Wissenschaftliche Studie, 2008
133 Seiten
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Der Gevatterin Rat
3.1 Textinhalt
3.2 Analytischer Teil
4 Das erzwungene Gelübde
4.1 Textinhalt
4.2 Analytischer Teil
5 Ehescheidungsgespräch
5.1 Textinhalt
5.2 Analytischer Teil
6 Die drei Wünsche
6.1 Textinhalt
6.2 Analytischer Teil
7 Der begrabene Ehemann
7.1 Textinhalt
7.2 Analytischer Teil
8 Das heiße Eisen
8.1 Textinhalt
8.2 Analytischer Teil
9 Die eingemauerte Frau
9.1 Textinhalt
9.2 Analytischer Teil
Diese Arbeit untersucht die Ehedarstellungen in den Werken des Strickers, um der in der mediävistischen Forschung verbreiteten These entgegenzutreten, dass im Mittelalter keine partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau existiert hätten. Anhand der "Ehestandsmären" soll nachgewiesen werden, dass der Stricker ein dezidierter Verfechter gleichwertiger, partnerschaftlicher Beziehungen war und diese als utopisches Gegenmodell zu einer von Misogynie und Willkür geprägten Gesellschaft propagierte.
2 Einleitung
Die Arbeit versteht sich als Beitrag zur Auseinandersetzung mit der in der Mediävistik verbreiteten These, nach der man im Mittelalter nicht von einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Mann und Frau sprechen könne. In der Adelsgesellschaft, und nicht nur da, sei das Eheleben eher eine Lebensform und eine Angelegenheit zur Regelung sozialer Beziehungen gewesen, nicht aber eine Leib- und Seelengemeinschaft zweier Individuen. Wiederholt wird, insbesondere in feministisch ausgerichteten Arbeiten, davor gewarnt, im Zusammenhang mittelalterlicher Ehen von geistiger oder sexueller Partnerschaft zu sprechen. Hierbei handele es sich um anachronistische Reprojektionen des modernen Betrachters bzw. der Betrachterin. Sexuelle Treue der Ehefrau sei als symbolträchtigster Ausweis grundsätzlicher Unterordnung zu verstehen, keineswegs aber als Eigenwert oder als Ausdruck partnerschaftlicher Liebe zu begreifen. Durch eine eingehendere Beschäftigung mit den so genannten 'Ehestandsmären' des Stricker und den hierzu in der literaturhistorischen Mediävistik vorliegenden Interpretationen, sowie weiteren Stricker-Texten, die sich mit der Frage der Geschlechterbeziehungen auseinandersetzen, soll nachgewiesen werden, dass es das Konzept der Partnerschaftlichkeit zwischen Mann und Frau im Mittelalter durchaus gegeben hat, nämlich insbesondere beim Stricker.
1 Vorwort: Der Autor distanziert sich von einem einseitig finsteren Mittelalterbild und betont die Aktualität der mittelalterlichen Dichtung für heutige Beziehungsfragen.
2 Einleitung: Hier wird die Forschungslage zum mittelalterlichen Ehediskurs analysiert und die Absicht der Arbeit dargelegt, Stricker als Vertreter partnerschaftlicher Ideale zu rehabilitieren.
3 Der Gevatterin Rat: Untersucht wird ein Ehefall, in dem grundlose männliche Aggression durch das Eingreifen einer Gevatterin und einen Scheintod-Trick in eine neue, geheilte Partnerschaft überführt wird.
4 Das erzwungene Gelübde: Dieses Kapitel behandelt die Problematik übersteigerter Besitzansprüche und Eifersucht, die durch eine radikale Spiegelung der Forderungen gelöst wird.
5 Ehescheidungsgespräch: Das Kapitel analysiert einen Ehestreit, in dem die Ehefrau durch eine schlagfertige Reaktion auf die Drohung des Ehemannes das partnerschaftliche Gleichgewicht wiederherstellt.
6 Die drei Wünsche: Behandelt wird ein Ehepaar, das durch Unzufriedenheit und falsche Prioritäten trotz Einmütigkeit in eine existenzielle Krise gerät.
7 Der begrabene Ehemann: Analysiert wird die Gefahr der Selbstverleugnung und des Verzichts auf die eigene Persönlichkeit um des ehelichen Friedens willen.
8 Das heiße Eisen: Untersucht wird die Dynamik von grundlosen Schuldvorwürfen und Eifersucht in einer scheinbar intakten Beziehung.
9 Die eingemauerte Frau: Das letzte Kapitel widmet sich dem Problem der Eigenwilligkeit und Herrschsucht, die durch konsequente, aber gewaltfreie Führung korrigiert werden sollen.
Stricker, Mittelalter, Ehestandsmären, Partnerschaftlichkeit, Ehediskurs, Mediävistik, Geschlechterbeziehungen, Minne, Patriarchat, Ehe, Literaturgeschichte, Sozialstruktur, Gender, Solidarität
Die Studienarbeit untersucht die "Ehestandsmären" des Dichters Stricker und widerlegt die in der Mediävistik verbreitete Ansicht, dass im Mittelalter keine partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Eheleuten möglich waren.
Die Arbeit fokussiert auf Ehediskurse, die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, das Spannungsfeld zwischen traditionellen Normen und realer Lebenspraxis sowie die Frage nach gegenseitiger Achtung und Liebe.
Das Hauptziel ist nachzuweisen, dass Stricker als bedeutender Vertreter eines partnerschaftlichen Eheideals gelten muss, das auf Gleichwertigkeit und gegenseitiger Mitmenschlichkeit basiert.
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durch, die das Werk des Strickers in den Kontext der zeitgenössischen Forschung stellt und eine kritische Auseinandersetzung mit gängigen Mediävistik-Paradigmen vornimmt.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von sieben spezifischen Ehestandsmären, wobei jeweils Inhalt und analytische Hintergründe zu Konflikten wie Eifersucht, Gewalt oder Machtansprüchen dargelegt werden.
Zentrale Begriffe sind neben dem Autor "Stricker" und dem historischen Kontext "Mittelalter" vor allem "Partnerschaftlichkeit", "Ehe", "Geschlechterbeziehungen", "Misogynie" und der soziologische Begriff "Gender".
Der Autor sieht in ihnen nicht bloße Unterhaltungsschwänke, sondern ernsthafte didaktische Interventionen, die vor einer einseitigen Herrschaftsstruktur warnen und zur Etablierung eines "attraktiven menschlichen Gegenmilieus" aufrufen.
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Stricker im Gegenteil als ein profiliertes Gegenmodell zu frauenfeindlichen Strömungen seiner Zeit zu sehen ist und vehement die Partnerschaft auf Augenhöhe verteidigt.
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