Diplomarbeit, 2007
131 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Begriffsdefinition
2 Konzept und Fragestellung
2.1 Zur "Grounded Theorie"
2.2 Die Entwicklung der Fragestellung
2.3 Reflexive Sozialpsychologie und qualitative Sozialforschung
3 Überblick zum Stand der Forschung
3.1 Quantitative Studien
3.2 Qualitative Untersuchungen
4 Kinder in der Erziehungsberatung
4.1 Effekte der Erziehungsberatung
4.2 Beurteilung der Erziehungsberatung aus Kindersicht
4.3 Die Entwicklung des Settings in der Beratung
4.3.1 Das familienorientierte Setting
4.3.2 Die Kombination aus Einzel- und Familiensetting
5 Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum
5.1 Konzept der Einrichtung und Leitbild
5.2 Praxisforschung und Qualitätsmanagement
5.3 Der Weg zur Erziehungsberatungsstelle
5.3.1 Das Aufnahmeverfahren
5.3.2 Die Beratungsanlässe
5.4 Beratung oder Therapie?
5.4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.4.2 Die Spielstunden in der Beratungsstelle
5.5 Emotionale Störungen bei Kindern
5.5.1 Risiko- und Schutzfaktoren der kindlichen Entwicklung
5.5.2 Merkmale emotionaler Störungen
6 Spieltherapie
6.1 Die Nichtdirektivität in der Spieltherapie
6.2 Die Rolle der TherapeutInnen
6.3 Das Spielzimmer als Schutzraum
6.4 Spieltherapie als "Reifungshilfe"
6.5 Abgrenzung zur Lösungsorientierten Therapie
6.6 Die Einbeziehung der Eltern
6.7 Wirksamkeit von Psychotherapie
7 Methodisches Design
7.1 Das Leitfaden-Interview
7.1.1 Die Erstellung des Interviewleitfadens
7.1.2 Die Entwicklung des Playmobiltests
7.2 Die Durchführung der Interviews und des Playmobiltests
7.2.1 Das Problem der Suggestion
7.3 Die Untersuchungsgruppen
7.3.1 Vorstellung der Kinder
7.3.2 Die Beraterinnen und Berater
7.3.3 Exkurs: Zur Methodologie der Kindheitsforschung
7.4 Die Methodik der Auswertung
8 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Zeitpunkt I
8.1 Die Lebenssituation der Kinder
8.1.2 Die Problemdefinition der Kinder
8.1.3 Die Lebenssituation aus Sicht der BeraterInnen
8.1.3.1 Exkurs: gegenwärtige Lage von Kindern als Asylbewerber in Deutschland
8.1.4 Die familiären Beziehungen der Kinder
8.1.5 Wünsche und Phantasien der Kinder
8.1.6 Bisherige Lösungsversuche und Ressourcen
8.2 Der Zugang zur Beratungsstelle und zu den Spielstunden
8.2.1 Partizipation der Kinder an Entscheidungsprozessen
8.2.2 Erwartungen der Kinder
8.3 Die Spielstunden
8.3.1 Das Setting der Spielstunden
8.3.2 Die Spielstunden als Freiraum
8.3.2.1 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der Kinder
8.3.2.2 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der BeraterInnen
8.3.3 Die Beziehung zwischen Kindern und ihren BeraterInnen
8.3.3.1 Die Beziehung aus der Sicht der Kinder
8.3.3.2 Die Beziehung aus der Sicht der BeraterInnen
8.4 Vorläufiges Resümee nach den ersten Interviewgesprächen
9 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Zeitpunkt II
9.1 Die Lebenssituation der Kinder
9.1.1 Die externen Veränderungen
9.1.2 Individuelle Veränderungen beim Kind
9.1.2.1 Die individuellen Veränderungen aus der Sicht der Kinder
9.1.2.2 Die individuellen Veränderungen aus der Sicht der BeraterInnen
9.1.3 Veränderungen der familiären und sozialen Beziehungen
9.2 Die Spielstunden
9.2.1 Das Setting der Spielstunden
9.2.2 Die Spielstunden als Freiraum
9.2.2.1 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der Kinder
9.2.2.2 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der BeraterInnen
9.2.3 Die Beziehung zwischen Kindern und ihren BeraterInnen
9.2.3.1 Die Beziehung aus der Sicht der Kinder
9.2.3.2 Die Beziehung aus der Sicht der BeraterInnen
9.2.4 Der Abschied von den Spielstunden
9.3 Wünsche und Phantasien der Kinder
10 Persönliche Stellungnahme
10.1 Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse
10.2 Ausblick und Folgerungen für die Praxis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung von Spielstunden in einem SOS-Beratungszentrum aus der Perspektive der teilnehmenden Kinder. Ziel ist es, zu verstehen, wie Kinder das Setting und ihre Beziehung zu den Beraterinnen und Beratern erleben und welche Veränderungen sie im Verlauf der Maßnahme wahrnehmen.
6.1 Die Nichtdirektivität in der Spieltherapie
Das im Wort enthaltene "nicht" ist von zentraler Bedeutung. Die Wirkung der nichtdirektiven Spieltherapie entfaltet sich nämlich gerade durch die Tatsache, dass der/die TherapeutIn sich nicht mit Vorschlägen zum Spiel einmischt und nicht versucht, das Kind direkt oder indirekt zu beeinflussen. Die Haltung der TherapeutInnen ist von einer annehmenden und akzeptierenden Hinwendung zum Kind gekennzeichnet, ohne dabei Handlungsanweisungen und Ratschläge zu geben. Das Kind erhält damit einen großen Spielraum und wird in vollem Umfang als eigenständiger Mensch anerkannt.
Im Grunde genommen erfährt es auf diese Weise etwas, was im Alltag und im Kontakt mit Eltern meist nicht möglich gemacht wird: Ein erwachsener Mensch nimmt es wirklich "ernst" und zwar mit all dem, was es mitbringt und anbietet. Dieser Ansatz entspricht in vielerlei Hinsicht den Forderungen von Lenz (2001) und anderen bereits vorgestellten Autoren, die Kinder zu beteiligen und als eigenständige Personen anzuerkennen.
Wie die Rolle der TherapeutInnen dabei aussieht, werde ich nach der folgenden Vorstellung zwei bedeutender Personen, die das Prinzip der Nichtdirektivität entwickelt haben, genauer erläutern:
Ausgangspunkt dieser therapeutischen Haltung ist die Entwicklung der personenzentrierten Psychologie von Carl Rogers in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts gewesen, die er quasi als Gegenmodell zu den damals praktizierten therapeutischen Methoden entwarf (in Goetze 2002). Es würde an dieser Stelle zu weit führen, sein Modell umfassend zu erläutern, jedoch konzipiert sein Ansatz ursprünglich das Prinzip der Nichtdirektivität. Ihm liegt die Annahme zugrunde, dass emotionale Störungen sich herausbilden, wenn "Erfahrungs- und Gefühlsbereiche nicht gelebt, abgespalten und verzerrt werden" (Remschmidt 1997, S.114). Das Therapieziel ist die Rückeinbindung dieser ausgegrenzten Bereiche und damit die Aufhebung der daraus resultierenden Selbstentfremdung. Dabei steht nicht die Lenkung, sondern das Verstehen des Klienten im Vordergrund. Ebenso spielt der feste Glaube an die Ressourcen und die gesunde Kräfte im Klienten eine große Rolle. Besonders wichtig war für Rogers das "Gewähren lassen" von Gefühlen (Goetze 2002, S.86). Rogers hat bereits im Jahr 1942 Grundsätze zur nichtdirektiven Therapie mit Kindern formuliert, die später von seiner Schülerin Virginia Axline (1990, im Original 1947) weiterentwickelt wurden.
1 Einleitung: Einführung in die Erziehungsberatung und Begründung, warum die kindliche Perspektive auf Spielstunden wissenschaftlich und praktisch von großer Bedeutung ist.
2 Konzept und Fragestellung: Darstellung des zirkulären Entwicklungsprozesses der Fragestellung im Rahmen der qualitativen Sozialforschung, insbesondere unter Anwendung der "Grounded Theorie".
3 Überblick zum Stand der Forschung: Zusammenfassung aktueller quantitativer und qualitativer Studien zur Beteiligung und Wahrnehmung von Kindern in Beratungskontexten.
4 Kinder in der Erziehungsberatung: Erörterung der Effekte von Erziehungsberatung, der Differenz zwischen Therapie und Beratung sowie der Rolle verschiedener Settings für die kindliche Zufriedenheit.
5 Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum: Vorstellung der Einrichtung, ihres Leitbildes, des Qualitätsmanagements und der formalen Abläufe in der Beratungsstelle.
6 Spieltherapie: Erläuterung theoretischer Konzepte der Spieltherapie, insbesondere der Nichtdirektivität, und Abgrenzung zu anderen Verfahren.
7 Methodisches Design: Beschreibung der qualitativen Untersuchung, der eingesetzten Methoden (Leitfaden-Interviews, Playmobil-Tests) und der Auswertungsstrategie.
8 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Zeitpunkt I: Analyse der Lebenssituation der Kinder, ihrer Erfahrungen beim Zugang zur Beratungsstelle und ihres Erlebens der Spielstunden zu Beginn der Maßnahme.
9 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Zeitpunkt II: Untersuchung der Veränderungen in Lebenssituation, Spielstundenerleben und Beziehungen bei den Kindern zum Ende des Schuljahres.
10 Persönliche Stellungnahme: Kritische Diskussion der Ergebnisse und Ableitung konkreter Folgerungen für die zukünftige Praxis in Erziehungsberatungsstellen.
Erziehungsberatung, Spielstunden, Kindheitsforschung, Partizipation, Nichtdirektivität, Spieltherapie, Qualitative Sozialforschung, Bindung, psychosoziale Belastungen, kindliche Perspektive, SOS-Beratungszentrum, emotionale Problematik, Krisenintervention, Empowerment, Beratungssetting.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der qualitativen Untersuchung von therapeutischen Spielstunden im SOS-Beratungszentrum aus der Sicht der betroffenen Kinder.
Zentrale Themen sind die kindliche Partizipation, die Qualität der therapeutischen Beziehung, das Erleben von Schutzräumen sowie die Einbeziehung der Eltern in den Beratungsprozess.
Das Ziel besteht darin, die "wissenschaftliche Lücke" bei der Wahrnehmung von Kindern als junge Klienten zu schließen und zu erfahren, wie sie das Angebot der Spielstunden bewerten.
Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung im Sinne der reflexiven Sozialpsychologie, die unter anderem Leitfaden-Interviews und projektive Verfahren wie den "Playmobil-Test" nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Kindheitsforschung und Spieltherapie sowie einen empirischen Teil, der die Kinder zu zwei Zeitpunkten befragt und die Ergebnisse diskutiert.
Wichtige Begriffe sind Kindgerechtigkeit, Partizipation, emotionale Bedürftigkeit, Vertrauensbildung und eine nichtdirektive therapeutische Haltung.
Die Arbeit stellt heraus, dass Kinder das Familiensetting häufig als belastend oder langweilig empfinden, während sie das Einzelsetting der Spielstunden meist uneingeschränkt positiv bewerten.
Die Beziehung ist entscheidend; die Kinder erleben die Beraterinnen und Berater oft als Vertrauenspersonen, die ihnen Sicherheit bieten und Raum für ihre individuellen Bedürfnisse geben.
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