Diplomarbeit, 2008
123 Seiten, Note: Sehr Gut
I. EINLEITUNG – FORSCHUNGSFRAGEN
I.1. HINTERGRUND UND PROBLEMATISIERUNG
I.2. FRAGESTELLUNG
I.3. AUFBAU DER ARBEIT
II. METHODE
II.1. METHODISCHE HERANGEHENSWEISE
II.2. POSITIONIERUNG – WIE ÜBER MUSLIMINNEN UND ISLAM FORSCHEN?
II.3. DATEN
II.3.1. Datenerhebung
II.3.2. Interviews
II.3.3. Datenauswertung
III. MADHAHIB – ´ULAMA – IMAME
III.1. MADHAHIB – WEGE IM ISLAM
III.1.1. Madhahib – eine Begriffsklärung
III.1.2. Entstehung von Rechtsfindung
III.1.3. Position der sunnitischen madhahib im Islam – Der Weg zur Orthodoxie
III.1.4. Sinn – Grenzen – Anwendungsbereiche
III.2. DAS FELD: POSITION – VERNETZUNG – VIELFALT
III.2.1. Das Feld – Wien – Situation muslimischer Communities
III.2.2. Einflüsse
III.2.3. Akteure im Feld
III.2.4. Die Moschee – Konstitution eines muslimischen Raums
III.3. MUSLIMISCHE AUTORITÄTEN
III.3.1. Imame und ´ulama
III.3.2. Einflüsse und Ausformungen
III.3.3. Imame und ´ulama in Wien – meine Interviewpartner
III.3.3.1. Persönlicher Hintergrund
III.3.3.2. Aufgaben und Wege der Aufgabenerfüllung
IV. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Arbeit untersucht, wie Imame und ´ulama in Wien das Konzept der Madhahib (islamische Rechtsschulen) in ihrer Arbeit verwenden und an die Gegebenheiten in einem europäischen, nicht-muslimisch geprägten Umfeld anpassen. Zentrale Forschungsfrage ist, in welchem Rahmen diese Akteure agieren, worauf sie sich beziehen und wie sie auf die spezifischen Herausforderungen ihrer Communities in Österreich reagieren.
III.1.1 Madhahib – Eine Begriffsklärung
Die Heilslehre des Islams ist Lehre von der „Rechtleitung“ des Menschen durch Gott zum zeitlichen und ewigen Heil in Gottes Geboten. Aber Gottes Gebot war nicht in jedem Einzelfall unmittelbar erkennbar. Früh begannen sich hier Probleme zu stellen, Konflikte anzubahnen. (Endreß 1997:44)
Was der Islamwissenschafter Gerhard Endreß (1997) hier anspricht, ist das grundlegende Problem der unkonkreten Ausformulierung mancher Regeln (Gebote). Dieses Fehlen von Regeln führte zur Suche und schließlich zur Diskussion sowie Ausformulierung von Regeln. Diese wurden innerhalb eines bestimmten Rahmens formuliert; dem der madhahib (Bearman/Vogel 2005:viif).
Zu Beginn werde ich begrifflich klären, was madhahib umfasst und in welchem Kontext sie entstanden sind. Es gibt eine Reihe von Wissenschaftern (Endreß 1997; Kamali 1998; Melchert 1997; Schacht 1964; Weiss 2005; Wheeler 2003), die sich mit der Thematik der madhahib auseinandersetzen. Kurz gesagt, madhahib sind Lehre, Lehrmeinung, Richtung oder auch Denktradition innerhalb der fiqh, der Wissenschaft der Rechtsfindung in der shari`a, des Islamischen Rechts (vgl. Kamali 2001:6). Der Islamwissenschafter Muhammad Khalid Masud (2001), der sich intensiv mit Fragen um shari´a auseinander setzt, hält fest, dass die Bezeichnung Islamisches Recht nicht als absolutes, starres Recht missverstanden werden darf. So stellt shari´a viel mehr einen Weg dar, soziale Normen mit rechtlichen Normen zu verbinden (vgl. ibid.:2). Ergänzend möchte ich hier Tariq Ramadan (1999), einen der führenden muslimischen Intellektuellen in Europa erwähnen, der in shari´a einen Weg sieht, über den Muslim-Sein definiert wird (vgl. ibid.:257).
I. EINLEITUNG – FORSCHUNGSFRAGEN: Einleitung in das Thema, Problematisierung der Migration sowie Definition der Fragestellung und des Aufbaus der Arbeit.
II. METHODE: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, basierend auf der Grounded Theory und einem multi-sited approach, inklusive Erläuterung der Datenerhebung und -auswertung.
III. MADHAHIB – ´ULAMA – IMAME: Umfassende theoretische Fundierung des Konzepts der Madhahib, Beschreibung des Feldes in Wien sowie Analyse muslimischer Autoritäten und ihrer Arbeit.
IV. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Zusammenfassende Betrachtung der Einflüsse und Anwendungsmethoden von Madhahib in der Arbeit der Gelehrten in Wien.
Madhahib, Islam, Wien, Imame, ´Ulama, Migration, Communities, Rechtsschulen, Fiqh, Shari´a, Österreich, Integration, Partizipation, Identität, Religion.
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendung der Madhahib (sunnitische Rechtsschulen) für Imame und ´ulama, die in muslimischen Communities in Wien tätig sind.
Neben dem theoretischen Rahmen der Madhahib werden das soziale Feld in Wien, die Rolle der muslimischen Vereine sowie die Einflüsse von Herkunftsgesellschaften und transnationalen Netzwerken analysiert.
Das Ziel ist es, Einblicke in die Arbeitsweise von religiösen Führungspersonen zu erhalten und zu verstehen, wie diese mit traditionellen islamischen Konzepten auf die spezifischen Lebensbedingungen in einem europäischen Land reagieren.
Der Autor nutzt Ansätze der qualitativen Forschung, insbesondere die Grounded Theory und einen multi-sited approach, gestützt durch Experteninterviews und teilnehmende Beobachtung.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsklärung der Madhahib, die Analyse des Feldes "Wien" (Communities und Moscheen) sowie die Untersuchung muslimischer Autoritäten, ihrer Hintergründe und Aufgabenerfüllung.
Wesentliche Begriffe sind Madhahib, Community, Wien, Migration, Religionsausübung, Fiqh und religiöse Autorität.
Die Gelehrten nutzen die Madhahib primär als Rahmen für ihre Arbeit. Während viele auf bestehendes Wissen und traditionelle Rechtsschulen setzen, versuchen einige, durch Methoden wie Ijtihad oder eine Mischung aus verschiedenen Madhahib neue Lösungen für die Lebensrealität in Europa zu finden.
Die Ausbildung und die soziale Herkunft prägen die Orientierung der Gelehrten stark; so neigen etwa Imame aus der Türkei oder Bosnien oft zu einer stärkeren Bindung an staatliche Strukturen oder ihre nationale Community, während andere Gelehrte offener mit der Pluralität umgehen.
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