Magisterarbeit, 2007
82 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Was ist Vermittlung?
1.2 Die Ausgangsproblematik
1.3 Zielsetzung und Herangehensweise
1.4 Anmerkungen zum Aufbau dieser Arbeit
2. Donald W. Winnicott und die psychoanalytische Pädagogik
2.1 Leben und Werk
2.2 Die Theorie der emotionalen Entwicklung
3. Der Beginn der Vermittlung
3.1 Ich und Selbst
3.2 Ich-Integration
3.3 Omnipotenzerfahrung und Realitätsprinzip
3.4 Von der absoluten zur relativen Abhängigkeit
3.5 Übergangsphänomene und –objekte
4. Vermittlungen des Selbst
4.1 Vermittlung als soziale und individuelle Aufgabe
4.2 Das „wahre Selbst“ – Der Kern der Identität
4.3 Das „gefügige Selbst“ und Vermittlung
4.4 Das „falsche Selbst“
4.4.1 Zur Konstitution des falschen Selbst
4.4.2 Formen des falschen Selbst und die Gefahr der Spaltung
5. Voraussetzungen für Vermittlung
5.1 Spiel, Kreativität und der „potenzielle Raum“
5.2 Der Beitrag der Umwelt
6. Zusammenfassung: Vermittlung bei D.W. Winnicott
7. George H. Mead und die Sozialpsychologie
7.1 Mead als Sozialpsychologe und Sozialphilosoph
7.2 Der symbolische Interaktionismus
8. Identitätsentwicklung
8.1 Identität: „I“ und „Me“
8.2 Subjektivität und Identität
8.3 Zur Konstitution des Ichs
8.4 Selbstbewusstsein
9. Voraussetzungen für Vermittlung
9.1 Spielen und Kreativität
9.2 Die Rolle der Umwelt
9.2.1 Identität als gesellschaftlicher Prozess
9.2.2 Sozialität
10. Zusammenfassung: Vermittlung bei G.H. Mead
11. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Problem der Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft anhand eines Vergleichs der psychoanalytischen Entwicklungstheorie von D.W. Winnicott und der sozialpsychologischen Theorie von G.H. Mead. Ziel ist es, die Bedingungen für eine gelungene Integration des Selbst in den sozialen Kontext zu erörtern und die zentrale Rolle der Umwelt bei diesem Prozess herauszuarbeiten.
3.1 Ich und Selbst
Das Konzept des Selbst bildet den wichtigsten Ausgangspunkt für die Theorie der emotionalen Entwicklung von D.W. Winnicott. Die terminologische Verwendung von Ich und Selbst sind bei Winnicott etwas irreführend, da die Begriffe eine semantische Trennung und zugleich Verbundenheit implizieren, die wir im umgangssprachlichen Gebrauch meist nicht differenzieren.
Während man im Alltag das „Ich“ und „Selbst“ oft synonym zur Bezeichnung für eine bereits entwickelte Persönlichkeit gebraucht, verortet Winnicott im „Ich“ den Ausgangspunkt jeglicher Entwicklung. Er versteht jedoch das frühe Ich eines Säuglings nicht als eine Art „leere Hülle“, die durch Entwicklungsprozesse einfach gefüllt werden muss, sondern das Selbst muss als Ziel eines sich entwickelnden Ichs mitgedacht werden.
Im Gegensatz zu anderen psychoanalytischen Theorien versteht Winnicott nicht die Triebe als Ausgangspunkt der menschlichen Entwicklung, sondern eine naturgegebene Potenzialität, welche den Menschen als „Ich“ charakterisiert.
Das „ererbte Potenzial“ enthält demnach bereits die vollen Möglichkeiten zu einer individuellen Persönlichkeitsentwicklung und damit zusammenhängend auch eine angeborene „Tendenz zur Integration“. Winnicott selbst nennt diese Potenzialität auch das „primäre zentrale Selbst“, welches eine „Kontinuität des Seins erlebt und auf seine eigene Weise und in seiner eigenen Geschwindigkeit eine personale psychische Realität und ein personales Körperschema erwirbt“ (Davis/ Wallbridge 1995: 52).
Aufgrund des vorhandenen Entwicklungspotenzials kann der Zustand des Säuglings als „Ich“ bezeichnet werden. Dieses Ich impliziert eine Bewegungskraft, die dem Menschen sozusagen in die Wiege gelegt worden ist und wodurch ihm eine Entwicklung erst möglich wird. Das Ich als „zentrales Selbst“ beschreibt Winnicott infolgedessen als Ursprung der Spontanität, Kreativität und des kindlichen Spiels (vgl. Davis/ Wallbridge 1995: 53).
1. Einleitung: Die Arbeit definiert den Begriff Vermittlung als notwendige, reflexive Bezugnahme zwischen Individuum und Gesellschaft und erläutert die Forschungsfrage.
2. Donald W. Winnicott und die psychoanalytische Pädagogik: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen Winnicotts dar, wobei der Fokus auf seiner Tätigkeit als Kinderarzt und der Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung liegt.
3. Der Beginn der Vermittlung: Hier werden die frühkindliche Ich-Entwicklung, das Konzept der Omnipotenzerfahrung und die Notwendigkeit des Realitätsprinzips analysiert.
4. Vermittlungen des Selbst: Die Unterscheidung zwischen „wahrem“, „gefügigem“ und „falschem Selbst“ steht im Mittelpunkt, inklusive der Gefahren einer psychischen Spaltung.
5. Voraussetzungen für Vermittlung: Das Spiel wird als zentraler „potenzieller Raum“ identifiziert, in dem sich Kreativität entfalten kann und die Umwelt eine wesentliche Rolle spielt.
6. Zusammenfassung: Vermittlung bei D.W. Winnicott: Eine Synthese der Ergebnisse, die Winnicotts Ansatz als Leistung des Subjekts unter Berücksichtigung der mütterlichen Fürsorge hervorhebt.
7. George H. Mead und die Sozialpsychologie: Einführung in Meads sozialphilosophische Ansätze und die Theorie des symbolischen Interaktionismus.
8. Identitätsentwicklung: Untersuchung der Identität als Prozess, unterteilt in die Phasen „I“ und „Me“, sowie die Rolle der Subjektivität und Selbstreferenz.
9. Voraussetzungen für Vermittlung: Fokus auf die Bedeutung des Rollenspiels für die Verinnerlichung gesellschaftlicher Haltungen und die Identitätskonstitution.
10. Zusammenfassung: Vermittlung bei G.H. Mead: Zusammenfassende Darstellung von Meads Theorie, die den Fokus auf die soziale Integration durch Perspektivenübernahme legt.
Vermittlung, Individuum, Gesellschaft, Identitätsentwicklung, Winnicott, Mead, wahres Selbst, falsches Selbst, Integration, Sozialisation, potenzieller Raum, symbolischer Interaktionismus, Spiel, Kreativität, Subjektivität
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft als einem grundlegenden pädagogischen und sozialen Problem.
Die Themen umfassen die psychoanalytische Entwicklungstheorie, die sozialpsychologische Identitätskonstitution sowie den Stellenwert von Anpassung, Spiel und Kreativität.
Das Ziel ist ein Vergleich der Ansätze von D.W. Winnicott und G.H. Mead, um herauszuarbeiten, wie Identität im sozialen Kontext entsteht und welche Bedingungen eine „gelungene“ Vermittlung erfordert.
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse der Primärschriften von Winnicott und Mead unter Einbeziehung soziologischer, psychologischer und pädagogischer Aspekte.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Begriffe des Ichs, der Identität und des Selbst bei beiden Theoretikern und vergleicht, wie die Umwelt zur Integration beziehungsweise zur Identitätsbildung beiträgt.
Zu den Kernbegriffen zählen Identität, Selbst, Vermittlung, Integration, Sozialisation und das symbolisch vermittelte Handeln.
Das wahre Selbst ist der Kern der Identität und Quelle von Spontanität. Das falsche Selbst entsteht als Anpassungsleistung an eine Umgebung, die die Bedürfnisse des Kindes nicht hinreichend wahrnimmt, und kann im Extremfall die Persönlichkeit verdrängen.
Bei Winnicott ist das Spiel ein „potenzieller Raum“ zur Entfaltung des wahren Selbst. Bei Mead dient es primär der Einübung in gesellschaftliche Rollen und der Verinnerlichung der „Haltungen anderer“.
Identität ist bei Mead kein isoliertes Phänomen, sondern entsteht durch Kommunikation und die Verinnerlichung der Haltungen anderer (das „Me“), die den Menschen in den gesellschaftlichen Gesamtprozess integrieren.
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