Magisterarbeit, 2008
111 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
I. Theoretische Fundierung
I.1 Grundsätzliche Merkmale von „Fremdheit“
I.2 Relevanz: Zur Unterscheidung des „Fremden“ vom „Anderen“
I.3 Grade der Fremdheit
I.4 Soziale und Kulturelle Fremdheit
Fazit
II. Datenerhebung
II.1 Methodische Konzeption
II.2 Auswahl der Intervieworte
II.3 Interviewführung
II.4 Grundsätzliche Überlegungen
III. Auswertung der Interviews
III.1 Die Interviewten – Distinktion und Kennerschaft
III.2 „Heimische Inseln“ – Zur Vertrautheit der beiden Hospize
III.3 Steuerungsmechanismen von Fremdheitserfahrungen
III.3.1) Räumlicher Rückzug
III.3.2) Retardation
III.3.2.1) Retardation durch eine kulturell nahe Gemeinschaft
III.3.2.2 Retardation innerhalb kulturell „sicherer“ Räume
III.4 Fremdheitserfahrungen
III.4.1 Allgemeine Charakteristika der beobachteten Fremdheitserfahrungen
III.4.2 Fremdheitserfahrungen im Modus von Rollenausrichtungen und Nichtzugehörigkeit
III.4.3 Fremdheitserfahrungen im Modus der Unvertrautheit
Zusammenfassung
Anhang
1. Leitfaden für VolontärInnen im Österreichischen Hospiz und im Paulushaus
2. Leitfaden für VolontärInnen im Österreichischen Hospiz und im Paulushaus
1. Leitfaden für Zivildienstleistende im Österreichischen Hospiz und im Paulushaus
2. Leitfaden für Zivildienstleistende im Österreichischen Hospiz und im Paulushaus
Die Arbeit untersucht die Fremdheitserfahrungen von deutschen und österreichischen VolontärInnen sowie Zivildienstleistenden in christlichen Hospizen in Jerusalem. Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie diese Personen Fremdheit erleben, welche Rolle ihre „heimischen Inseln“ (die Hospize) dabei spielen und welche Steuerungsmechanismen sie nutzen, um potenziell herausfordernde Begegnungen mit dem Fremden bewusst oder unbewusst zu beeinflussen.
III.1 Die Interviewten – Distinktion und Kennerschaft
Die Gruppe der für diese Arbeit interviewten Personen setzt sich aus Menschen zusammen, die man im Sinne von Mona Singer (1997) als „Kosmopoliten“ bezeichnen kann, womit Personen gemeint sind, die das Privileg zum Reisen haben und dieses auch nutzen. So hat sich auch tatsächlich bei allen Interviewten gezeigt, dass die befragten Männer und Frauen das Reisen als einen wichtigen und unersetzlichen Bestandteil ihres Lebens thematisierten, der als erwartetes und verlangtes wichtiges Kapitel des eigenen Lebenslaufes gilt und sogar zum Zeichen des Erwachsenwerdens geworden ist, ja zu einer Form des „rite de passage“ (): „Weil, meine Mutter hat das mit Jerusalem ganz cool hingenommen. Ich hab schon drauf gewartet, wenn sie erstmal sagt ‚Och Mädel, Du wirst ja doch groß.’ Das kam dann am Flughafen oder so zwei Tage vorher: ‚Ja ich merke jetzt, Du wirst erwachsen.’“ (Volontärin K, PH, I1: 9).
Weiterhin wurde das Reisen als eine Flucht aus einer ungewissen Zukunft beschrieben oder als Überbrückung eines bestimmten Zeitraums (etwa zwischen zwei beruflichen Tätigkeiten), womit es auch zum Strukturgeber der eigenen Lebensgestaltung wurde. Abgesehen davon, dass alle befragten Personen bereits über eine Vielzahl an (rein) touristischen Reiseerfahrungen verfügten, waren einige von ihnen auch bereits im Rahmen ihrer Erwerbsarbeit, ihrer schulischen Laufbahn oder eines Praktikums im Ausland gewesen. Nun sind sie in Jerusalem als VolontärInnen oder Zivildiener für einen Zeitraum zwischen vier Wochen und 13 Monaten. Im Gegensatz etwa zu Migranten, Flüchtlingen oder Exilanten unterliegen sie dabei aber nicht dem Zwang „zu einer ‚extremen’ bzw. ‚radikalen’ Auseinandersetzung mit einem anderen Land und einer anderen Kultur“ (Singer 1997: 119). Dieser fehlende Zwang resultiert daraus, dass diese Kosmopoliten im Vorfeld oder vor Ort in den meisten Situationen selber festlegen dürfen, wie intensiv der Kontakt zu den für sie unvertrauten kulturellen Gegebenheiten sein soll.
Einleitung: Einführung in die Ambiguität der Begegnung mit dem Fremden und Skizzierung des Forschungsinteresses an den Fremdheitserfahrungen von „KosmopolitInnen“.
I. Theoretische Fundierung: Erarbeitung der soziologischen Grundlagen von Fremdheit, Abgrenzung zum Begriff des „Anderen“ und Differenzierung der Fremdheitsgrade.
II. Datenerhebung: Erläuterung der methodischen Konzeption, Auswahl der Hospize in Jerusalem als Untersuchungsorte und Durchführung der qualitativen Interviews.
III. Auswertung der Interviews: Hauptteil der Analyse, der die Distinktion der Interviewten, die Funktion der Hospize als „heimische Inseln“ und verschiedene Steuerungsmechanismen von Fremdheitserfahrungen detailliert untersucht.
Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zu den Bedingungen sowie der Steuerung von Fremdheitserfahrungen.
Fremdheit, KosmopolitInnen, Jerusalem, Hospiz, soziale Interaktion, kulturelle Kompetenz, Retardation, heimische Inseln, qualitative Interviews, Identität, Exklusion, Relevanz, Fremdheitserfahrung, Rollenausrichtung, Vertrautheit.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen aus dem deutschsprachigen Raum, die als Volontäre oder Zivildienstleistende in Jerusalem leben, mit der fremden Umgebung und kulturellen Unterschieden umgehen.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Soziologie des Fremden, die Bedeutung von geschützten Rückzugsräumen (Hospize) und die bewusste oder unbewusste Steuerung von Fremdheitserfahrungen.
Das Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, unter welchen Bedingungen Fremdheitserfahrungen entstehen und wie die Probanden ihre Kontakte zur unvertrauten Außenwelt aktiv steuern.
Es handelt sich um eine qualitative Studie, die auf geführten Interviews mit deutschen und österreichischen Freiwilligen basiert, die während ihres Aufenthalts in Jerusalem befragt wurden.
Der Hauptteil analysiert, wie die Hospize als „heimische Inseln“ fungieren, wie die Probanden den kulturellen Kontakt dosieren (Retardation) und welche Interaktionsschwierigkeiten im Alltag auftreten.
Zentrale Begriffe sind „Fremdheitserfahrung“, „heimische Inseln“, „Retardation“, „soziale Interaktion“ und „KosmopolitInnen“.
Aufgrund seiner enormen multikonfessionellen und multiethnischen Vielfalt bietet Jerusalem den idealen Ort, um das Spannungsfeld zwischen der Anziehungskraft des Fremden und dem Bedürfnis nach vertrauten Strukturen zu beobachten.
Damit sind die beiden christlichen Hospize gemeint, in denen die Freiwilligen leben und arbeiten. Diese bieten durch ihre deutschsprachige Struktur und soziale Gemeinschaft einen Schutzraum, der es den Personen ermöglicht, sich nach Bedarf der fremden Umwelt zu nähern oder sich ihr zu entziehen.
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