Bachelorarbeit, 2008
36 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Informationsverarbeitung und Erinnerung
3 Framing
4 Veränderung der Erinnerung durch mediales Framing
4.1 Aktivierung von Schemata
4.2 Transformation von Schemata
4.3 Faktoren der Schema- Transformation
5 Probleme der Schema- Theorie
6 Mögliche Alternativen zur Schema- Theorie
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob und unter welchen Umständen mediales Framing die eigene Erinnerung an real selbst erlebte Ereignisse beeinflussen und verzerren kann, indem sie Erkenntnisse der Kognitionspsychologie mit medienwissenschaftlichen Framing-Ansätzen verknüpft.
4.2 Transformation von Schemata
Diese Überlegungen bedeuten, dass die Vorstellungen, Bewertungen und Entscheidungen von Rezipienten langfristig dadurch beeinflusst werden, dass Medien einerseits kumulativ primen, indem sie wiederholt prominent über ein Thema berichten und andererseits dieses Thema auf immer die selbe Art und Weise darstellen, es also konsonant framen (Scheufele, 2004: 38). Hängt ein erlebtes Ereignis also mit einem Thema zusammen, das in Medienberichten ständig gleich geframed wird, wird zur Rekonstruktion der Erinnerung dasselbe Schema herangezogen wie zur Verarbeitung der Medieninformation. Die Aktivierung eines Schemas beim Rezipienten ist der erste Schritt, aber wenn eine Erinnerung verändert werden soll, muss sie falsch rekonstruiert werden. Damit dies geschieht, müssen durch konstantes Framing bestehende Schemata beim Rezipienten verändert bzw. neue Schemata geschaffen werden.
Um die Veränderung bisheriger und die Etablierung völlig neuer Schemata zu erklären, bieten sich laut Scheufele Theorien mentaler Modelle (Johnson- Laird, 1983, 1989 zit. gem. Scheufele, 2004: 38) oder situationaler Modelle (van Dijk, 1988 zit. gem. Scheufele, 2004: 38) an. Solche Modelle werden als Repräsentationen der Situation verstanden, die in einem Medienbeitrag erwähnt wird und damit auch einem Medien- Frame unterliegt. Wer z.B. einen Artikel über einen fremdenfeindlichen Anschlag liest, hat schon ein Bild von der dortigen Situation, ausgehend von seinen Schemata, die damit zusammenhängen. Beim Rezipieren des Medienbeitrages wird es aber kontinuierlich validiert, erweitert oder neu konstruiert.
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Erinnerungsrekonstruktion und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur Beeinflussung durch mediales Framing.
2 Informationsverarbeitung und Erinnerung: Erläuterung der kognitionspsychologischen Schema-Theorie als Modell für die Speicherung und den Abruf von Informationen.
3 Framing: Definition des Framing-Begriffs in der Kommunikationswissenschaft und Abgrenzung zu kognitiven Schemata.
4 Veränderung der Erinnerung durch mediales Framing: Systematische Untersuchung, wie Medienberichte bestehende Schemata aktivieren und transformieren können, inklusive einer Analyse der Einflussfaktoren.
5 Probleme der Schema- Theorie: Kritische Reflexion der Schwächen der Schema-Theorie, insbesondere hinsichtlich ihrer statischen Konzeption und Operationalisierung.
6 Mögliche Alternativen zur Schema- Theorie: Vorstellung alternativer Erklärungsansätze wie der nicht-strukturellen Schema-Theorie und dem Konnektionismus.
7 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Möglichkeiten zukünftiger Modellbildungen.
Mediales Framing, Schema-Theorie, Erinnerungsrekonstruktion, Kognitionspsychologie, Medienwirkung, Informationsverarbeitung, Gedächtnis, Transformation von Schemata, Medienvertrauen, Priming, Mentaler Modelle, Sozialpsychologie, Rezipientenforschung, Ereignisschemata, Urteilsbildung.
Die Arbeit untersucht, ob und wie mediale Berichterstattung – sogenanntes Framing – unsere persönlichen Erinnerungen an Ereignisse, die wir selbst miterlebt haben, verändern oder verzerren kann.
Im Zentrum stehen die kognitive Psychologie (wie unser Gehirn Informationen speichert) und die Kommunikationswissenschaft (wie Medien Frames konstruieren und vermitteln).
Ziel ist es zu klären, ob ein Medien-Frame die Schemata, aus denen wir unsere Erinnerungen rekonstruieren, derart beeinflussen kann, dass wir uns an ein real erlebtes Ereignis anders erinnern, als es tatsächlich stattgefunden hat.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung kognitionspsychologischer Modelle auf kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Schema-Theorie, die Definition von Framing, die Analyse der Wirkungsmechanismen (Aktivierung und Transformation von Schemata) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen der Theorie.
Wesentliche Begriffe sind mediales Framing, Schema-Theorie, Erinnerungsrekonstruktion, Priming und die Stabilität der Informationsverarbeitung.
Damit ist gemeint, dass mediale Frames bestehende Wissensstrukturen beim Rezipienten verändern oder neue hinzufügen, was dazu führen kann, dass bei einem späteren Erinnerungsabruf das Ereignis nicht mehr authentisch, sondern angepasst an den Medien-Frame rekonstruiert wird.
Das Vertrauen in die Selektivität und Richtigkeit medialer Inhalte bestimmt, ob ein Rezipient die angebotenen Frames akzeptiert und in seine eigenen Denkmuster integriert oder ihnen kritisch gegenübersteht und sie ablehnt.
Je mehr Zeit vergeht, desto mehr verblassen detaillierte, inkonsistente Erinnerungen. Dadurch steigt der Einfluss von Schemata und damit die Anfälligkeit, dass eine Erinnerung durch spätere mediale Informationen verzerrt wird.
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