Magisterarbeit, 2007
128 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Theoretischer und empirischer Bezugsrahmen
2.1 Definition und Explikation wichtiger Begriffe
2.1.1 Begriffsklärungen aus der Paarbeziehungs-Semantik
2.1.2 Explikation und Definition des Begriffs Fernbeziehung
2.2 Gründe und Ursachen für Fernbeziehungen
2.2.1 Bildungsexpansion
2.2.2 Mobilität
2.2.3 Individualisierte Lebensführung
2.2.4 Neue Wege der Partnersuche
2.3 Blick in die Forschungslandschaft
2.4 Folgerungen
3 Fragestellung und Forschungsdesign
3.1 Fragestellungen
3.2 Feldzugang und Entwicklung der Forschungsinstrumente
3.2.1 Erhebungsplanung und Auswahl der Paare
3.2.2 Der Leitfaden und die Objektive Daten Maske
3.3 Angewendete Verfahren zur Datenanalyse
4 Empirische Befunde
4.1 Die Fallanalysen
4.1.1 Ehepaar Mayer: Das Eigenheim als Ort der Beziehung
4.1.2 Anna und Bernd: Ambivalenz zwischen beruflicher Sicherheit und Familienwunsch
4.1.3 Ehepaar Berghaus: Fernbeziehung retrospektiv
4.1.4 Cornelia und Daniel: Die geplante Beziehung
4.1.5 Gaby und Heiner: Kompromisse für berufliche Zufriedenheit
4.2 Zusammenhänge
4.2.1 Entscheidungskriterien für das Eingehen von Fernbeziehungen
4.2.2 Polarität und Haushaltsintegration
4.2.3 Fernbeziehung als Ideal in Phasen erhöhter Berufskonzentration
4.2.4 Berufliche und finanzielle Sicherheit
4.2.5 Herstellung von Alltäglichkeit in Fernbeziehungen
5 Zusammenfassung und Bilanz der empirischen Befunde
5.1 Fernbeziehung in Folge von Individualisierung und Erlebnisgesellschaft?
5.2 Lebensphase oder Lebensform?
5.3 Ambivalenztheoretische Überlegungen
6 Schlussbemerkung
Ziel dieser Arbeit ist es, die persönlichen Hintergründe und Entscheidungsprozesse von Paaren zu erforschen, die eine Fernbeziehung führen. Dabei wird untersucht, wie diese Paare ihren Beziehungsalltag trotz räumlicher Distanz gestalten und inwieweit gesellschaftliche Trends wie Bildungsexpansion und Mobilitätsdruck ihre Lebensführung beeinflussen.
Wochenendbeziehung als Ideal einer individualistischen Lebensform
Ela Mayer bezeichnet sich als eine freiheitsliebende, unabhängige und individualistisch orientierte Frau.
„ich bin ja ein sehr freiheitsliebender Mensch, ich war ja schon immer, eigentlich wollte ich schon immer net heiraten und alles, weil ich immer Angst hab vor Bindungen und so weiter, also in so fern kommt mir das so alles entgegen, muss ich ganz (leiser) ganz offen und ehrlich sagen“ (Fall 3, Ela, Zeile 594 ff.)
„ich hab doch ein sehr schönes Leben äh ich kenns halt nicht anders und ich bin auch äh nicht der Typ der jetzt sehr anhänglich ist oder und immer meint, um Gottes Willen, ich muss meine ganze Familie um mich haben oder den ganzen Clan und äh alles muss pünktlich hier am Tisch sitzen (lacht) äh nee, also ich bin eher, ich brauch meine Freiheit und die das hab ich natürlich hier in der Beziehung das äh ist ein Vorteil das seh ich als Vorteil weil äh ich tatsächlich hier vielleicht ein bissel anders gepolt bin“ (Fall 3, Ela, Zeile 599 ff.)
Ela kommt diese Lebensform eindeutig entgegen. Sie hat den Vorteil, unter der Woche unabhängig zu sein. Sie hat nicht „den ganzen Clan“ um sich herum, sondern kann unabhängig über ihre Zeit verfügen. „Ich kann kommen wann ich will (lacht)“ (Zeile 531). Das freie Lachen von Ela, und generell die Tatsache, dass sie in diesem Abschnitt des Interviews häufig gelöst lacht, sind ebenfalls Zeichen dafür, wie wohl sie sich mit dieser Situation fühlt. Dass diese Beziehung deutlich ihren Vorstellungen entspricht, wird auch offensichtlich durch die Häufung des gemeinsamen Auftretens der Begriffe „Freiheit“ und „Vorteil“ in den entsprechenden Passagen. In den zwei auf die Freiheit bezogenen Abschnitten (Zeilen 518-540 und 594-611) verwendet Ela Mayer sieben Mal „Freiheit“ und fünf Mal „Vorteil“.
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung von Fernbeziehungen als Phänomen zwischen Mobilität und Lebensgestaltung und definiert die Forschungsziele.
2 Theoretischer und empirischer Bezugsrahmen: Hier werden zentrale Begriffe definiert und die Ursachen für Fernbeziehungen, wie Bildungsexpansion und Mobilität, sowie bestehende Forschungsansätze theoretisch aufgearbeitet.
3 Fragestellung und Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise, einschließlich der Erhebung mittels Leitfadeninterviews und der Auswertung nach der Grounded Theory.
4 Empirische Befunde: Der Kern der Arbeit präsentiert die detaillierten Fallanalysen der befragten Paare sowie eine vergleichende Untersuchung übergreifender Zusammenhänge.
5 Zusammenfassung und Bilanz der empirischen Befunde: Hier werden die Ergebnisse kritisch reflektiert und in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zur Ambivalenztheorie und Individualisierung eingebettet.
6 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Erkenntnisse über die beruflich motivierte Phase der Fernbeziehung und gibt Ausblicke auf weiteren Forschungsbedarf.
Fernbeziehung, Paarsoziologie, Alltagspraxis, Mobilität, Bildungsexpansion, Individualisierung, Haushaltsintegration, Polarität, Ambivalenztheorie, Lebensformen, Partnerschaft, Berufsorientierung, Entscheidungsprozesse, Sozialforschung, Paarbiographie.
Die Studie untersucht das soziologische Phänomen von Fernbeziehungen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Paare ihren Beziehungsalltag gestalten und welche Motive zur Wahl dieser Lebensform führen.
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen beruflicher Karriere, Mobilitätsanforderungen und privater Beziehungsgestaltung sowie die Bedeutung von Alltäglichkeit und Haushaltsintegration.
Das primäre Ziel ist zu verstehen, wie Fernbeziehungspaare Alltäglichkeit konstruieren und ob diese Beziehungsform eher ein freiwillig gewähltes Ideal oder ein beruflich bedingter Kompromiss ist.
Die Arbeit nutzt die Methode der Fallanalyse auf Basis qualitativer Leitfadeninterviews, die nach den Prinzipien der Grounded Theory ausgewertet wurden.
Der Hauptteil widmet sich in fünf detaillierten Fallanalysen den individuellen Entscheidungswegen der Paare und erörtert anschließend übergreifende Themen wie Standortwahl, Polarität und Haushaltsintegration.
Wesentliche Begriffe sind Fernbeziehung, Alltagspraxis, Mobilität, Individualisierung, Ambivalenz, Haushaltsintegration, Polarität und Paarsoziologie.
Das Ehepaar Mayer betrachtet die Fernbeziehung eher als dauerhaftes Arrangement, da es durch ein Eigenheim stark an einen festen Hauptwohnsitz gebunden ist und die Flexibilität unter der Woche positiv bewertet.
Die Paare stehen in einem ambivalenten Spannungsfeld: Einerseits besteht der starke Wunsch nach einem gemeinsamen Lebensmittelpunkt, andererseits erschweren unsichere berufliche Perspektiven und der Wunsch nach finanzieller Stabilität den endgültigen Schritt zur gemeinsamen Wohnform.
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