Examensarbeit, 2007
76 Seiten, Note: 1
I. EINLEITUNG
II. DAS KLASSISCHE DRAMA
II.1. DIE ROLLE DES ARISTOTELES
II.2. VRAISEMBLANCE
II.3. STOFF UND FUNKTION DES KLASSISCHEN DRAMAS
II.4. BIENSÉANCE
II.5. DIE DREI EINHEITEN
II.5.1. Einheit der Handlung
II.5.2. Einheit der Zeit
II.5.3. Einheit des Ortes
II.6. STILTRENNUNG
III. DAS ROMANTISCHE DRAMA
III.1. POLITISCH-HISTORISCHER HINTERGRUND
III.2. EUROPÄISCHER EINFLUSS
III.3. DER EINFLUSS DES MELODRAMS
III.4. EXKURS: DAS ADJEKTIV ROMANTIQUE:
IV. VICTOR HUGOS WEGBEREITER
IV.1. SAMUEL JOHNSON. PREFACE TO SHAKESPEARE (1765)
IV.1.2. Die Darstellung des Natürlichen oder „the mirror of life“
IV.1.3. Die drei Einheiten und die völlige Illusion
IV.2. BENJAMIN CONSTANT. QUELQUES RÉFLEXIONS SUR LA TRAGÉDIE DE „WALLSTEIN“ ET SUR LE THÉÂTRE ALLEMAND (1807)
IV.2.1. Genese
IV.2.2. Inhalt
IV.3. MME DE STAËL. DE L'ALLEMAGNE (1810)
IV.3.1. Die Theorie der nationalen Unterschiede
IV.3.2. Infragestellung der klassischen Regelpoetik
IV.4. STENDHAL
IV.4.1. Stendhals Vorbilder
IV.4.2. Stendhal: Racine et Shakespeare (1823 + 1825)
IV.4.3. Racine et Shakespeare I (1823)
IV.4.3.1. Entstehung und Aufbau
IV.4.3.2. Inhalt
IV.4.3.3. Zusammenfassung der stendhalschen Forderungen
IV.4.4. Racine et Shakespeare II (1825)
IV.4.4.1. Entstehung und Aufbau
IV.4.4.2. Inhalt
IV.4.4.2.1. Erster Brief: Der Klassiker an den Romantiker (26. April 1824)
IV.4.4.2.2. Stendhals Forderungen an die Romantik
V. VICTOR HUGO. LA PRÉFACE DE CROMWELL (1827)
V.1. HUGOS INTENTION
V.2. AUFBAU UND INHALT DER PRÉFACE DE CROMWELL
V.2.1. Präambel
V.2.2. Geschichtsphilosophisches Epochenmodell
V.2.2.1. Les temps primitifs (l'enfance)
V.2.2.2. Les temps antiques (l'homme)
V.2.2.3. Les temps modernes (la vieillesse)
V.3. EXKURS: DAS GROTESKE
V.3.1. Etymologie
V.3.2. Das Groteske bei Victor Hugo
V.4. DRAMENTHEORIE
V.4.1. Stoffwahl
V.4.2. Aufhebung der Stil-und Gattungsgrenzen
V.4.3. Die drei Einheiten
V.4.3.1. Aufhebung der Einheiten von Ort und Zeit
V.4.3.2. Rechtfertigung der Einheit der Handlung
V.4.4. Das Lokalkolorit
V.4.5. Der Alexandriner
V.5. HUGOS REFLEXIONEN ZUM HISTORISCHEN DRAMA CROMWELL
V.6. ARGUMENTATIONSAUFBAU UND STILMITTEL
V.6.1. Argumentationsaufbau
V.6.2. Stilmittel
V.7. RESÜMEE DER PRÉFACE DE CROMWELL
V.8. DER ERFOLG DER PRÉFACE DE CROMWELL
V.9. KRITIK AN DER PRÉFACE DE CROMWELL
VI. THEORIE UND PRAXIS: DIE ANWENDUNG DER NEUEN DRAMENKONZEPTION
VI.1. HUGO. CROMWELL (1827)
VI.1.1. Exkurs: Kurzskizze der Handlung
VI.1.2. Cromwell: ein romantisches Drama?
VI.2. HUGO. HERNANI (1830)
VI.2.1. Exkurs: Kurzskizze der Handlung
VI.2.2. Einflüsse und Parallelen
VI.2.3. Hernani: ein romantisches Drama
VI.2.4. Exkurs: la bataille d'Hernani
VI.3. RUY BLAS (1838)
VI.3.1. Exkurs: Kurzskizze der Handlung
VI.3.2. La Préface de Ruy Blas
VI.3.3. Parallelen zu Hernani
VI.3.4. Ruy Blas: ein romantisches Drama
VI.4. MUSSET. LORENZACCIO (1834)
VI.4.1. Exkurs: Kurzskizze der Handlung
VI.4.2. Parallelen zu Victor Hugo
VI.4.3. Lorenzaccio: ein romantisches Drama
VII. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Bedeutung von Victor Hugos „Préface de Cromwell“ (1827) als ästhetisches Manifest der französischen Romantik, indem sie die theoretischen Forderungen des Autors sowie deren praktische Umsetzung in ausgewählten Dramen analysiert und den historischen Kontext sowie die maßgeblichen Wegbereiter beleuchtet.
IV.1.3. Die drei Einheiten und die völlige Illusion
Besonders aber beeinflusste die romantischen Dramatiker Johnsons Haltung gegenüber den Einheiten, die sich größtenteils mit deren Forderungen deckt. Die Legitimation der Einheit der Handlung wird auch hier nicht in Frage gestellt; Johnson übt diesbezüglich sogar Kritik an Shakespeares Plots, die häufig „loosely formed“ oder „carelessly pursued“ seien.
Shakespeares laxe Haltung gegenüber den Einheiten von Zeit und Ort kommentiert Johnson wie folgt: „To the unities of time and place he has shewn [sic!] no regard“. Dabei führt er das Argument der Einschränkung der dichterischen Freiheit an, welches später auch den romantischen Dramentheoretikern, die sich gegen die klassische Regelpoetik aussprechen, als Rechtfertigung für die Forderung nach der Abschaffung der Einheiten der Zeit und des Ortes dienen wird. Also neben der Aufhebung der Stiltrennung ein weiterer Schlüsselbegriff, der sich durch die Diskussionen um das romantische Drama stetig wiederfinden wird.
Abgesehen von dieser mehr oder weniger subjektiven Äußerung begründet Johnson seine Forderung mit einer Reflexion über die logische Daseinsberechtigung dieser beiden Einheiten, die schließlich darin gipfelt, ihnen jegliche Legitimation zu entziehen. Die klassische Regelpoetik begründet den Imperativ der Einheiten mit der Wahrung der völligen Illusion: Der Zuschauer sei nicht in der Lage nachzuvollziehen, dass während einer dreistündigen Aufführung mehrere Jahre vergingen, respektive große geographische Distanzen zurückgelegt werden könnten.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die literaturgeschichtliche Situation Frankreichs zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein und benennt die „Préface de Cromwell“ als zentralen Wendepunkt.
II. Das klassische Drama: Hier werden die zentralen Merkmale des klassischen französischen Dramas, wie die drei Einheiten, die Vraisemblance und die Stiltrennung, erläutert.
III. Das romantische Drama: Dieses Kapitel widmet sich dem politisch-historischen Kontext sowie den europäischen Einflüssen, die zur Entstehung der romantischen Dramenform führten.
IV. Victor Hugos Wegbereiter: Eine detaillierte Analyse der theoretischen Vorarbeit durch Samuel Johnson, Benjamin Constant, Mme de Staël und Stendhal, die Hugos Vorstellungen maßgeblich prägten.
V. Victor Hugo. La Préface de Cromwell (1827): Das zentrale Kapitel analysiert Intention, Aufbau, das geschichtsphilosophische Epochenmodell sowie die Dramentheorie des berühmten Vorworts.
VI. Theorie und Praxis: Die Anwendung der neuen Dramenkonzeption: Eine Untersuchung der praktischen Umsetzung der neuen theoretischen Konzepte in den Dramen Cromwell, Hernani, Ruy Blas und Lorenzaccio.
VII. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert, dass das romantische Theater das klassische zwar nicht vollständig verdrängte, jedoch die Freiheit des Dichters nachhaltig revolutionierte.
Victor Hugo, Préface de Cromwell, romantisches Drama, französischer Klassizismus, drei Einheiten, Stiltrennung, Vraisemblance, Bienséance, Lokalkolorit, Alexandriner, Stendhal, Geschichte des Theaters, literarische Epochen, Dramentheorie, literarische Revolution.
Die Arbeit analysiert die Entstehung des französischen romantischen Dramas und stellt dabei Victor Hugos „Préface de Cromwell“ in das Zentrum der Untersuchung.
Zu den zentralen Themen gehören der Bruch mit der klassischen französischen Regelpoetik, die Definition des romantischen Dramas sowie die theoretische Fundierung durch verschiedene Wegbereiter.
Das Ziel ist es, die herausragende Bedeutung der „Préface de Cromwell“ für die Entwicklung des romantischen Theaters in Frankreich aufzuzeigen und die Umsetzung der neuen Theorien in der Praxis zu prüfen.
Die Autorin nutzt eine literaturhistorische und vergleichende Analyse, indem sie theoretische Schriften (Manifeste) den tatsächlichen dramatischen Umsetzungen in den untersuchten Theaterstücken gegenüberstellt.
Der Hauptteil behandelt das klassische Drama, die theoretischen Einflüsse von Johnson bis Stendhal sowie eine tiefgehende Exegese der „Préface de Cromwell“ und die praktische Anwendung in den Stücken Cromwell, Hernani, Ruy Blas und Lorenzaccio.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Préface de Cromwell“, „romantisches Drama“, „drei Einheiten“, „Stiltrennung“ und „Dramentheorie“ geprägt.
Johnson lieferte mit seinem Vorwort zu Shakespeare wesentliche Argumente gegen die starre Einhaltung der Einheiten von Ort und Zeit, die von französischen Romantikern wie Stendhal und Hugo dankbar aufgegriffen wurden.
Obwohl Hugo die theoretischen Forderungen in seinem Vorwort polemisch formulierte, konnte er diese im Stück selbst nicht konsequent umsetzen; das Werk gilt zudem wegen seines immensen Umfangs als unspielbar.
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