die Figur der Gabi Kunz empörte viele Schweizer:innen, da sie ihrer Meinung nach zu schweizerisch sprach und sogar die Frage gestellt wurde, ob „jemand mit IQ über 50 überhaupt so reden kann“ (Tages-Anzeiger: 31.03.2009). In seiner Wegleitung zur Aussprache des Hochdeutschen in der Schweiz beschrieb Boesch bereits 1957 diese ambivalente Haltung der Deutschschweizer:innen gegenüber der Standardaussprache: „Beim Schauspieler ist es uns peinlich, den Schweizer herauszuhören; in allen anderen Sprechsituationen ist es ebenso peinlich, ihn nicht zu vernehmen“ (Boesch 1957, 12ff., zit. n.: Hove 2002, 13).
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die ambivalente Beziehung der Deutschschweizer:innen zur Standardaussprache und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses soziodemografischer Faktoren.
2. Die Sprachensituation in der Schweiz: Dieses Kapitel diskutiert Diglossie, Bilingualismus, die Rolle des Schweizerhochdeutschen sowie den Stand der Forschung zu Aussprachenormen und Spracheinstellungen.
3. Experiment 1: Hier werden die Methoden, die Teilnehmer und die Analyse der Aussprache von vorgelesenen Standardsprache-Texten durch 24 Gewährspersonen detailliert beschrieben und die Resultate diskutiert.
4 Experiment 2: Perzeptionsanalyse: Dieses Kapitel erläutert das Studiendesign und die Ergebnisse einer Wahrnehmungsstudie, die untersucht, wie verschiedene Aussprachevarietäten von Proband:innen bewertet werden.
5. Gesamtdiskussion: Die Ergebnisse beider Experimente werden zusammengeführt, interpretiert und vor dem Hintergrund der aufgestellten Hypothesen kritisch betrachtet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, insbesondere die Beliebtheit einer Mischvarietät und die ambivalente Haltung zur Standardsprache.
Deutschschweiz, Standardsprache, Schweizerhochdeutsch, Diglossie, Aussprache, Sprachwandel, Soziolinguistik, Perzeptionsstudie, Spracheinstellung, Sprachkonvention, Varietäten, Phonetik, Sprachproduktion, soziodemografische Faktoren, Sprachgebrauch
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Deutschschweizer:innen zur deutschen Standardsprache und wie sich verschiedene soziodemografische Faktoren auf die individuelle Aussprache sowie die Bewertung unterschiedlicher Aussprachevarianten auswirken.
Zentrale Felder sind die Sprachensituation in der Schweiz (Diglossie/Bilingualismus), die Etablierung schweizerischer Aussprachenormen, Einflüsse wie Alter, Geschlecht und Bildung auf die Lautproduktion sowie die perzeptive Bewertung von Standardvarianten durch die Bevölkerung.
Das Hauptziel ist es zu klären, inwiefern der soziodemografische Hintergrund von Sprecher:innen deren Aussprache des Standarddeutschen beeinflusst und wie verschiedene Standardvarietäten innerhalb der Deutschschweiz wahrgenommen werden.
Die Autorin kombiniert eine quantitative Ausspracheanalyse (Experiment 1) mit einer Perzeptionsstudie (Experiment 2), bei der Sprecher anhand von Tonaufnahmen bezüglich Kompetenz, Sympathie und Attraktivität bewertet wurden.
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Diglossie, Sprachnormen) dargelegt, gefolgt von der Methodik und den Resultaten zweier Experimente, die den Einfluss von Metadaten auf die Lautrealisierung sowie die gesellschaftliche Wahrnehmung verschiedener Hochdeutsch-Varianten prüfen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Deutschschweiz, Schweizerhochdeutsch, Sprachkonvention, Aussprachevarietät, Soziolinguistik und Spracheinstellung charakterisieren.
Die "Medium"-Varietät wird am positivsten bewertet, da sie den in der Deutschschweiz als "goldene Mittelstrasse" betrachteten Ausgleich zwischen schweizerischen und deutschländischen Lautmerkmalen am besten repräsentiert.
Die Analyse zeigt die Tendenz, dass Frauen ihre Aussprache eher an der deutschländischen Standardsprache orientieren und somit näher am Standard sprechen als Männer.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

