Bachelorarbeit, 2018
54 Seiten, Note: 1,7
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert, warum das Bundesverfassungsgericht in bestimmten Fällen trotz eines möglichen, aus demokratietheoretischer Perspektive notwendigen Einflusses, nicht interveniert hat. Sie untersucht, welche Faktoren zum „Schweigen“ des Gerichts in solchen Fällen beitragen, und wie diese Faktoren die Demokratiefunktionalität beeinflussen.
Die Einleitung stellt das Spannungsfeld zwischen Judikative und Gesetzgeber in liberal-rechtstaatlichen Demokratien dar und erläutert die Motivation der Arbeit, sich mit dem Phänomen der Nicht-Intervention des Bundesverfassungsgerichts auseinanderzusetzen. Kapitel 2 befasst sich mit der Rolle von Verfassungsgerichten in liberal-rechtsstaatlichen Demokratien und beleuchtet insbesondere die beiden Konzeptionen der prozeduralistischen und der substanzialistischen Position. In diesem Kontext wird die Rolle des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland eingeordnet.
Kapitel 3 führt den Begriff der Demokratiefunktionalität als politikwissenschaftlichen Bewertungsmaßstab verfassungsgerichtlicher Urteile ein. Kapitel 4 beschreibt die Methodik zur Kategorisierung von Urteilen nach Intervention und Demokratiefunktionalität. Kapitel 5 analysiert das Homosexuellen-Urteil (1957) als Beispiel für eine demokratie-dysfunktionale Nicht-Intervention.
Kapitel 6 widmet sich der Analyse des öffentlichen Umfeldes, insbesondere der Rolle der Öffentlichkeit als Machtressource des Bundesverfassungsgerichts sowie dem Einfluss öffentlicher Wertschätzung auf das Entscheidungsverhalten des Gerichts. Die Untersuchung umfasst dabei die Intensität medialer Berichterstattung, das Vorhandensein organisierter Interessengruppen und die Komplexität des Sachgebietes. Die Kapitel 7 behandelt historische und normimmanente Kontextfaktoren, die das Entscheidungsverhalten des Bundesverfassungsgerichts beeinflussen können. Die Kapitel 8 präsentiert die Auswertung der Untersuchungsergebnisse.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen Demokratiefunktionalität, Nicht-Intervention, Bundesverfassungsgericht, öffentliche Meinung, mediale Berichterstattung, Interessengruppen und historische Kontextfaktoren. Sie untersucht das Entscheidungsverhalten des Bundesverfassungsgerichts im Hinblick auf die Sicherung demokratischer Prozesse und die Wahrung individueller Grundrechte.
Demokratiefunktionalität ist ein Bewertungsmaßstab dafür, ob ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts die demokratischen Prozesse stärkt, Minderheiten schützt oder die Teilhabe am politischen System sichert.
Gründe können strategische Zurückhaltung, die Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung oder der Einfluss historischer und normativer Kontextfaktoren sein, selbst wenn eine Intervention demokratietheoretisch geboten wäre.
In diesem Fall intervenierte das BVerfG nicht gegen die Kriminalisierung von Homosexualität. Die Arbeit analysiert dies als Beispiel für eine demokratie-dysfunktionale Nicht-Intervention, die durch das damalige gesellschaftliche Umfeld beeinflusst wurde.
Die Öffentlichkeit gilt als Machtressource. Öffentliche Wertschätzung und mediale Berichterstattung können das Entscheidungsverhalten beeinflussen, da das Gericht auf seine Legitimität in der Bevölkerung angewiesen ist.
Prozeduralisten sehen die Rolle des Gerichts primär in der Sicherung fairer politischer Verfahren. Substanzialisten fordern, dass das Gericht auch inhaltliche Werte und Grundrechte aktiv gegen den Gesetzgeber durchsetzt.
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