Diplomarbeit, 2000
125 Seiten, Note: Sehr gut (1)
1. Einleitung
2. Methode und Begriffsklärung
2.1 Methode und Literatur
2.2 Begriffsklärung
3. Theoretischer Zugang
3.1 Vergleichende Perspektive
3.2 Individualisierung versus Familialisierung durch den Wohlfahrtsstaat
3.2.1 Der "frauenfreundliche" Wohlfahrtsstaat
3.2.2 Der "patriarchale" Wohlfahrtsstaat
3.3 Wohlfahrtsstaats-Regime: Arbeitsteilung zwischen öffentlich und privat
3.3.1 Feministische Kritikansätze
3.3.1.1 Feministische Kritik am Verhältnis Staat - Markt – Familie
3.3.1.2 Feministische Kritik am Konzept der Stratifizierung
3.3.1.3 Feministische Kritik am Konzept der Dekommodifizierung
3.4 Geschlechter-Regime: Arbeitsteilung innerhalb der Familie
3.4.1 Ernährer-Modell (Jane Lewis, Ilona Ostner)
3.4.2 Breadwinner Model - Individual Model (Diane Sainsbury)
3.4.3 Familienerhaltersysteme (Jill Rubery, Colette Fagan)
3.4.4 Typologie patriarchalisch-kapitalistischer Länder (Susanne Schunter-Kleemann)
3.5 Defamilialisierung in der Vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung
3.5.1 Defamilialisierung in feministischen Ansätzen
3.5.2 Defamilialisierung bei Gøsta Esping-Andersen
3.5.2.1 Wohlfahrtsstaats-Regime unter Berücksichtigung der Defamilialisierung
3.5.2.2 Familialismus - Fertilität
3.5.2.3 Defamilialisierung durch Staat oder Markt?
3.5.2.4 Defamilialisierung durch den Staat oder Arbeitsteilung innerhalb der Haushalte?
4. Kennzahlen zur Arbeitsmarktintegration von Frauen
4.1 Frauenerwerbstätigkeit in Dänemark
4.1.1 Teilzeitbeschäftigung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie
4.1.2 Arbeitslosigkeit bei Frauen mit Kindern
4.1.3 Unterschiede im Erwerbsverhalten von Frauen und Männern mit Kindern
4.2 Frauenerwerbstätigkeit in Österreich
4.2.1 Arbeitslosigkeit
4.2.2 Teilzeitbeschäftigung
4.3 Erwerbsverhalten von Frauen in Österreich und Dänemark im Vergleich
4.3.1 Altersspezifische Erwerbsquoten
4.3.2 Erwerbsverhalten von Frauen mit Kindern
4.3.2.1 Erwerbsverhalten von Frauen nach dem Alter der Kinder
4.3.2.2 Erwerbsverhalten von Frauen nach Anzahl der Kinder und Familienstand
4.3.3 Nicht-Erwerbstätigkeit bei Frauen
4.4 Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
4.4.1 Arbeitsmarktsegregation in Österreich
4.4.2 Arbeitsmarktsegregation in Dänemark
4.4.3 Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede
4.4.4 Der Dienstleistungssektor als Chance für Frauen
4.4.5 Geschlechtsspezifische Zeitverwendung
5. Sozialstaatliche Prinzipien und Regelungen in Österreich und Dänemark
5.1 Erwerbsarbeitsorientiertes Sicherungssystem in Österreich
5.1.1 Erwerbsarbeit
5.1.2 Ehe
5.1.3 Familienunterhalt
5.1.3.1 Hinterbliebenenversorgung
5.1.4 Mutterschaft und Betreuungsarbeit
5.1.5 Staatsbürgerschaft
5.2 Universalistisches Sicherungssystem in Dänemark
5.2.1 Staatsbürgerschaft
5.2.1.1 Volksrente
5.2.1.2 Grundsicherung für alle
5.2.2 Erwerbsarbeit - Teilzeitbeschäftigung
5.2.2.1 Arbeitslosenversicherung
5.2.2.2 Die ATP-Zusatzrente
5.2.3 Eigenständige soziale Sicherung im Alter
5.2.4 Sozialisierung von Betreuungsarbeit
5.3 Steuersystem in Österreich und Dänemark
5.3.1 Alleinverdienerabsetzbetrag
6. Freistellungsregelungen zur Kinderbetreuung
6.1 Österreich
6.1.1 Mutterschutzregelung
6.1.2 Elternkarenzregelung
6.1.2.1 Anspruchsvoraussetzungen
6.1.2.2 Dauer des Karenzgeldbezuges
6.1.2.3 Leistungsniveau des Karenzgeldes
6.1.2.4 Teilzeitkarenz
6.1.2.5 Kündigungsschutz im Anschluss an die Karenzzeit
6.1.3 Plegefreistellung
6.2 Dänemark
6.2.1 Mutterschaftsurlaub
6.2.2 Vaterschaftsurlaub
6.2.3 Elternkarenzurlaub
6.2.4 Erziehungsurlaub
6.2.4.1 Dauer des Erziehungsgeldbezuges
6.2.4.2 Leistungsniveau des Erziehungsgeldes
6.2.5 Pflegefreistellung
7. Öffentliche Leistungen für die Kinderbetreuung
7.1 Geldleistungen in Österreich
7.1.1 Familienbeihilfe
7.1.2 Steuerbegünstigungen
7.1.3 Karenzgeld
7.1.3.1 Karenzgeld zugunsten privater Kinderbetreuung
7.1.3.2 Geschlechtsspezifische Wirkung bei geschlechtsneutraler Formulierung
7.1.4 Sondernotstandshilfe
7.1.4.1 Individualisierung und Privatisierung sozialpolitischer Probleme
7.1.5 Kinderbetreuungsbeihilfe
7.2 Dienstleistungen in Österreich
7.2.1 Versorgungsgrad
7.2.2 Öffnungszeiten
7.3 Individualisierung versus Familialisierung durch Geld- und Dienstleistungen in Österreich
7.4 Geldleistungen in DK
7.4.1 Familienbeihilfe
7.4.2 Kinderbeihilfen
7.4.3 Erziehungsgeld
7.4.4 Erziehungsgeld oder Betreuungseinrichtungen
7.5 Dienstleistungen in Dänemark
7.5.1 Öffnungszeiten
7.5.2 Versorgungsgrad - Garantie auf Betreuungsplatz
7.6 Individualisierung versus Familialisierung durch Geld- und Dienstleistungen in Dänemark
8. RESÜMEE
9. LITERATUR
10. MATERIALIEN
Diese Diplomarbeit untersucht die institutionellen Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung in Österreich und Dänemark im Vergleich und analysiert, wie diese Wohlfahrtsstaaten durch ihre familienpolitischen Maßnahmen das Geschlechterverhältnis strukturieren und beeinflussen.
3.2.1 Der "frauenfreundliche" Wohlfahrtsstaat
Hernes (1987, 1989) nimmt die skandinavischen Wohlfahrtsstaaten zum Ausgangspunkt ihrer Analyse und kommt zu einer recht positiven Einschätzung des Wohlfahrtsstaats. Ihre optimistische Sichtweise begründet sie damit, dass der skandinavische Wohlfahrtsstaat das Abhängigkeitsverhältnis der Frauen grundlegend verändert habe, nämlich von privater zu öffentlicher Abhängigkeit. Der Ausbau des Wohlfahrtsstaats habe die Erwerbstätigkeit der Frauen ermöglicht, indem einerseits Arbeitsplätze geschaffen wurden und andererseits die Bereitstellung von Betreuungseinrichtungen überhaupt erst die Voraussetzung für die Erwerbstätigkeit der Frauen darstellte.
Die "Vergesellschaftung der Reproduktion ... in Form von Verstaatlichung" habe Frauen aus der familiären Abhängigkeit herausgeholt und sie zu Abhängigen wohlfahrtsstaatlicher Leistungen gemacht. Die Geld-, Sach- und Dienstleistungen des Staates geben Frauen einen Handlungspielraum, der ihnen vorher versagt war. Die nach wie vor bestehende geschlechtsspezifische Ungleichheit führt Hernes auf die politischen Strukturen und die ungleiche Teilhabe an politischer Macht zurück.
Frauen sind in einem hoch entwickelten Wohlfahrtsstaat mit einem großen öffentlichen Dienstleistungssektor zu Empfängerinnen von Sozialleistungen und zu Arbeitskräften geworden. Ihr Status in diesen Rollen wird aber von einem korporativen politischen System definiert, in dem sie auf der Ebene der Bürgerrechte nicht in gleicher Weise mitwirken wie die Gruppe der Männer.
Hernes (1989) ist optimistisch, dass in Folge der Vergesellschaftung der Reproduktion Frauen politische Macht gewinnen und somit von Objekten zu Subjekten wohlfahrtsstaatlicher Politik werden.
1 EINLEITUNG: Definiert die Problemstellung der Arbeit, die darin besteht, die Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung und Arbeitsmarktintegration von Frauen in Österreich und Dänemark zu vergleichen.
2 METHODE UND BEGRIFFSKLÄRUNG: Legt die Arbeitsmethode (Analyse von Primär- und Sekundärquellen) fest und definiert zentrale Begriffe wie Gender, Geschlechterverhältnis und Wohlfahrtsstaat.
3 THEORETISCHER ZUGANG: Erörtert theoretische Bezugsrahmen der Wohlfahrtsstaatsanalyse, einschließlich der Konzepte von Individualisierung und Familialisierung sowie verschiedener Typologien wie dem Ernährer-Modell.
4 KENNZAHLEN ZUR ARBEITSMARKTINTEGRATION VON FRAUEN: Analysiert empirische Daten zu Frauenerwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit und Chancengleichheit in Dänemark und Österreich.
5 SOZIALSTAATLICHE PRINZIPIEN UND REGELUNGEN IN ÖSTERREICH UND DÄNEMARK: Untersucht die unterschiedlichen sozialstaatlichen Sicherungssysteme und deren Einfluss auf die soziale Absicherung von Frauen.
6 FREISTELLUNGSREGELUNGEN ZUR KINDERBETREUUNG: Detaillierte Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Mutterschutz, Elternkarenz und Pflegefreistellung in beiden Ländern.
7 ÖFFENTLICHE LEISTUNGEN FÜR DIE KINDERBETREUUNG: Vergleicht Geldleistungen und Dienstleistungen für die Kinderbetreuung in Bezug auf ihre Wirkweise auf das Geschlechterverhältnis.
8 RESÜMEE: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Auswirkungen der jeweiligen Kinderbetreuungspolitik auf das Geschlechterverhältnis.
Frauenerwerbstätigkeit, Kinderbetreuungspolitik, Geschlechterverhältnis, Wohlfahrtsstaat, Familialisierung, Individualisierung, Arbeitsmarktintegration, Ernährer-Modell, Gender-Regime, Sozialpolitik, Dekommodifizierung, Österreich, Dänemark
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Kinderbetreuungspolitik und Frauenerwerbstätigkeit in Österreich und Dänemark, um aufzuzeigen, wie diese staatlichen Regelungen das Geschlechterverhältnis beeinflussen.
Die zentralen Felder umfassen die vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung, feministische Theorien zur Arbeitsteilung (öffentlich/privat), sowie die Analyse von Steuersystemen, Transferleistungen und Betreuungsinfrastrukturen.
Das Ziel ist zu analysieren, wie die beiden Wohlfahrtsstaaten über Kinderbetreuungssysteme die Verantwortung für Betreuungsarbeit verteilen und welche Auswirkungen dies auf die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen hat.
Es handelt sich um eine vergleichende Policy-Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen (Gesetzestexte, Berichte) und einschlägiger Sekundärliteratur zur Wohlfahrtsstaatsforschung basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Wohlfahrtsregimes, Ernährer-Modelle), eine empirische Analyse von Arbeitsmarktkennzahlen und eine detaillierte Untersuchung der sozialstaatlichen Instrumente (Karenzregelungen, Geldleistungen, Infrastruktur).
Wesentliche Begriffe sind Frauenerwerbstätigkeit, Familialisierung, Individualisierung, Gender-Regime und das Ernährer-Modell.
Österreich ist eher transferintensiv und unterstützt eine längere private Betreuung (Familialisierung), während Dänemark stark auf öffentliche Dienstleistungen setzt, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu ermöglichen (Individualisierung).
In Österreich führen lange Karenzzeiten oft zu einem "Wiedereinstiegsproblem" und zur Bindung an Teilzeitarbeit, während das dänische System stärker auf eine frühere Rückkehr in den vollzeitigen Arbeitsmarkt ausgerichtet ist.
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