Bachelorarbeit, 2006
29 Seiten, Note: 1,3
1) Einleitung
2) Theoretischer Hintergrund
2.1) Rationalismus
2.2) Konstruktivismus
2.3) Rhetorisches Handeln
3) Anwendung der Theorien auf den Fall der Türkei
3.1) Die formelle Seite des Beitritts
3.2) Geschichtlicher Abriss
3.3) Analyse und Fazit
4) Mögliche Szenarien
4.1) Negative Szenarien – Die Privilegierte Partnerschaft und die Erweiterte Assoziierte Partnerschaft
4.2) Positive Szenarien - Auswege aus dem vermeintlichen Automatismus
4.2.1) Lösung durch die Norm der Demokratie nach innen
4.2.2) Lösung durch das Konzept der abgestuften Integration
5) Zusammenfassung und Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht, inwieweit der EU-Beitrittsprozess der Türkei als „Automatismus“ betrachtet werden kann, der durch rhetorische Selbstverstrickungen der EU bedingt ist. Dabei wird analysiert, ob eine definitive Absage an Ankara noch möglich ist oder ob alternative Konzepte wie die abgestufte Integration einen Ausweg aus diesem vermeintlichen Automatismus bieten können.
2.3) Rhetorisches Handeln
Beide bisher angeführten Theorien haben gemein, dass es eine Vielzahl von Beispielen gibt, anhand derer sie sich belegen lassen. Trotzdem sie jedoch so etabliert sind, weisen sie spezifische Erklärungslücken auf, die man sich so nicht leisten kann und will. Im Bezug auf die Osterweiterung Europas diagnostiziert Frank Schimmelfennig ein zweifaches Rätsel für die beiden Großtheorien (vgl. SCHIMMELFENNIG 2003, S.190 - 192): So sind die Beziehungen zwischen Europa und den zehn Anwärterstaaten Mittel- und Osteuropas im Jahre 1993 für den Rationalismus einfach zu erklären. Die Präferenzen der Mitgliedsstaaten sind individuell verschieden, d.h. nicht von gemeinsamen Wertvorstellungen geprägt, sondern aus je eigenen Kosten-Nutzen-Kalkülen heraus entstanden.
Aus der Annahme heraus, dass die Welt weder rein rationalistisch noch rein konstruktivistisch zu verstehen ist, und um die bestehenden Erklärungslücken theoretisch zu füllen, entstand ein synthetischer Ansatz, die Theorie des Rhetorischen Handelns, der zufolge „internationale Akteure sich in wertebezogenen Interaktionen zweckrational verhalten“ (vgl. SCHIMMELFENNIG 1997, S.219).
1) Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob der Beitritt der Türkei zur EU ein Automatismus ist, und stellt die theoretische Herangehensweise vor.
2) Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Rationalismus, des Konstruktivismus und der Theorie des rhetorischen Handelns als analytische Werkzeuge.
3) Anwendung der Theorien auf den Fall der Türkei: Hier erfolgt eine historische Aufarbeitung des türkischen Beitrittsprozesses und eine erste theoretische Einordnung der Ereignisse.
4) Mögliche Szenarien: Das Kapitel diskutiert alternative Beitrittsmodelle und beleuchtet die Konsequenzen möglicher politischer Entscheidungen gegen eine Vollmitgliedschaft.
5) Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die die Theorie des rhetorischen Handelns als am überzeugendsten für den Fall der Türkei hervorhebt.
EU-Erweiterung, Türkei, Beitritt, Rhetorisches Handeln, Rationalismus, Konstruktivismus, Privilegierte Partnerschaft, Abgestufte Integration, Glaubwürdigkeit, Demokratisierung, Politische Reformen, Europäische Identität, Geopolitik, Reformprozess, Beitrittsverhandlungen
Die Arbeit analysiert die Dynamik der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei unter Verwendung verschiedener politikwissenschaftlicher Theorien.
Die Themen umfassen die theoretische Erklärung internationaler Erweiterungsprozesse, den historischen Verlauf der türkisch-europäischen Beziehungen und die Diskussion alternativer Integrationsmodelle.
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob der Beitritt der Türkei ein durch rhetorische Selbstverstrickungen erzwungener Automatismus ist oder ob andere Szenarien plausibel bleiben.
Es wird ein theoretischer Analyserahmen angewandt, der Rationalismus, Konstruktivismus und die Theorie des rhetorischen Handelns auf die historische Entwicklung der türkischen Beitrittsbemühungen anwendet.
Der Hauptteil analysiert die formellen Kriterien des Beitritts, den geschichtlichen Abriss seit 1923 sowie die verschiedenen Szenarien für die Zukunft der türkisch-europäischen Beziehungen.
Wichtige Begriffe sind EU-Erweiterung, Rhetorisches Handeln, Privilegierte Partnerschaft, Abgestufte Integration und Glaubwürdigkeit.
Sie ermöglicht es, den Widerspruch zwischen materiellen Interessen und normativen Versprechungen der EU zu erklären, was die anderen Theorien nicht leisten können.
Sie wird als ein theoretisches Negativ-Szenario diskutiert, das jedoch für die Türkei aufgrund des fehlenden Mitspracherechts kaum attraktiv ist.
Es schlägt eine schrittweise Einbindung der Türkei in die EU-Strukturen vor, um einen ergebnisoffenen Prozess zu ermöglichen, der Reformanreize setzt.
Der EU-Beitritt ist kein absoluter Automatismus, da Wege wie Referenden oder gestufte Integrationsmodelle einen Ausweg aus der rhetorischen Selbstverstrickung bieten könnten.
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